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2009-11-18T00:00:00+01:00

Call of Duty: Modern Warfare 2 Hart an der Grenze!

Test: Xbox 360 · 18. Nov 2009 · Matt (redaktion)

Der wohl meist erwartete Titel des Jahres ist endlich zu haben! Mit "CoD: Modern Warfare 2" kommt aber auch eines der umstrittensten Spiel in den Handel, das nicht umsonst schon im Vorfeld für heftigen Wirbel gesorgt hat. Weshalb zartbesaitete Gemüter besser einen grossen Bogen um das Spiel machen erfahrt ihr hier.

Einmal mehr ruft eine internationale Krise verschiedene Spezialeinheiten auf den Plan. In der Rolle von jeweils einem Mitglied dieser Einheiten spielt man die Story aus unterschiedlichen Blickwinkeln nach, wodurch sich so nach und nach ein erklärendes Gesamtbild ergibt. Die Einsätze führen rund um den Globus und konfrontieren den Spieler mit immer neuen Herausforderungen. Dabei wechseln sich Stealth- und Action-Missionen wie gewohnt ab. So muss man ein Mal während eines heftigen Schneetreibens eine Basis infiltrieren und die eingeschränkte Sichtweite zu seinem Vorteil nutzen. Ein ander Mal findet man sich in einem heftigen Häuserkampf in mitten einer klassischen Vorstadtwohnsiedlung wieder.

Die Präsentation und Action sind dabei wieder auf oberstem Niveau und vermitteln einem die beklemmende Stimmung mitten im Geschehen zu sein. "Modern Warfare 2" hetzt den Spieler von einem Highlight zum nächsten und gönnt einem dabei kaum eine Verschnaufpause. Immer wird man mit neuen Einsatzzielen bombardiert und oft findet man sich in ausweglosen Situationen wieder, die nur mit einem kühlen Kopf und einem flinken Finger am Abzug zu meistern sind. Gerade wenn es eine Stellung zu halten gilt während ganze Heerscharen von Feinde anrücken ist man dann auch froh, dass die KI-Kameraden eine ordentlich Portion Hirnschmalz spendiert bekommen haben und euch im Ernstfall schon mal den Rücken frei halten.

Schon immer wurden in der "Call of Duty"-Serie die Grenzen des guten Geschmacks ausgelotet, wodurch das Spiel häufig in der Kritik der "Killerspiel"-Gegner stand. In "Modern Warfare 2" gehen die Entwickler nun an die Grenzen des Ertragbaren. An einem Flughafen findet sich der Spieler als Undercover-Agent unter Terroristen wieder, die gerade einen Flughafen stürmen. Um hier nicht zu Spoilern, werde ich nicht näher auf das eingehen, was dann folgt, denn nur mit dem Überraschungseffekt kommt die Szene zur vollen Geltung. Selten hat mich ein Videospiel so sehr aufgerüttelt und auch in einer gewissen Weise betroffen gemacht, wie dieser Moment am Flughafen. Die Darstellungsweise ist schockierend schonungslos und in der Gewaltdarstellung explizit. Activision liess in einer offiziellen Stellungnahme verlauten, dass in diesem Level "die Dringlichkeit der Mission des Spielers aufgezeigt" wird. Zudem hat ein Eingreifen des Spielers in besagter Szene ein "Game over" zur Folge, zumindest in der deutschen Version. In andern Versionen darf hier hemmungslos geballert werden. Ich bin sicher nicht konservativ und offen für alles. Aber auch ich muss sagen, dass dieser Level hart an die Grenzen des guten Geschmacks geht und eines ist sicher, den "Killerspiel"-Gegnern"wird hier wieder neues Futter für ihren Feldzug geliefert.

Die Areale, auf denen die Schlachten ausgetragen werden, sind teils riesig. Trotzdem ist der Spielablauf extrem linear und gaukelt einem Entscheidungsfreiheit in der Wegfindung nur vor. Aufgrund der zahlreichen gescripteten Events verlangen die Entwickler vom Spieler zu gewissen Zeitpunkten an gewissen Orten zu sein, und so läuft man teils wie in einem interaktiven Film die Schauplätze ab, um die Storyline weiter voranzutreiben. Dadurch ist es natürlich möglich, den Spielern eine filmnahe Spielerfahrung zu bescheren, der Preis ist, dass man Handlungsfreiheit vergeblich sucht.

Kommentare

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Matt hat geschrieben - 18 Nov

Ich stelle die Flughafenmission nicht an den Pranger, im Gegenteil... von der Intensität her gibt es kaum was im Videospielsegement, die das übertrifft. Dennoch, und deshalb die Headline, geht man hart an die Grenze. Sag was du willst, aber die Entwickler wollen auch ganz klar schockieren und ob man dass Ganze nicht auch als Zwischensequenz und weniger detailliert abhandeln hätte können, sei mal dahingestellt. Punkteabzug gab es in der Wertung dafür jedenfalls nicht, moralische Bedenken hingegen schon ;-)

Roger hat geschrieben - 18 Nov

Ich hab das Spiel leider bisher noch nicht in der Konsole gehabt. Steht aber definitiv auf der "Wunschliste"

Jarekk82 hat geschrieben - 18 Nov

Warum haben denn bei dem Flughafen-Level immer alle Angst vor den "Killerspiel"-Gegnern? Gäbe es den Flughafen nicht, würden sie sich ein anderes Spiel und eine andere Szene schnappen und damit für ein Verbot werben.

Wer wird ernsthaft erwarten, dass bei einem Spiel, das „Warfare” in seinem Titel und ein rotes PEGI-Emblem auf der Verpackung trägt, alle nett miteinander sind...? Wir reden hier von einem Spiel für Erwachsene und wir reden hier von einer kinoreifen Geschichte, die erzählt wird. Diese Geschichte ist mitunter auch dreckig und schockierend. Das Setting im Level „Kein Russisch” ist beklemmend. Wer sich die Videos des im Netz angesehen - oder noch besser: es selbst durchgespielt hat - wird wissen, was ich meine. Die Musik ist bedrückend. Mann rennt nicht durch den Level, man schiesst sich gehend seinen Weg durch unschuldige Menschen, einer Dampfwalze gleich; Ohne Hast und mit einer Kaltblütigkeit, die abstossend ist. Die wenigen verzweifelten Versuche der Flughafensecurity, uns aufzuhalten, werden innert Sekundenbruchteilen blutig vereitelt. Ein perverses Gefühl der Macht kommt in uns auf während wir - angeekelt von uns selbst - durch die Leichenberge marschieren. Es gibt nichts Heroisches in dieser Spielszene: Wir erschiessen Menschen, die sich blutend in Sicherheit bringen wollen, Menschen, die um ihr Leben betteln, Menschen, die andere in Sicherheit bringen wollen, mutige (aber leichtsinnige) Menschen, die dieses Blutbad verhindern wollen.

Sie haben keine Chance.

Sie haben nicht die geringste gottverdammte Chance!

Wir befinden uns auf einer Untergrundmission und wollen eigentlich denjenigen stoppen, der sich solche Menschen verachtenden Anchläge plant. Hat euch diese Mission angeekelt? Gut, ich denke, so war sie auch gedacht. Was muss dieser eingeschleuste Soldat, dessen Rolle ihr übernehmt, sonst noch alles durchmachen, um an der Seite des Terroristen solche niederträchtigen Taten durchführen zu können? Wie kann er nachts schlafen?

Jedenfalls - und ohne spoilern zu wollen - passt dieser Abschnitt perfekt in die Story zu MW2. Als ich ihn gestern Abend gespielt habe, war ich fasziniert und abgestossen zugleich. Tausend Fragen gingen mir durch den Kopf und als die Mission zuende war, musste ich sagen: „Boah, wir krank war das denn gerade?!”. Nachdem ich kurz Zeit hatte - nämlich bis zum Beginn der neuen Mission - meine Gedanken zu sortieren, ging es auch gleich wieder Schlag auf Schlag weiter. Ich muss das Spiel noch zuende zocken (dauert ja nicht mehr lange), aber durch die Präsentation, den Verlauf und das unerwartete Ende von „Kein Russisch” bin ich der Meinung, dass dieser Level seine Berechtigung hat.

Krieg ist dreckig, Jungs. Wurde Zeit, dass uns das bei all den Glorifizierungen auch mal wieder jemand vor Augen führt.

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