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VGMG greift erneut Medienbranche an

News Roger

Der Verein gegen mediale Gewalt (VGMG), dessen Gründer und Co-Präsident Roland Näf für seine generell abneigende Haltung gegenüber Videospielen für Erwachsene bestens bekannt ist, veröffentlichte als Reaktion auf die Pläne des Bundes, den Schweizer Jugendschutz zu stärken, eine Pressemitteilung.

Auffallend ist deren Wortlaut: Nachdem die Möglichkeit des Erzwingens eines generelles Verbot nach der hausinternen Pleite des Berner SP-Grossratmitgliedes Näf massiv geschrumpft ist, versucht man nun, die Herstellung von Gewalt beinahltenden Videospielen durch Abgaben, welche die Hersteller auf diese Spiele verrichten müssten, unattraktiv zu machen. Verbote, das ewige grösste Ziel, werden zwar nicht genannt, aber auch nicht explizit abgewiesen. Auch lässt es sich Näf nicht nehmen, die Gesamtheit der Game-Industrie durch groteske Vergleiche mit der Tabakbranche zu diffamieren.

Der VGMG respektive Roland Näf brillierte bisher kaum durch konstruktive und ehrlich gemeinte Schritte in Richtung einer Jugendschutzoptimierung in der Schweiz. Dabei legte der Verein ein oberflächlich Videospiel-freundliches Verhalten an den Tag, indem Co-Präsident Näf zum Beispiel seine Programmier- und Spielekenntnisse von früher auf die Wagschale legte, polemisierte aber gleichzeitig mit humpelnden oder gar falschen Vergleichen und und bissigen Aussagen:

Auch Kindesmissbrauch lässt sich als sportlicher Wettbewerb inszenieren, oder ein Wettkampf, wer beim Überfahren von Behinderten und älteren Menschen am meisten Punkte sammelt.

Interview mit Roland Näf. Tink.ch. Ansicht 22. Juli 2010.

Wir sind uns alle absolut einig, dass es keine Kinderpornografle geben darf und dass man nicht betrunken Auto fahren darf Warum? Weil diese Dinge Drittpersonen schaden. Das ist auch bei Killerspielen so.

Roland Näf: "Killerspiele machen friedliche Knaben deutlich aggressiver". Ansicht 22. Juli 2010.

Auch im Forum der Vereinigung GameRights tauchte Näf ab und zu auf, um die Spielergemeinde mit der altbekannten Anschuldigung der Abhängigkeit von Gewalt zu konfrontieren, oder aber um unter Verwendung von herablassenden Sprüchen Studienergebnisse einzubringen, welche eine direkte Verbindung von Spielkonsum und gewalttätigem Verhalten belegen wollen. Auf die sachlichen Reaktionen der Vereinigung wurde dabei nie reagiert. Vielmehr behauptet Näf, die Spieler seien ihm auf die Frage nach der Abhängigkeit von Gewalt eine Antwort schuldig geblieben. Zwischendurch erhielt die GameRights-Leitung auch E-Mails von Roland Näf mit persönlichen verbalen Angriffen auf Mitglieder der Vereinigung. Auch auf politnetz.ch, wo die Thematik von verschiedenen Meinungsvertretern diskutiert wird, war aus Aussagen und Kommentaren Näfs nicht viel mehr zu lesen.

Trotzdem fallen gerade verschiedene politische Vertreter - praktisch immer diejenigen, welche sich für ein Verbot aussprechen - dadurch auf, dass sie bisher noch keinerlei Kontakt mit Gewalt in modernen Medien hatten, geschweige denn einmal einen Ego-Shooter oder überhaupt ein modernes Videospiel gespielt haben. Die meisten, darunter auch Näf selbst, nicht jedoch SP-Nationalrätin Evi Allemann, verweigern dabei den Versuch, solche Spiele mal selbst zu spielen (was übrigens gerade bei älteren Personen immer öfter in Aussagen wie "So schlimm ist das jetzt auch wieder nicht" resultiert). Näf behauptet jedoch, für seine "Recherchen" den Third-Person-Shooter Stranglehold durchgespielt zu haben.

Mittlerweile ist also bekannt, dass Näf gar nicht erst versucht, zusammen mit den Spielern eine beidseitige Lösung zu finden. Er begnügt sich damit, die Gamer subtil in die Ecke der Kinderpornographen und Gewaltverbrecher zu schieben, auch wenn er konstruktives Denken heuchelt. Das Verbot wird beziehungsweise wurde als einzig wahre Lösung kommuniziert, obwohl Verbote eigentlich gar nicht nach dem Gusto Näfs seien:

Ich bin sonst ein sehr liberaler Geist und der Letzte, der alles mit Verboten zupflastern will.

Roland Näf: "Killerspiele machen friedliche Knaben deutlich aggressiver". Ansicht 22. Juli 2010.

Nach nur schwach und ansatzweise abgewendeten Skandalen der Verbindung mit mittlerweile offiziell inexistenten pseudowissenschaftlichen Sekten und in mehreren Kantonen der Schweiz lancierten, jeweils praktisch wortgleichen Verbotsmotionen, entschied die SP offiziell, sich nicht für solche Verbote einzusetzen und auf Aufklärung zu setzen. Danach schien man sich beim VGMG leicht und wohl eher auf kosmetischer Ebene zu distanzieren.

Nach der Ansage des Bundes hinsichtlich Jugendschutz reagiert der Verein nun also mit einer Pressemitteilung, datiert auf den 14. Juni 2010. In dieser Mitteilung wird erneut ein von Näf auf den Namen "Vier-Säulen-Prinzip" gemünztes Forderungs- oder Lösungspaket angepriesen. Die drei Punkte "Information und Schulung", "Gesetzlich verankerter Jugendschutz" sowie "Förderung der Medienkompetenz" decken sich mit den Visionen der Vereinigung GameRights und entsprechen Projekten und Angeboten, welche hier bereits in der Planung respektive Realisierung sind. Der vierte Punkt - vormals eine Variation der Forderung "Verbot von Videospielen, in denen grausame Gewalt zum Spielerfolg beiträgt" (Reaktionstext auf Winnenden) - hat nun einen neuen, zahmeren Namen:

Einschränkung des Handels mit Killergames und Horrorfilmen

VGMG: Jugendliche Gewaltexzesse - 4 Faktoren zur Risikominderung. Ansicht 22. Juli 2010.

Und ein VGMG-Text wäre kein VGMG-Text, wenn nicht noch eine Interessen- oder Berufsgruppe, welche Näf suspekt ist, angegriffen und denunziert wird:

Eher belustigend wirkt aus der Sicht der VGMG, dass der Bundesrat sich auch auf Angebote der Medienbranche abstützen will. Game-Produzenten kämpfen mit Verharmlosungsstrategien und Scheinaktivitäten gegen jede Einschränkung, aus Angst vor Gewinneinbussen. Roland Näf, Co-Präsident, meint dazu: "Den Game-Produzenten und dem Handel den Jugendschutz zu überlassen ist genauso absurd, wie die Tabakindustrie mit der Suchtprävention zu beauftragen."

Roland Näf / VGMG: Bundesrat macht ersten Schritt gegen die Gewaltverherrlichung am Bildschirm - ein Feigenblatt?. Ansicht 22. Juli 2010.

Während die stets als böse, geldgeil und empathielos dargestellte "Spieleindustrie" sich für besseren  und fairen Jugendschutz einsetzt und Bereitschaft zur Kooperation signalisiert, geht der VGMG keine Sekunde auf eine Zusammenarbeit ein und verrät so die unausgesprochenen wahren Ziele: Kein Ansetzen bei Waffenbesitz, kein Interesse an gesamthaft nachhaltigem konstruktivem Jugendschutz, kein intensiveres Beobachten vom Verhalten von Jugendlichen in Schulen und Zuhause, auch nicht verbindliche(re) Reglementierung von Spieleverkäufen, sondern einzig und allein das Verbot und die Abschaffung von jeglicher Darstellung von Gewalt in Videospielen. Es geht nicht um die Lösung eines Problems, um die multilaterale Verbesserung einer ungenügenden Situation; es handelt sich ausschliesslich um den Hass einiger weniger Personen auf ein Medium respektive bestimmte Inhalte von Unterhaltungsmedien, welche sie partout nicht verstehen wollen oder können. Die Reaktion fällt dabei tatsächlich reaktiv aus: Was wir nicht verstehen, wollen wir nicht.

Das sollte VGMG-Sympathisanten, aber auch anderen Personen welche das reisserische, hetzerische und verunglimpfende Gedankengut der Vereinigung gegen mediale Gewalt mittragen, eigentlich zu denken geben.

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