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Shenmue III - Test / Review

Fan-Service mit Altersschwächen

Test Video Benjamin Braun getestet auf

Ganze 18 Jahre mussten Fans von Yū Suzukis "Shenmue"-Reihe auf eine Fortsetzung warten, nun ist es auf PC und PlayStation 4 endlich so weit. Ob "Shenmue III" den hohen Erwartungen der Fans gerecht werden kann und wir mit Ryo Hazukis neuem Abenteuer unseren Spass hatten? Die Antwort auf diese Fragen verrät unser Test.

Ryo Hazuki ist kaum einen Tag gealtert, als er im Dorf Bailu in der chinesischen Provinz Guilin aufschlägt. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn die Handlung von "Shenmue III" setzt genau dort an, wo sie im 2001 erstmals veröffentlichten Vorgänger endete. Ryo will in Bailu seiner Begleiterin Shenhua bei der Suche nach deren Vater helfen - und gleichzeitig immer noch Lan Di, den Mörder seines Vaters, finden und zur Rechenschaft ziehen. Zum Abschluss der Geschichte kommt es in "Shenmue III" zwar nicht, bis zum Finale vergehen aber dennoch locker 25 Stunden. Was wir auf dem Weg dorthin erlebt haben und ob wir das Sequel guten Gewissens empfehlen können, erfahrt ihr im Folgenden.

Altbewährtes Spielkonzept

"Shenmue III" knüpft nicht nur bei der Story nahtlos an seine mehr als 18 Jahre alten Vorgänger an, auch an der grundlegenden Spielmechanik ändert sich vergleichsweise wenig. So gibt es etliche Bestandteile einer Lebenssimulation, bei denen ihr regelmässig essen müsst, damit eure stetig sinkende Lebensenergie (konkret "Ausdauer" genannt) nicht zu stark absinkt. Um die Lebensmittel bei Markthändlern oder in Restaurants bezahlen zu können, benötigt ihr natürlich auch Geld. Das verdient ihr etwa in einem roboterhaft anmutenden Holzhack-Minispiel oder später beim Verschieben von Schiffsfracht mit einem Gabelstapler. Wer will, kann in der Umgebung auch Blumen pflücken und bei einem Händler zu Geld machen. Habt ihr bestimmte Pflanzen-Sets beisammen, gibt es besonders viel Kohle.

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Für Lebensmittel ist schnell ausreichend Geld beisammen. "Shenmue III" scheut sich allerdings nicht, euch später dazu zu zwingen, stolze 2'000 Yuan auf einmal aufzutreiben. Wer zu diesem Zeitpunkt pleite ist und nichts mehr zu verkaufen hat, der muss etwa beim Holzfällen womöglich auch mal eine Stunde lang zubringen, damit es in der Story weitergehen kann. Mit den Glücksspielen, bei denen ihr beispielsweise eine Metallkugel über einen Nagelparcours zum Sieg in ein bestimmtes Fach befördern müsst, ginge das theoretisch deutlich schneller. Dort gewinnt man dann allerdings Glückspiel-Tokens, die man lediglich gegen besondere Waren eintauschen und entsprechend allenfalls indirekt wieder zu Geld machen kann.

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Das erhöht die Spielzeit, ähnlich wie einige andere Spielmechaniken, stark und vor allem künstlich. Aber so sehr das einerseits nerven kann, hatten wir gleichzeitig mit all den Nebenbeschäftigungen eine genauso grosse Portion Spass. Wie oft haben wir freiwillig die Umgebung nach Blumen abgesucht, sind am Fluss oder See angeln gegangen oder versuchten bei den Glückspielen einen der einzigartigen Preise zu ergattern. So oft, dass wir es unmöglich hätten mitzählen können (oder wollen). Sich in "Shenmue III" selbst dabei zu ertappen, wie man viel Zeit mit scheinbar primitiven oder sinnfreien Tätigkeiten verbringt, ist etwa so, als würde man im echten Leben zum 100. Mal seine Lieblingsserie anschauen. Dass man so etwas macht, könnte man hinterfragen. Aber weshalb eigentlich, wenn es doch so viel Freude bringt?

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