Games.ch

AugustWind

Von Wolkenaalen und Waschbären

Artikel Guest

In der Serie von Spielen die von Schweizer Game Design Studenten als Abschluss gemacht wurden geht es diese Woche um "AugustWind", ein romantisches Steampunk- Shoot‘em-up um fliegende Inseln, Wolkenaale und den Monat August.

Mein Name ist Jeremy und ich habe nun drei Jahre an der Zürcher Kunstschule Game Design studiert. Eigentlich bin ich ja Chemielaborant, aber irgendwie enden dort Spielereien häufig in Unfällen die den Chef gar nicht freuen. Also musste fürs Fachhochschulstudium umbedingt etwas kreativeres her. Ich selbst spiele unheimlich gerne Rhythm- & Fighting-Games. „Rhythm Heaven“ für den DS lässt mich im Moment kaum los und „King of Fighters XII“ erwarte ich wie schon lange kein Spiel mehr.

Aber jedes Projekt das mittlerweile eine neue Idee zu Tage bringen kann hat es verdient angesehen zu werden. Immer mehr Fans versuchen seit dem aufkommen der Nintendo Wii immer verkrampfter die Linie zwischen Casual- , Indie- und Hardcore-Games ziehen zu können, doch ich glaube diese Linien werden immer stärker verwischen. Casual-Spieler werden auf den Geschmack längerer Spieltiefe kommen während Tripple-A Spieler der mangelnden Abwechslung neue Mechaniken suchen. Die Fraktionen tauschen dank Mittelvertriebswegen wie Download Plattformen (XBLA, PSN), trendigen Handhelds (iPhone, Android) oder Online Stores (Steam, PopCap) regelmässig die Kundschaft aus und längerfristig könnte sich daraus ein Markt an mittellangen Spielen mit frischen Settings entwickeln. 

"AugustWind" ist ein Spiel das in solch eine Hybridkategorie passen würde. "AugustWind" spielt in Eelhaven VII, einem Aalhafen. Aalhäfen sind private Docks welche majestätische Wolkenaale anlocken und jungen Piloten gegen eine Gebühr die Möglichkeit geben diese Aale von wertvollen Metallen zu reinigen und den Traum von Reichtum zu erfüllen. Als vor 80 Jahren die Welt unterging fing eine dicke Wolkendecke jegliche Sicht auf die Oberfläche zu unterbinden. Die wenigen Überlebenden fingen an fliegende Inseln, die Überreste der Welt, zu kolonisieren. Das Putzen von Wolkenaalen ist heute nicht nur ein beliebter Sport, sondern auch die wichtigste Ressourcenquelle der Eelminer. Und immer mehr junge, ehrgeizige und vielleicht etwas naive Piloten lockt die Vorstellung von schnellem Reichtum und Ruhm in diese Aalhäfen.

Der Spieler übernimmt die Rolle von Andreas, einem jungen Waschbär. Andreas hat eine ziemlich klare Vorstellung was er in seinem Leben erreichen möchte. Was er aber schlussendlich tut ist dem Spieler überlassen. "AugustWind" mag aussehen wie eine traditionelles Shoot‘em up, es soll aber dem Spieler eine grössere Freiheit bieten. Neben der Geschichte, die immer wieder strikte Missionsziele vom Spieler erwartet, kann dieser an gewissen Tagen frei wählen wie er seine Zeit auf Eelhaven VII verbringen möchte. Er kann entweder dem Reichtum in der Eelmining-Competition hinterher jagen, Rennen mit anderen Bewohnern des Hafens fliegen oder den Luftraum erkunden und sich kämpfe mit Piraten liefern. Jede Aktivität liefert andere Belohnungen, meist Teile für sein Flugzeug, die vom Mechaniker eingebaut werden können. Aus verschiedenen Teilen soll so jeder, der das Spiel spielt, sein individuelles Fluggerät zusammenbauen können und in dem sich seine Lieblingsaktivitäten widerspiegeln. Andreas soll sich selbst durch seinen Aufenthalt in Eelhaven VII verändern und wer weiss, vielleicht wird ja das Geheimnis der grossen weissen Wolkenaale im Monat August auch noch gelüftet.

Natürlich ist das Spiel in den drei Monaten, die das Bachelor Semester ging, nicht komplett fertig geworden. Mehr als 800 Stunden sind in der Zeit ja auch kaum drin, und ein fertiges Spiel braucht sicher das doppelte. Aber es soll zeigen, dass auch das Shoot‘em-up-/Bullet-Hell-Genre sich durchaus weiterentwickeln könnte. Elemente wie Storytelling, interessante Settings, Spielerentwicklung und freie Bewegungswahl könnten das traditionelle Shoot‘em-up genauso evolutionieren wie es schon bei Jump’n’Runs oder FPS’ der Fall wahr. Spiele wie "System Shock", "Deus Ex" oder "Half Life" haben dem FPS neue mögliche Direktionen gegeben, und es ist sicher deshalb heute eines der meistgespielten und in sich unterschiedlichsten Genres.

Wenn alles gut geht, wird Mitte August die Bachelor-Version von "AugustWind" umsonst erhältlich sein. Die Webseite wird auf alle Fälle im Laufe der nächsten Woche erscheinen. Ansonsten wünsch ich allen Lesern noch viel Spass mit unserer Serie über Arbeiten, die von uns als Abschluss kreiert wurden.

Jeremy Spillmann von www.ryuworks.ch

Kommentare