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Naughty Bear

Ein Bär sieht rot

Test Alain Jollat getestet auf Xbox 360

In "Naughty Bear" dürfen willige Zocker den durchgeknallten Plüschbären auf seinem Rachefeldzug begleiten. Wir sagen euch, warum der Titel für Gamer ohne masochistische Neigungen nicht geeignet ist.

Der Amoklauf des grimmigen Braunbären beginnt, als er nicht zu einer Geburtstagsparty eingeladen wird. Trotzdem versucht er sich – mit einem netten Geschenk in der einen Hand – selbst zur Party einzuladen. Leider erntet Naughty Bear statt eines Stücks der Geburtstagstorte nur Hohn und Gelächter. Betrübt verschwindet er zurück in seine Hütte, wo der Rachefeldzug gegen die anderen Plüschbären seinen Anfang nimmt.

Bewaffnet mit einer von vielen Nahkampf- und Schusswaffen rückt er den anderen Partygästen auf die Pelle. Dabei kann er sich vom Gebüsch aus an seine Opfer anschleichen, sie zu Tode erschrecken (bis sie dem Wahnsinn verfallen und leichte Beute abgeben oder sich selbst richten), eiserne Bärenkrallen und Sprengstoffallen auslegen oder ohne jegliche Heimlichtuerei auf die anderen Bären eindreschen. Mussten die Bären genügend Schaden einstecken, darf man sie mit einem waffenspezifischen Move um die Ecke bringen, bis das Plüsch nur so um sich fliegt. Dies tönt allerdings jetzt wesentlich lustiger als es letzten Endes ist. Irgendwann hat man es gesehen und gut ist.

It's all about points

Bei all der Drescherei und des Psychoterrors werden grosszügig Punkte verteilt: Wenn man etwas kaputt haut, wichtige Gegenstände vernichtet, Teddys erschreckt oder ausweidet, alles wird mit Punkten belohnt. Dafür werden am Ende des Levels bronzene, silberne und goldene Trophäen verteilt. Die goldene Trophäe erreicht man allerdings nur, wenn man den Punktemultiplikatoren hochhält und entsprechend hohe Punkte kassiert. Daher kann Naughty neben den Teddys auch auf Inventar und Gartendekoration rumdreschen oder spezielle Eiskugeln auflesen, die den Multiplikatoren für kurze Zeit einfrieren.

Wenn wir schon von Levels sprechen: davon gibt es derer sieben, und sie werden Episoden genannt. Diese haben ihre eigene Geschichte, welchen Naughty Bears Rachefeldzug auslösen. So wird er zum Beispiel von Vögeln mit aufmontierter Videokamera beschattet, die das Militär zum Ausspionieren von Naughts Bear entwickelt hat. Oder  er wird nicht in eine Kochstunde eingeladen, die dann wiederum in einer unangenehmen Begegnung mit Untoten endet. Jede dieser Episoden besteht aus einem kleinen Areal in dem das Gemetzel stattfinden kann. Dabei müssen verschiedene Aufgaben gelöst werden, damit man die Brücke in den nächsten Episodenabschnitt oder das Ziel erreichen kann.
Die einzelnen Episoden können auch mehrmals unter anderen Bedingungen durchgespielt werden. Dabei können Kostüme für Naughty Bear freigeschaltet werden, welche die Geschwindigkeit oder Kraft des unfreundlichen Bären erhöhen.

Oh, na ja...

Grafisch gesehen ist das Spiel nett. Mehr aber auch nicht. Die Bären sehen nett aus, und es ist auch lustig wenn sie um ihr plüschiges Leben rennen und nach wenigen Metern völlig ausser Atem sind. Auch die Ninja- und Polizei-Teddys sehen knuffig aus, ganz zu schweigen von den Zombie-Pendants. Die Umgebung ist auch nett anzusehen, etwas dürftig ausgestattet allerdings. Die Kamera ist dagegen bei der Verfolgung und dem Nahkampf gegen die Plüschgegner regelmässig ein Frustgarant erster Güte. Selten steht sie so, dass das angezeigt wird, was angezeigt werden soll. Und zu allem Überfluss verdecken Wände und Bäume oftmals den Blick aufs Relevante.

Auch der Sound ist ganz nett. Die Bären geben lustige Geräusche von sich und auch beim Zuschlagen tönt es so, wie es tönen soll. Die Erzählstimme hingegen ist richtig seltsam. Sie tönt nach einem Kindergärtner auf einem schlechten Drogentrip, der in Kürze wahnsinnig wird. Irgendwie verursacht der bei mir Hühnerhaut.

Bei all der Monotonie, die sich beim Durchspielen der immer gleichen Levels im Einzelspielermodus einstellt, wurde „Naughty Bear“ glücklicherweise ein Mehrspielermodus spendiert. Unglücklicherweise kann auch der das Ruder nicht mehr herumreissen. Beim Schneller-Götterspeise-einsammeln-als-der-Andere oder dem Kuchen-finden-und-so-lange-wie-möglich-vor-den-anderen-verstecken kommt nicht die Freude auf, die man erwarten könnte.

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