Beyond: Two Souls

Special: Echte Liebe oder nur schneller Sex? Eine Branche wird erwachsen

Vorschau Benjamin Kratsch

Storytelling Einmal-Eins: Wie schafft man ein unzentrennbares Band zwischen Protagonist und Spieler


„Einen Charakter lernst du am besten in seiner alltäglichen Umgebung kennen“, erklärt mir David Cage, als wir vor einigen Monaten lange beim Abendessen in Paris über Storytelling fachsimpeln. Umgesetzt auf „Beyond“ funktioniert das so: Jodie wackelt als Dreikäsehoch durch das Wohnzimmer ihrer Eltern und hält auf einen grossen Holztisch zu. Die Kamera sitzt ziemlich genau auf Höhe ihrer Ohren, fängt die Umgebung ergo aus Kinderaugen ein. Alles wirkt riesig für sie und sie will doch so gerne einen Cookie naschen. Wir lernen Jodies Familie kennen, sitzen mit ihnen beim Essen, sind dabei wie ihre Mama sie ins Kinderbettchen bringt.

Es sind kleine Szenen, keine inszenierten Kunstwerke, aber sie funktionieren. Sie funktionieren genau so wie in „Heavy Rain“, wo es eben auch diese kleinen Momente sind, die eine grosse Vertrautheit zu Charakteren aufbauen. Den Bogen zur eigentlichen Handlung schliesst „Beyond“ mit einem grossen Crash: Jodie bedroht mehr unabsichtlich an Weihnachten ihre Eltern, ihr Vater rastet aus und lässt sie in ein Heim einweisen. Wie die kleine Jodie mit ihrem Teddy in der Hand in diesem Raum steht, ihr Vater sie als „Monster“ beschimpft und ihr die Tränen über die Wange kullern, das ist ein starker Moment in der Geschichte. Du kannst alles als Spieler und Cineast erlebt haben, in diesem Moment wirst du schlucken.

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