Valve will euch zum Zocken zwingen: Wer neue Games nur kauft, aber nicht spielt, soll künftig dafür bezahlen. Zugleich bietet Steam bald auch neue Funktionen, die euch häufiger ans Gamepad holen sollen!
Hand aufs Herz: Wie viele Spiele besitzt ihr, und wie viele davon habt ihr wirklich ausgiebig gezockt? Laut Statistiken aus dem Jahr 2024 belief sich damals der Wert des weltweiten "Piles of Shame" auf unglaubliche 1,9 Milliarden US-Dollar. Dadurch, dass aber nur jeder zehnte Account gezählt wurde, geht man sogar von einer Summe von rund 19 Milliarden US-Dollar aus. Abertausende Games wurden gekauft, aber kaum länger als fünf Minuten ausprobiert.

Dagegen möchte Steam-Betreiber Valve nun vorgehen: Mit einer neuen Abogebühr bittet euch das Unternehmen künftig zur Kasse, sofern ihr eure Bibliothek allzu sehr vernachlässigt - bietet aber Vielzockern auch einige Benefits.
Fast 5 CHF für euren Pile of Shame!
Valve integrierte zuletzt einen neuen Algorithmus in die Vertriebsplattform. Diese Technik trägt den Projektnamen PlayMore und analysiert das Nutzerverhalten. Wer packt welche Spiele auf die Wunschliste? Wie viel spielt ihr? Und warum eigentlich? Aus den daraus resultierenden Daten erstellt das Programm dann ein Profil und legt eine "Schwarze Liste" für jeden Anwender an. Darauf sind unter anderem die Titel enthalten, die länger als sechs Monate nicht mehr angefasst wurden.

"Wir haben PlayMore in die Steam-Technologie eingearbeitet, um unsere Nutzer und ihre Gewohnheiten besser kennenzulernen. Und als Konsequenz daraus hilft der Algorithmus, sie wieder verstärkt zum Spielen zu motivieren", heisst es in dem Pressetext. Das Resultat ist eine monatliche "Motivationsgebühr" von 4.95 CHF (4.99 Euro) - pro 50 ungespielten Games (!).
Weiter heisst es im Text:* "Das Wachsen der weltweiten Piles of Shame kostet Valve tagtäglich Millionen für Server- und Wartungskosten. Um weiterhin die Qualität unserer Dienste gewährleisten zu können, sehen wir uns gezwungen, das Parken von Bibliotheken künftig mit einer entsprechenden Abogebühr zu unterlegen. Im selben Atemzug aber belohnt Steam künftig auch besonders aktive Spieler mit einer Reihe von Benefits".*
Credits für jede gespielte Stunde
Dass Valve diese Neuerungen weniger als Strafe und vielmehr als virtuellen "Tritt in den Hintern" ansieht, zeigt sich auch in der Darstellung der angesprochenen "Benefits". Das Unternehmen führt nämlich "Steamies" - eine neue virtuelle Währung - ein. Ihr erhaltet sie für jede gespielte Stunde.
Mit den "Steamies" kauft ihr euch von der "Motivationsgebühr" frei. "Es ist ganz leicht: Zocken statt zahlen. Wer seinen Pile of Shame Stück für Stück abträgt, wird auch nicht zur Kasse gebeten oder bekommt sogar noch virtuelle Goodies als Bonus dazu", heisst es aus Firmenkreisen.

Im Klartext bedeutet das: Wollt ihr keine 4.95 CHF "Motivationsgebühr" blechen, müsst ihr jeden Monat mindestens 20 Stunden spielen. Es sind dann aber nicht nur eure Neuanschaffungen gemeint, sondern vor allem auch eure alten Spieleschätze, die sonst auf dem Pile of Shame versauern würden. Damit ein Titel nicht mehr in den PlayMore-Algorithmus hineinfällt, müsst ihr ihn mindestens zu 70 Prozent beendet haben.
Neue Funktionen erleichtern das Gamer-Leben
Auch abseits dieser Gamification-Features erweitert Valve die Möglichkeiten seiner Plattform und setzt dabei vor allem auf das soziale Gefüge innerhalb der Community. "Wenn die PlayMore-Mechanik nicht ausreicht, holen wir den Freundeskreis mit ins Boot und hoffen auf die Gruppendynamik", führt ein Steam-Sprecher im Interview aus.
Die folgenden Features befinden sich demnach in der Pipeline:
- Backlog-Bingo: Ein Zufallsgenerator startet einen lange nicht mehr angerührten Titel aus eurer Bibliothek. Wenn ihr ihn ausgiebig zockt, erhaltet ihr Bonus-"Steamies" und entdeckt ausserdem womöglich längst verschollene Spieleperlen.
- Shame-Tracker: Diese Funktion erweitert euer öffentliches Profil und ergänzt es mit teils wenig charmanten Bannern wie etwa "Kauft im Sale und spielt dann nicht" oder "Der Pile of Shame ist 157 Spiele hoch".
Take-this-Button: Freunde können euch Titel zuweisen, die ihr spielen sollt. Ob sie euch gefallen oder nicht, ist egal. Lehnt ihr nämlich ab, kostet euch das bis dahin verdiente "Steamies".
Händler-Bonus: Werden die Spiele bei Händlern, die über ein physisches Ladengeschäft verfügen, gekauft, entfällt die Motivationsgebühr komplett. Davon wird künftig auch unser Partner World of Games profitieren.
Diese Funktionen wird Valve in den kommenden Wochen schrittweise ausrollen - gemeinsam mit dem besagten Abomodell.
Gemischte Reaktionen aus der Community
Die Reaktionen aus der Community sind ob der neuen Features gespalten: "Das ist mein Steam-Account. Das ist meine Zeit, und Steam kann mich nicht zwingen", schreibt etwa ein X-Nutzer. Ein anderer mutmasst, dass Valve künftig Gebühren für das Starten von Steam verlangen könnte. Andere wiederum heissen die neue Technik gut und freuen sich darüber, dass ein sanfter Druck auf sie ausgeübt wird: "Endlich kann ich vor meiner Ehefrau argumentieren, noch mehr Zeit vor dem PC zu verbringen. Ich spare so ja schliesslich Geld!"
Roger Sieber, Chefredakteur von GAMES.CH und seines Zeichens Vielspieler, hat zu der PlayMore-Initiative eine eindeutige Meinung. "Ich fühle mich von meinem eigenen Backlog schon genug unter Druck gesetzt - da brauche ich kein Abo, das mich zusätzlich daran erinnert." Gleichzeitig räumt er mit einem Augenzwinkern ein, dass die Idee einen gewissen Reiz habe: "Wenn mir jemand finanziell droht, könnte ich tatsächlich mal die 200 offenen Spiele anfassen." Am Ende bleibe es aber dabei: "Mein Pile of Shame ist wie ein guter Wein: Er reift. Und irgendwann, ganz bestimmt, kümmere ich mich darum."

Valve bekräftigt in der Pressemitteilung noch mal diesen Ansatz und erklärt: "Jahrelang haben uns Spieler gesagt: Mein Backlog ist ausser Kontrolle. Wir haben zugehört und unterstützen sie nun beim Abtragen ihres Piles of Shame."
Ob sich das neue Modell durchsetzt, bleibt abzuwarten. Klar ist nur: Der nächste Steam-Sale dürfte für viele plötzlich deutlich weniger verlockend wirken. Oder zumindest ein bisschen teurer.