Beinahe acht Jahre liegt die Veröffentlichung des letzten Teils von Bandai Namcos Action-Flugsim zurück. Eine Konsolengeneration weiter rettet ihr in "Ace Combat 8" die Föderation von Zentral-Osea vor einem feindlichen Angriff. Hier werden aber nicht nur Arcade-artig Luft- und Bodenziele attackiert, ihr erlebt auch eine aufwendig inszenierte Story, die wie gehabt mehr als nur ein bisschen nach "Top Gun" riecht.
Gleich zweimal an einem Tag wird der Held von "Ace Combat 8: Wings of Theve" mit seinem Kampfjet abgeschossen. Trotzdem tritt er nach dem Tod des Top-Piloten "Rex" dessen Erbe an und muss mit seiner Flugstaffel eine ganze Feindmacht besiegen, die seine Heimat zu Beginn bereits komplett überrannt hat. Ihr greift bei der Rettung aber nicht nur zum Steuerknüppel von F/A-18, A-10, der aus dem Filmklassiker "Top Gun" bekannten F-14 und einigen weiteren Militärjets wie dem Eurofighter Typhoon, sondern trefft im Rahmen der Story auch kleinere Entscheidungen, die die Geschichte in Nuancen verändern können.
Gute Inszenierung mit Trash-Faktor
Die Solokampagne des Spiels versetzt euch einmal mehr in einen fiktiven Konflikt, der mehr als nur einen Hauch Kalter-Krieg-Vibes versprüht. Konkret überfällt im Jahr 2029 die Republik Sotoa die Föderation von Zentral-Usea, der ihr angehört. Die feindlichen Kräfte drohen euch zu überrennen, haben eure Hauptstadt Theve sogar bereits eingenommen. Als ein ruhmreicher Starpilot mit dem Codenamen "Rex" nach einem Absturz stirbt, euch aus dem Off aber weiterhin mit seinen Weisheiten konfrontiert, tritt euer Alter Ego an dessen Stelle und übernimmt seinen Codenamen sowie den seines Flugzeugs bzw. des Squads, das mit "Wings of Theve" treffenderweise dem Untertitel des Spiels entspricht.

Die Story wird zum Teil auch in regulären Zwischensequenzen erzählt, nicht zuletzt aber in interaktiven Ego-Sicht-Sequenzen. Interaktiv heisst hier allerdings tatsächlich nur, dass ihr etwa beim Händeschütteln, Ein- oder Aussteigen mal Knöpfchen drücken dürft. Innerhalb dieser Passagen dürft ihr teilweise auch euren Blick in gewissen Grenzen frei schweifen lassen. Das ist in Bezug auf die Umsetzung schon relativ einfach gestrickt und, auch wenn es in der Form neu für die Reihe ist, ein eher konservativer Ansatz. Doch das Hauptziel, dass wir uns selbst in der Rolle des grossen Kampfjetpiloten wähnen, geht zumindest für uns auf.
Ein Stück weit abfinden muss man sich allerdings damit, dass das Thema Glaubwürdigkeit nicht so stark gewichtet wird - besonders mit Blick auf die anderen Charaktere. Flügelfrau Tasha etwa ist eigentlich eine zivile Pilotin und bräuchte nur noch einen Minirucksack, um das klischeehafte Bild einer japanischen oder südkoreanischen Schülerin in Freizeitkluft perfekt zu machen. Dem Nachnamen nach ist sie allerdings Russin. Flügelmann Coster ist wiederum ein ganz anderer Typ, und man kann leicht darauf spekulieren, dass er deshalb diesen Namen trägt, weil er äusserlich glatt als Bruder des aus "Game of Thrones" bekannten dänischen Schauspielers Nikolaj Coster-Waldau durchgehen würde. Einige Sprüche während des Funkkontakts und die Social-Media-Inszenierung des Helden betonen ebenfalls die trashige Seite manchmal vielleicht etwas zu stark. Wirklich gestört hat uns das letztlich aber nicht, denn was stellenweise mal für leichtes Kopfschütteln sorgt, gleicht die Action in den Missionen aus.
Seichter Beginn, steiler Anstieg
In den Missionen besteigt ihr zunächst ausnahmslos Modelle des Typs F/A-18 und seid fast ausschliesslich im Kampf gegen Luftziele nicht nur, aber überwiegend aus russischer respektive sowjetischer Produktion aktiv. Die holt ihr entsprechend mit euren Luft-Luft-Raketen, bei guter Positionierung jedoch auch mit eurem Bord-MG vom Himmel. Es tickt zwar praktisch immer gnadenlos ein Timer herunter, der ist zumeist allerdings so üppig, dass er an sich keine Probleme macht - wenigstens auf den niedrigeren der insgesamt vier Schwierigkeitsstufen. Vom betont einfachen Einstieg solltet ihr euch hingegen nicht täuschen lassen. Denn schon recht bald gilt es in den Missionen, parallel auch Bodenziele auszuschalten. Das ist aber ebenfalls nur selten aufgrund des genannten Timers kein Selbstläufer mehr, sondern da ihr später beinahe immer verbündete Helikopter-Verbände oder Bodentruppen beschützen müsst, damit sie etwa einen Flugplatz einnehmen können.

Da brennt es immer wieder an gleich mehreren Orten auf der Karte, feindlicher Nachschub rückt nach, manchmal auch dicke Bomber, die keinesfalls ihr Ziel erreichen dürfen. Denn seid ihr zu langsam, und sie werfen ihre tödliche Fracht ab, ist der Timer-Stand völlig egal. Ihr werdet genauso scheitern, als wenn in anderen Missionen zu viele verbündete Helis, Schiffe oder Bodentruppen ausgeschaltet wurden. Ärgerlich daran ist manchmal, wie weit man zurück muss. Es gibt innerhalb der Missionen zwar Checkpoints, an denen ihr wieder einsteigen könnt, statt die Mission komplett von Neuem beginnen zu müssen. Allerdings können auch dabei durchaus mal 15 bis 20 Minuten flöten gehen, was ziemlich nerven kann.
