Wir befinden uns aktuell in einem goldenen Zeitalter für Koop-Titel. Insbesondere im Indie-Bereich gibt es praktisch monatlich ein solides kooperatives Spielerlebnis für Gruppen von bis zu vier Spielern. Vor fünf Jahren hatte "Aliens: Fireteam Elite" von Cold Iron Studios noch deutlich weniger Konkurrenz. Viele Spieler freuten sich, zusammen gegen Horden von Xenomorphs anzutreten.

Das erste Spiel musste sich aber auch einige Kritik gefallen lassen. Beim Launch war der Multiplayer-Modus instabil, das Waffen-Balancing schlecht und der Umfang sehr, sehr knapp. Über verschiedene kostenfreie Updates und einen bezahlten DLC wurde das Game sukzessiv erweitert und verbessert, bis es das ursprünglich nur vage erkennbare Potenzial erfüllte.
Umso mehr freuten sich die Fans des ersten Teils, dass die Entwickler sich in Videos konkret zu den Schwächen des ersten Teils bekannten und aufzeigten, wie der Nachfolger alles besser machen will. Insbesondere in den Punkten Langzeitmotivation und Storytelling wollte man sich verbessern.
Viel Erzählung, wenig Geschichte
Die Handlung spielt erneut im erweiterten "Alien"-Universum und schickt euch als Colonial Marines an besonders unwirtliche Orte, an denen Xenomorphs aus Schächten und Decken brechen oder aus Schatten kriechen. Das Konzept funktioniert, weil die Lizenz noch immer eine hervorragende Grundlage für kooperative Panikmomente liefert. Die Missionsstruktur bleibt allerdings vertraut: Landen, vorrücken, Terminals aktivieren, Wellen überleben, extrahieren.

Cold Iron versucht diesmal, stärker über Dialoge und NPCs eine Geschichte zu erzählen. Das ist grundsätzlich verständlich: Der Vorgänger blieb narrativ so dünn, dass man ihn kaum mehr als eine Abfolge von Schiessständen wahrnahm. Trotzdem ist die Story leider auch dieses Mal nicht gelungen. Die Figuren reden auffällig viel, die Dialoge wiederholen sich, und einige Gespräche kommen gerade dann, wenn die Aufmerksamkeit eigentlich bei einem heranstürmenden Xenomorph-Schwarm liegen sollte. Über die komplette erste Hälfte der Kampagne versuchen wir herauszufinden, was auf der von Xenomorphs überrannten Kolonie passiert ist. Das machen wir, indem wir immer wieder gleich aussehende Terminals hacken, während unsere Basis uns sagt, wie wertvoll die Infos sind, die wir gerade extrahieren. Was wir jetzt konkret fanden? Das bleibt offenbar der Einsatzleitung vorenthalten, bei unserer Spielfigur ist immer nur von "Informationen" die Rede, ohne konkret zu werden.

Damit stellt "Aliens: Fireteam Elite 2" zwar die Story mehr in den Fokus, erzählt aber durchweg eine schlechtere Geschichte mit geradezu amateurhaften Dialogen. So hinterlässt die Handlung einen schlechteren Eindruck als noch im Vorgänger, wo sie weniger Raum einnahm.
Vier Marines, ein Problem
Das grösste Upgrade ist die Aufstockung auf vier Spieler. Wo "Fireteam Elite" noch ein Dreierteam verlangte, sorgt die grössere Gruppe hier für mehr taktische Optionen und Chaos sowie vor allem für die Art von hektischer Verteidigung, die zur Lizenz passt. Wenn mehrere Marines gleichzeitig Engstellen sichern, Geschütztürme aufstellen und der letzte Fluchtweg von Säureblut bedeckt wird, entsteht genau jene kontrollierte Panik, die Koop-Shooter brauchen.

Die Langzeitmotivation, die ursprünglich eine der grössten Baustellen sein sollte, wird leider durch ein sehr restriktives Fortschrittssystem lahmgelegt. Während wir im ersten Teil von Beginn an unsere Waffen aufrüsten konnten, sind viele Features neuerdings hinter Kampagnenfortschritt weggesperrt. Das betrifft auch die neue Spezialisten-Klasse, die es euch erlaubt, verschiedene Klassen zu kombinieren, und den Horde-Modus, der euch die Story erspart.
So entsteht nicht etwa, wie vermutlich geplant, das Gefühl, dass wir nur noch eine Mission vom nächsten Upgrade entfernt sind, sondern dass das Game nennenswerte Abwechslung und taktische Tiefe hinter langweiligen, monotonen Missionen versteckt.
Säurebad mit Stolperfallen
Technisch ist "Aliens: Fireteam Elite 2" die grösste Enttäuschung. Der Titel sieht, zumindest auf der im Test eingesetzten Xbox Series X, nicht nennenswert besser aus als sein Vorgänger. Auch aus den anfänglichen Problemen des ersten Teils mit der Stabilität hat man anscheinend nichts gelernt. Nahezu kein Match verlief bis zum Ende ohne Probleme oder Abstürze. Selbst wenn das Spiel läuft, leidet es immer wieder unter starken Framerate-Einbrüchen oder langsam ladenden Texturen.

Wenn also der Multiplayer stockt, gibt es immer noch den Singleplayer mit Unterstützung von drei Bots. Leider scheinen auch die Synths ein Software-Downgrade erhalten zu haben, denn immer wieder stehen sie im Weg, laufen durch Flammenwerfer oder bekommen es nicht hin, Spieler wiederzubeleben.
Fazit
"Aliens: Fireteam Elite 2" versprach, alles besser zu machen, das dem Vorgänger zum Mainstream-Erfolg fehlte. Das Spiel, das wir aber erhalten haben, schafft es in vielen Punkten, einen Rückschritt zur finalen Version des Vorgängers zu machen, und wiederholt einige Fehler, die dem ersten Teil fast das Genick gebrochen hätten.
Wir können "Aliens: Fireteam Elite 2" daher leider nicht empfehlen und hoffen, dass trotz eines sehr schlechten Starts und mässiger Verkaufszahlen genügend Zeit investiert wird, um zumindest die Hardcore-Fans zufriedenzustellen. Alle anderen sind mit Koop-Shootern der Konkurrenz aktuell besser bedient oder greifen sogar zum besseren Vorgänger.
