Backpack Hero - Test / Review

Ich pack in meinen Rucksack

Test Video Fabrice Henz getestet auf Xbox Series X/S

Rucksäcke sind eine fantastische Erfindung. Sie können nicht nur stylish aussehen, sondern sind vor allem extrem praktisch. Stellt euch vor, ihr hättet einen Rucksack, der auf magische Weise innen mehr Platz hat, als es von aussen aussieht! Wenn der Rucksack später dann noch möglichst clever und effizient gepackt ist, wird's noch besser. Das zumindest ist die Prämisse von "Backpack Hero", einem Roguelike, das nach dem PC und der Switch jetzt für PlayStation und Xbox erschienen ist. Auf letzterer haben wir uns unseren magischen Ranzen umgeschnallt, um auf neue Abenteuer zu gehen.

Eine Ratte auf Mission

Haversack Hill hat schon bessere Zeiten gesehen. Die meisten Gebäude sind komplett verfallen, und entsprechend klein ist die Population des Dörfchens. Zu den wenigen verbliebenen Tieren gehört Purse, eine Ratte, deren Mutter in einen nahe gelegenen Dungeon verschleppt wurde. Abenteuerlustig und bereit für Action, macht sich Purse auf, die verschwundene Mama zu finden und ganz nebenbei Haversack wieder in eine blühende Metropole zu verwandeln. Gleich zu Beginn ihres ersten Versuchs, tiefer und tiefer in das Gewölbe einzutauchen, findet Purse einen magischen Rucksack. Je mehr sie kämpft und Erfahrung sammelt, desto grösser wird er. Mit dem ganzen Loot und Material, das sie in den Dungeons findet, kann sie, sobald sie zur Oberfläche zurückkehrt, neue Gebäude im Ort bauen, um damit neue Geschäfte zu eröffnen und mehr Leute nach Haversack Hill zu bringen.

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Die Hauptgeschichte ist voll mit bekannten Klischees aus dem Fantasy-Genre. Eine kleine Ratte wird zum grossen Helden, macht jede Menge Monster nieder, stellt sich einem üblen Tyrannen und rettet dabei Familie und Heimatdorf. Mehr muss dazu nicht gesagt werden. Ein wenig interessanter sind die kleinen Charaktermomente zwischen der immer grösser werdenden Bevölkerung von Haversack. Der Bär, der Bürgermeister werden will, weil es sein Geburtsrecht ist. Der Vater von Purse, dem jegliche Gefahr zuwider ist, seinen Sprössling aber trotzdem nicht von den gefährlichen Abenteuern abhalten kann. Es macht Spass, immer wieder mit all den tierischen Bewohnern zu sprechen. Leider ist der Font für die ausschliesslich in Text vorhandenen Dialoge grässlich. Auf dem grossen 4K-Fernseher, auf dem wir das Game gespielt haben, ist er zum Teil nur schwer leserlich und sieht obendrein ziemlich hässlich aus. Er macht es schwer, sich überhaupt tiefer mit den Ereignissen des Spiels auseinandersetzen zu wollen.

Inventarmanagement der Extraklasse

Im Kern ist "Backpack Hero" ein rundenbasiertes Roguelike. Der Clou ist, dass man seinen Rucksack effizient packen muss, um auch effizient kämpfen zu können. Ein Teil davon ist, den zur Verfügung stehenden Platz so gut wie möglich zu nutzen. Der Rucksack wird dabei als Grid dargestellt, das laut den Entwicklern von "Deus Ex" inspiriert wurde und moderne Spieler sicher auch an "Resident Evil 4" erinnert. Stuft man seinen Charakter in Kämpfen auf, kann man frei entscheiden, wo man neue Felder zu seinem Inventar hinzufügen will. Seitwärts, nach oben oder unten, kann alles Vor- und Nachteile mit sich bringen. An viele Items, die man in den Dungeons findet, sind nämlich besondere Bedingungen geknüpft. Schleifsteine, die für höheren Schaden sorgen können, müssen an die gewünschte Waffe angrenzen. Magische Steine schweben, was bedeutet, dass sie nur in der obersten Reihe platziert werden können. Rüstungsteile können mehr Schutz bieten, je mehr Felder in eine bestimmte Richtung angrenzen. Es ist ein unglaublich cleveres System. Das Spiel macht dabei nur einen mittelmässigen Job zu vermitteln, wie viel Tiefe es hat, weshalb eine längere Eingewöhnungszeit nötig ist. Die Items zu Beginn der Story sind zwar simpel gestrickt, wirklich an die Hand genommen wird man trotzdem nicht. Je länger man spielt und ausprobiert, desto mehr kann man in einen Packwahn verfallen. Man findet heraus, wie bestimmte Gegenstände funktionieren, und kann direkt Planung in den Aufbau des Inventars stecken. Es ist smart und der mit Abstand beste Teil des Games.

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Die Kämpfe selbst sind teilweise zu simpel. Je nach Build und Skill des Spielers erhält man zu Beginn eines Zuges massenhaft Verteidigung und kann stupide auf die Gegner einknüppeln, bis deren Lebensanzeige auf null sinkt. Dies erfordert zwar Glück und Erfahrung beim Management des Rucksacks, macht die Kämpfe an sich aber nicht weiter interessant. Wenn man Pech hat, bekommt man auch keine oder nur wenige gute Items, wodurch ein Lauf fast unmöglich ist, egal wie viel Skill man hat. Die Balance fehlt, und oft schwankt es dazwischen, dass man fast unverwundbar ist oder kaum mit normalen Gegnern fertig wird.

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