Lizenzspielen haftet seit jeher ein schlechter Ruf an. Für jedes gelungene "Spider-Man" oder "Batman: Arkham" gab es in der Vergangenheit ein Dutzend lieblos zusammengehauener Schnellschüsse, die primär darauf ausgelegt waren, eine Marke zu melken. Umso interessanter war es zu beobachten, als im August 2025 an der gamescom Opening Night Live ein "Battlestar Galactica"-Titel angekündigt wurde, und zwar von Alt Shift aus Montpellier, dem Indie-Studio hinter "Crying Suns".

Wer dieses 2019 erschienene Roguelite kennt, weiss: Die Franzosen verstehen es, aus dem Erfolgsrezept von "FTL: Faster Than Light" eine eigene, narrativ angereicherte Formel zu destillieren. Entsprechend waren die Erwartungen gross. Fast ein Jahrzehnt nach "Battlestar Galactica Deadlock", der bisher grössten Versoftung der Serie, sollte nun endlich ein würdiger Nachfolger in die Lücke treten.
FTL lässt grüssen
Das Grundprinzip von "Battlestar Galactica: Scattered Hopes" ist schnell erklärt. Ihr übernehmt das Kommando über einen Colonial Gunstar, sammelt eine kleine Zivilistenflotte um euch und versucht, zwölf Sektoren voller Zylon-Bedrohungen zu überwinden, um die Battlestar Galactica zu erreichen. Scheitert ihr, startet ihr von vorn. Das ist Roguelite in Reinkultur, und wer Klassiker wie "FTL" oder "Crying Suns" kennt, wird sich sofort zu Hause fühlen. Alt Shift hat die Formel aber nicht bloss kopiert, sondern in zwei klar getrennte Spielphasen aufgeteilt: Flottenmanagement zwischen den Gefechten und Echtzeitkampf mit taktischer Pause.

Das Flottenmanagement ist das Herzstück des Spiels. Innerhalb einer begrenzten Anzahl von Aktionen pro Sektor müsst ihr Ressourcen sammeln, Schäden reparieren, die Mannschaft trainieren und vor allem interne Krisen lösen: Fraktionskonflikte zwischen Militär und Arbeitern, medizinische Notfälle, Sabotageverdacht. Wer hat gelogen? Wer ist der Zylon in den eigenen Reihen? Diese paranoiden Momente treffen den Nerv der 2004er-Fernsehserie wie kaum etwas anderes in der Gaming-Geschichte des Franchises. Es ist den Machern gelungen, die beklemmende Atmosphäre von New Caprica im Kleinen nachzubauen - als ein überraschend dynamisches System aus Entscheidungen, bei denen es kein eindeutiges Richtig oder Falsch gibt.
Unter Druck performt das Spiel am besten
Gerade zu Beginn ist "Scattered Hopes" überfordernd. Das Tutorial ist lang, die UI-Textwände sind dicht, und wer keinerlei Erfahrung mit dem Genre mitbringt, wird seinen ersten Run nach dem Schutz des Tutorials wohl kaum lange überleben. Das ist aber kein Designfehler, sondern eine Designentscheidung: Alt Shift will Druck erzeugen, Ressourcenknappheit spürbar machen, jede Entscheidung mit Konsequenz versehen. Wer sich einarbeitet, erlebt eine der dichtesten Genre-Erfahrungen der letzten Jahre.

Die Echtzeitkämpfe dauern selten länger als zwei Minuten, und genau das macht sie so effektiv. Ihr schickt Viper- und Raptor-Staffeln gegen anfliegende Zylon-Raider, setzt die Gunstar-Bordwaffen ein und zählt die Sekunden bis zum FTL-Sprung. Mit der taktischen Pause könnt ihr jederzeit das Geschehen einfrieren und eure Züge präzise planen. Das fühlt sich nie wie ein Zugeständnis an, sondern wie ein gut durchdachtes Hybridmodell. Wenn dann der Sprung zündet und die Zylonen-Flotte kurz vor dem Einschlag verschwindet, ist das ein Moment echter Erleichterung. Etwas schade ist, dass eure ersten Runs fast zwingenderweise von Misserfolgen untermalt sind. Denn der hohe Schwierigkeitsgrad scheint vorauszusetzen, dass ihr einige der stärkeren permanenten Upgrades bereits freigeschaltet habt.
Wunderschön trotz Pixel-Patchwork

Optisch bedient sich "Scattered Hopes" bei gleich drei verschiedenen Grafikstilen: Pixelart für Interieurbereiche, handgemalte Porträts für Dialoge und polygonale 3D-Modelle für Schiffe im Kampf. Das klingt auf dem Papier inkohärent, funktioniert in der Praxis aber überraschend stimmig. Die planetarischen Hintergründe sind malerisch, die Schlachtfelder klar lesbar - trotz all des Chaos. Das Sounddesign bewegt sich irgendwo zwischen klassischem Orchesterkino und dem "Tron: Legacy"-Soundtrack von Daft Punk - dezent im Flottenmanagement, drängend und pulsierend im Kampf. Es schafft, über das begrenzte Budget hinwegzutäuschen.
Ein kleiner Wermutstropfen: Die isometrischen Interieurbereiche sehen unabhängig vom gewählten Gunstar identisch aus. Wer sich an das visuell völlig anders gestaltete Pegasus aus der Serie erinnert, wird hier eine verpasste Chance bemerken. Das ist nun mal Geschmackssache und ein eher kleines Problem im Gesamtbild.