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Bayonetta 1+2 (Nintendo Switch) - Test

Hexentanz im Doppelpack

Test Video Beat Küttel getestet auf Nintendo Switch

“Bayonetta” ist wahrlich kein gewöhnlicher Gaming-Franchise. Trotz höchstem Lob von Kritikern (etwa einen der raren 40/40 Scores in der japanischen Famitsu) blieb dem Hexen-Werk der ganz grosse Verkaufserfolg verwehrt. Lange sah es so aus, als sei Bayonettas erstes Abenteuer auch gleichzeitig ihr letztes gewesen. Doch Nintendo hatte ein Erbarmen und finanzierte den Nachfolger “Bayonetta 2” (vorerst) exklusiv für Wii U, nachdem der Vorgänger 2009 einst für Xbox 360 und PlayStation 3 erschienen war. Auch das erste “Bayonetta” fand im Zuge des 2014er-Revivals den Weg auf die Wii U, und genau dieses Paket aus beiden Spielen erscheint nun aufgefrischt für Nintendo Switch. Oh, und “Bayonetta 3” für Nintendos Hybrid-Konsole ist ebenfalls angekündigt. Lohnt sich der Hexen-Doppelpack auch 2018 als Einstimmung für den Gerüchten zufolge noch dieses Jahr erscheinenden dritten Teil? In unserem Review verraten wir es euch.

Für alle, die mit der sexy Hexe bisher noch gar nie zu tun hatten, kann ein kurzer “Bayonetta”-Crashkurs nicht schaden. Die Serie “glänzt” neben der ungewöhnlichen Protagonistin vor allem durch zwei Merkmale: eine verworrene Story und ebenso schräge Charakteren auf der einen Seite, sowie dem over-the-top Action-Gameplay, dank dem ihr euch mit Leichtigkeit durch Gegnerhorden pflügt und dabei eine akrobatische Einlage nach der anderen hinlegt. Doch immer schön der Reihe nach.

Seltsame Story, geiles Gameplay

In beiden Spielen werdet ihr zuallererst einfach mal in einen Kampf-Szenario in einem surrealen Setting geworfen. Zwar weiss man zu dem Zeitpunkt als “Bayonetta”-Neuling noch nichts über die Story und auch nicht über das ausgefeilte Kampfsystem, aber eines wird sofort klar: “Bayonetta” gibt von der ersten Minute an Vollgas und schreckt keinen Moment vor völlig abgefahrenem Level-, Gameplay- und Kampfdesign zurück. Wir wissen nicht, was man den Entwicklern in den Tee getan hat, aber beide Spiele profitieren definitiv davon, dass sie sich nicht um “Normalität” scheren. Kleines Beispiel gefällig? Die Story von “Bayonetta” dreht sich um Artefakte namens “Augen der Welt”, welche der schwarzhaarigen Hexe helfen sollen, ihre verlorenen Erinnerungen wiederzufinden. Denn seit Bayonetta vor zwanzig Jahren auf dem Grund eines Sees (!) auferstand und sich bestenfalls noch bruchstückhaft an einige Sachen aus ihrer Vergangenheit erinnern kann, ist sie verständlicherweise sehr daran interessiert, ihre Erinnerungen zurück zu erlangen. Und wie es die Entwickler so wollten, involviert diese Quest Kämpfe gegen Engel und andere himmlische oder dämonische Gegner im Minutentakt, schräge Charaktere wie den Waffenhändler Rodin oder Bayonettas Informant und Quasi-Sidekick Enzo. Das Zusammenspiel aus dem fantastischen Setting und den oft absichtlich übertrieben cool oder trashig vorgetragenen Dialogen sorgt für eine Mischung, die sicher nicht nach Jedermanns Geschmack ist. Doch obwohl die Zwischensequenzen durchaus mal mehrere Minuten in Anspruch nehmen können, ist es das Gameplay, welches in beiden Teilen das Herzstück darstellt.

Screenshot

Und glücklicherweise gibt es von dieser Front nur positives zu berichten. Neben normalen Schlag- und Kickangriffen hat Bayonetta auch dicke Knarren in ihrem Arsenal. Und da je eine Pistole in jeder Hand nicht genug ist, schnallt sie sich auch noch Schiesseisen an die Stiefel. Dass diese dann gerne mal während Breakdance-ähnlichen Moves abgefeuert werden, verwundert in der verrückten Welt von “Bayonetta” und “Bayonetta 2” dann kaum mehr jemanden. Doch das Kampfsystem in beiden Spielen hat noch unendlich viel mehr zu bieten. Egal ob Kombos, Luftangriffe oder Supermoves, es gibt viel zu sehen und zu lernen in “Bayonetta” und dem Nachfolger, doch auch wenn man erst einsteigt, stellt sich sofort ein cooler Flow in den Kämpfen ein. Auf keinen Fall vergessen darf man dabei die sogenannte Witch Time, die zum Zeitpunkt der Erstveröffentlichung ein ganz und gar nicht alltägliches Feature war. Witch Time, also Hexen-Zeit, aktiviert ihr, indem ihr mittels der ZR-Taste im letzten Moment bevor euch ein Gegner trifft, ausweicht. Trefft ihr das Timing richtig, so verlangsamt sich die Welt (und somit auch die Gegner) um euch herum und Bayonetta kann einige Sekunden lang völlig ungestört zuschlagen. Dies ist eines der wichtigsten Gameplay-Elemente, um auch grössere Gegnergruppen in Schach zu halten. Das Zusammenspiel von perfekter Steuerung, Witch Time und einem äusserst gelungenen Kombo-System führt zu einem enorm flüssigen und befriedigenden Gameplay. Man kommt so richtig in einen Spielfluss, der extrem Laune macht, wenn man der Gegnerschaft immer einen Tick voraus ist, und dann mit aller Macht zuschlägt.

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