Cairn - Test / Review

Fantastisch, entspannend und bockschwer

Test Video Fabrice Henz getestet auf PlayStation 5

Überleben am Rande des Abgrunds

Zumindest im normalen Spielmodus stehen einem zum erfolgreichen Besteigen von Kami jede Menge Werkzeuge zur Verfügung. Einerseits wären da die Kletterhaken, von denen zu Beginn maximal sechs zur selben Zeit ausgerüstet werden können. Sie können an der Wand platziert werden, um sichere Plätze und selbst gemachte Kontrollpunkte zu platzieren. Per Quick-Time-Event (das sich optional deaktivieren lässt) bohren sie sich von selbst in jedes Material, um im Anschluss Ausdauer zu regenerieren und bei einem Sturz nicht ganz nach unten zu fallen. Es ist jedoch Vorsicht geboten. In "Cairn" kann theoretisch jedes Stück Fels genutzt werden, um zu klettern. Es ist äusserst wichtig, immer eine möglichst genaue Route nach oben zu planen, bevor mit dem Klettern begonnen wird. Sonst kann es gut vorkommen, dass es weder vorwärts noch rückwärts, abwärts oder aufwärts geht. Manchmal ist es daher sinnvoll, zum letzten Speicherpunkt zurückzukehren, anstatt voller Frust nicht mehr vorwärtszukommen. Die Planung ist das A und O bei jedem neuen Klettergang und sollte auf keinen Fall vernachlässigt werden.

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Ebenso wenig vernachlässigen darf man die Gesundheit von Aava. Regelmässig muss gegessen und getrunken, müssen die Finger für den besten Halt neu getapt und die Ressourcen im Rucksack genau im Auge behalten werden. Zu Beginn des Spiels stehen einem nur Wasser, ein paar Medikamente und Fertigfutter zur Verfügung. Es können während der Reise jede Menge Pflanzen, Nahrungsmittel und andere Dinge gefunden werden, die einem das Leben erleichtern. Als Speicherpunkte dienen in "Cairn" Biwaks, die in der Regel auf jeder etwas grösseren Plattform zu finden sind. Das Biwak hat jedoch noch andere Zwecke: In ihm kann man kochen, indem man eine Flüssigkeit mit einer Pflanze, Essen oder anderen Dingen kombiniert. Die einfachsten Kombinationen dienen nur dazu, Hunger und Durst zu stillen. Rezepte für bestimmte Kombinationen sind Sammelobjekte, und Experimente sind möglich, um zusätzliche, temporäre Buffs zu erhalten. Macht man aus Alkohol und einer Bergblume einen Drink, löscht dieser nicht nur den Durst, sondern gibt einem auch einen Vorteil, um die Kälte der höheren Lagen besser auszuhalten. Andere Buffs verleihen einen erhöhten Halt beim Klettern oder mehr Fokus. Weil der Rucksack aber nur begrenzt Platz hat, muss immer ein Auge auf alle Objekte geworfen werden. Man hat die Wahl, mehr Materialien zum Kochen oder mehr gekochte Gerichte, um den Aufstieg zu erleichtern, mit sich zu tragen. Es bleibt einem dabei selbst überlassen, was einem wichtiger ist.

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Frustresistenz vorausgesetzt

Nach all dem Lob für den Rest des Titels muss aber auch gesagt werden, dass "Cairn" kein einfaches Spiel ist. Es hat eine seltsame Mischung aus ruhigem, fast schon meditativem Gameplay, einem Feeling, das einem Gänsehaut verleihen kann, und einer Schwierigkeit, die einen zum Verzweifeln bringen kann. Es werden einem nur die Basics zum Klettern beigebracht - welche Taste was macht, wie man Hilfsmittel wie Kletterhaken und Kreide einsetzen kann. Was es bedeutet, zu klettern, muss man entweder schon wissen oder selbst herausfinden. "Cairn" setzt bis zu einem gewissen Punkt voraus, Vorkenntnisse über die Anatomie des menschlichen Körpers zu haben und wie dieser Körper richtig eingesetzt wird. Jede Wand, die erklommen werden will, sollte genau ausgekundschaftet werden. Es braucht jedoch nicht nur Geduld, um sich einen guten Weg auszusuchen, sondern auch beim Klettern selbst. Wer vorschnell handelt und schlechte Entscheidungen trifft, stürzt ab, was im besten Fall zu Zeitverlust führt und im schlechtesten Fall zum Verlust des virtuellen Lebens. Wer sich allerdings darauf einlässt, alle Mechaniken, offensichtlich oder nicht, zu lernen, bekommt eine Gameplay-Erfahrung der Sonderklasse.

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Diese Schwierigkeit gehört zu "Cairn" dazu wie der Rest des Gameplays. Wer aber fast ohne Frust oder Hürden zocken will, kann sich das Spielerlebnis dank der Optionen deutlich vereinfachen. Das macht das Erlebnis an sich weniger gut und interessant, ist jedoch trotzdem sehr willkommen. Beispielsweise kann eingestellt werden, dass man unendlich viele Kletterhaken setzen kann oder dass immer automatisch gespeichert wird, wenn man auch in einer Wand selbst festen Boden unter den Füssen hat. Das macht die Gameplay-Erfahrung nicht direkt simpel, allerdings deutlich frustärmer. Wer ein noch härteres Erlebnis will, kann sich am Free-Solo-Modus versuchen. Wie der Name schon sagt, steht einem dort fast keine Ausrüstung zur Verfügung. Keine Haken und kein Seil, jeder Sturz bedeutet in der Regel den Tod, was hier bedeutet, dass wieder von ganz vorn angefangen werden muss.

Fazit

"Cairn" ist ein absolut famoses Spiel. Der Look und das Feeling sind unvergleichlich. Im Spielverlauf geht man mit Aava eine Partnerschaft ein, die sich im Bereich der Videospiele einzigartig anfühlt. Gemeinsam klettert man mit ihr einen tückischen Berg hinauf, der keine Gnade kennt. Es ist hart, fast schon erbarmungslos, und erfordert viel Geduld. Es belohnt einen dafür mit einem Spielgefühl, das seinesgleichen sucht. Wer sich im Bereich des Kletterns nicht auskennt, muss sich jedoch mit einem sehr harzigen Start herumschlagen, der einen direkt abschrecken könnte. Gameplay-Optionen machen das einigermassen wieder wett - unter dem Verlust der Qualität des Erlebnisses an sich.

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