Von Leone bis Karl Heisenberg: Die Schweizerin Enelden ist bereits seit 2012 leidenschaftliche Cosplayerin. Im Interview mit GAMES.CH berichtet sie von ihren unterschiedlichen Rollen, der Tätigkeit als Wettbewerbsjurorin und dem bevorstehenden Auftritt an der Fantasy Basel Mitte Mai.
Enelden gehört zu den bekanntesten Cosplayerinnen der Schweiz. In Morges (Waadt) geboren, entdeckte sie schon früh ihre Cosplay-Leidenschaft bei einer lokalen Convention. Enelden studierte anfangs Physik, wandte sich dann aber Mode und Kostümen zu. Heute arbeitet sie als professionelle Theaterkostümschneiderin und in Teilzeit auch in einem Buchladen. Als Cosplayerin vertrat sie die Schweiz am ECG 2022, ist Swiss Champion 2025 und wird für ihr Land erneut bei der GEC 2026 dabei sein. An der Fantasy Basel (14. bis 16. Mai) nimmt sie ebenfalls zum wiederholten Mal teil. Ein Interview.
Enelden, wie hast du mit Cosplay angefangen?
Enelden: Das war im Jahr 2012, ich war damals 15. Meine Mutter nahm mich zu meiner ersten Convention mit, der Swiss Fantasy Show in Morges. Ich habe einige fantastische "Star Wars"-Cosplays gesehen und fühlte mich wie ein Kind in Disneyland, das seine Lieblingsfiguren sieht. Mir war sofort klar, dass ich diese Freude mit anderen teilen wollte. Nachdem wir etwas Zeit an der Con verbracht hatten, fragte mich meine Mutter, ob ich auch "dieses Cosplay-Ding" machen wolle. Kaum zu Hause angekommen, überlegte ich mir, welche Figur ich cosplayen könnte. Mein erstes Cosplay trug ich dann 2013 bei der Japan Impact an der EPFL in Lausanne - nämlich Lady Loki aus den Marvel-Comics. Dort nahm ich auch an meinem ersten Cosplay-Contest teil. Es war der tollste Tag meines Lebens; ich lernte so viele Leute kennen, mit denen ich noch heute befreundet bin.

Was fasziniert dich am Cosplay?
Enelden: Es gibt da zwei Aspekte. Erstens die Möglichkeit, die Magie mit anderen zu teilen. Das ist der "Disneyland-Effekt": Ich liebe es, das Leuchten in den Augen der Menschen zu sehen, wenn sie ihren Lieblingscharakter vor sich stehen sehen. Das bereitet so vielen Menschen so viel Freude - und ich liebe es, genau das tun zu können. Zweitens liebe ich den handwerklichen Aspekt. Ich liebe es, stundenlang alte Handwerkskünste und historische Herstellungsmethoden zu recherchieren. Es gibt so viele alte Handwerkskünste, die kurz vor dem Verschwinden stehen, weil nur noch wenige Menschen sie erlernen wollen. Ich möchte so viele wie möglich erlernen und sie mit anderen teilen, damit sie weiterleben können. Cosplay ist nicht nur ein modernes, spassiges Hobby - es kann aus geschichtlicher Perspektive wirklich einen Unterschied machen, wenn sich die Menschen die Zeit nehmen, diese alten Techniken zu erlernen, anstatt nur die neuen, glänzenden und modernen Techniken zu nutzen.

Wo beginnst du, wenn du eine neue Cosplay-Idee entwickelst? Was sind die verschiedenen Phasen eines solchen Projektes?
Enelden: Zunächst sammle ich so viele Referenzbilder wie möglich. Das sind offizielle Bilder, die alle Seiten und möglichst viele Details der Figur zeigen, die ich cosplayen möchte. Bei Videospielfiguren ist das einfacher, da ich das 3D-Modell einfach aus dem Spiel extrahieren oder es im Spiel drehen kann, um Screenshots zu machen. Dann recherchiere ich, ob es eine historische Epoche gibt, die zu bestimmten Teilen des Outfits passt. Das gibt mir eine Vorstellung davon, welche Stoffe und Materialien damals verwendet wurden, und hilft mir bei der Auswahl der Materialien und Techniken, die ich verwenden werde. Als Nächstes recherchiere ich, wie ich die Dinge herstellen kann, die ich noch nicht beherrsche. Dann entwerfe ich Schnittmuster für alle Teile: Kleidung, Rüstung und Baupläne für die Waffen. Sobald ich weiss, wie viel von welchem Material ich benötige, gehe ich einkaufen und beginne dann mit der Arbeit. Das klingt sehr einfach - aber glaubt mir, meistens ist es das nicht! Manche Techniken funktionieren vielleicht nicht wie erwartet, manche Materialien sind am Ende vielleicht nicht ganz passend. Aber mit Übung wird es jedes Mal leichter.
