Welche Charaktere hast du bisher gecosplayt? Welcher ist dein Favorit? Und welches Kostüm hast du bei der Schweizer Meisterschaft getragen, die du gewonnen hast?
Enelden: Ich habe bis jetzt 25 Cosplays komplett selbst angefertigt - und mindestens ebenso viele teilweise selbst. Rechnet man die gekauften Cosplays und die aus dem Kleiderschrank dazu, komme ich wohl fast auf 100. Es fällt mir also wirklich schwer, eine Liste zu erstellen. Aber einige meiner Favoriten sind: Twitch aus "League of Legends" (3. Platz bei der Polymanga Global Easter Cosplay 2026), Karl Heisenberg aus "Resident Evil Village" (1. Platz bei der Polymanga Swiss Cosplay League, unserer Schweizer Meisterschaft), Illumi aus "Hunter x Hunter" (2022 für das Finale des European Cosplay Gathering als Duo ausgewählt) und schliesslich Leone aus "Akame ga Kill!" sowie Shota Aizawa aka Eraserhead aus "My Hero Academia". Diese Cosplays haben zwar nur bei allgemeinen Wettbewerben Platzierungen erreicht, aber ich trage sie trotzdem sehr gerne. Das Cosplay, das ich am häufigsten trage, ist Kiki aus "Kikis kleiner Lieferservice". Es ist sehr bequem, das Make-up ist einfach, und vor allem ... sie hat eine grosse Tasche!

Du arbeitest als professionelle Theaterkostümbildnerin. Wie profitiert dein Cosplay davon - und umgekehrt?
Enelden: Meine Arbeit als Kostümbildnerin hat stark von meiner Cosplay-Erfahrung profitiert. Alle meine Aufträge habe ich dank meiner Cosplay-Arbeiten erhalten. Sie haben mir sogar dabei geholfen, an einigen schwer zugänglichen Kostümschulen angenommen zu werden. Die Leute schätzen die Kreativität, die vielseitigen Techniken und vor allem die beim Cosplay erforderlichen Fähigkeiten zur Problemlösung. Deshalb sind die Cosplays definitiv der beste Teil meines Portfolios. Mein Studium und meine Arbeit als Kostümbildnerin haben mir viele Fähigkeiten vermittelt, die ich jetzt in meinen Cosplays anwenden kann. Vom Diplom in Schneiderei und Mode bis hin zur Spezialisierung auf historische Kostüme: Ich habe viel gelernt. Aber das würde nicht ausreichen, wenn ich nicht ständig weiterlernen und mich verbessern würde. Ich kenne viele Cosplayer, die alle nötigen Fähigkeiten verfügen, um als Kostümbildner zu arbeiten. Der Hauptunterschied liegt im Wissen über historische Kostüme - aber diese Lücke lässt sich durch etwas Recherche schliessen. An alle Cosplayer: Unterschätzt eure Arbeit nicht!

Du bist auch internationale Cosplay-Jurorin. Welche Herausforderungen bringt das mit sich?
Enelden: Die grösste Herausforderung als Jurymitglied ist die Kommunikation - damit habe ich auch schon viel zu viele neue Juroren kämpfen sehen. Man muss seine Argumente klar gegenüber den anderen Jurymitgliedern formulieren können und gleichzeitig ein Gespür dafür haben, wann man zu viel oder zu wenig redet. Generell sollte man einfach darauf achten, dass jeder seine Meinung äussern kann. Ausserdem muss man den Cosplayern erklären können, was gut etwas funktioniert hat und was nicht, ohne dabei gemein zu klingen. Ich habe oft erlebt, dass neue Juroren, deren Feedback nicht optimal war, ziemlich heftige Kritik aus der Community einstecken mussten. Und wenn ein Juror beim Feedback einen Fehler macht, müssen das alle Juroren dieses Contests ausbaden. Man sollte also bedenken: Ein Cosplayer, der müde und manchmal auch von den Ergebnissen enttäuscht ist, könnte jedes einzelne Wort falsch aufnehmen.
Was sind die wichtigsten Bewertungskriterien?
Enelden: Die wichtigsten Bewertungskriterien sind Sauberkeit und die allgemeine Qualität bei der Ausführung der Techniken. Es spielt keine Rolle, ob du die komplexesten Techniken anwendest oder das beeindruckendste Kostüm hast, wenn nichts perfekt und sauber ausgeführt ist. Unordentliche Bemalung, Ziernähte, die nicht im gleichen Abstand zur Naht oder zum Stoffrand verlaufen, bei einem 3D-Druck noch sichtbare Schichten, eine Kleiderform, die nicht perfekt sitzt, Lücken in den Nähten eines Schaumstoff-Props oder einer Rüstung: All diese Mängel führen dazu, dass die Juroren Punkte von dem Score abziehen, den du mit den von dir verwendeten Techniken erzielt hast. Wenn du also einen Contest gewinnen willst, ist es das Wichtigste, sicherzustellen, dass du jede verwendete Technik so gut beherrschst, dass das Ergebnis makellos aussieht.

Wie würdest du die Schweizer Cosplay-Szene beschreiben, besonders im Vergleich zu anderen Ländern?
Enelden: Ich glaube, die Stärke der Schweizer Community liegt darin, dass wir uns gegenseitig unterstützen. Wir tauschen ständig Wissen und Tipps aus und helfen den Neulingen, besser zu werden. Wir stehen füreinander ein und sind stolz darauf, wenn unsere Freunde Erfolg haben. Und das verschafft uns einen ziemlichen Vorteil gegenüber anderen Ländern, in denen die Leute die Besten sein wollen, selbst wenn sie dafür andere herabsetzen müssen.