Mit Piranha Bytes schufen Jennifer und Björn Pankratz Videospiele, deren Wirkung auf die deutschsprachige Gaming-Landschaft bis heute nachhallt. Seit das Studio jedoch 2023 die Schotten dichtmachen musste, hiess es für die Pankratz: "Back to the basics." Daraus entstand die eigene Entwicklerfirma Pithead Studio. Es hat mit "Cralon" nun sein Erstlingswerk veröffentlicht, das inhaltlich neue Wege geht, aber dennoch stark an frühere Games aus der Vita des Entwickler-Ehepaars erinnert.

"Cralon" ist laut eigener Aussage ein immersiver Sim-Dungeon-Crawler, der zusätzlich über Adventure- wie auch Rollenspielelemente verfügt. Was zunächst nach einer überwältigenden Menge an Inhalt klingt, ist im Grunde jedoch altbewährte Rollenspielkost, lediglich neu verpackt - wenn auch mit ordentlich Ruhrgebietsflair. Denn tatsächlich sind die Ursprünge von Pithead Studio im gesamten Spiel deutlich zu spüren.
Als titelgebender Held Cralon machen wir uns zunächst auf, einem fiesen Dämon das Handwerk zu legen. Dieser sorgt in einem nahe gelegenen Dorf für Angst und Schrecken: Kinder und Erwachsene werden vermisst. Unsere Aufgabe ist es daher, dem rotäugigen Schurken den Garaus zu machen. Dumm nur, dass er offenbar mit unserem Auftreten gerechnet hat und uns kurzerhand in eine Falle lockt. Sie befördert uns unfreiwillig in die tiefsten Ebenen eines alten Minenschachts, in dem wir es fortan mit tödlichen Gefahren, merkwürdigen Kreaturen und jeder Menge Crafting-Elementen zu tun bekommen.
Oldschool trifft auf Newschool
Tatsächlich wandeln wir - rein oberflächlich betrachtet - auf den Pfaden berühmter Videospielreihen wie "King's Field" oder "Shadow Tower". In einer feindlich gesinnten Umgebung liegt es an uns, einen Weg aus der Finsternis zu finden und alle Gefahren zu überwinden. Wichtig ist dabei vor allem, sich stets einen Überblick über die aktuelle Situation zu verschaffen. Hinter jeder Ecke könnte bereits der nächste Fiesling lauern, der nur darauf wartet, dass wir uns blindlings in die Reichweite seiner Krallen oder Reisszähne begeben.

Glücklicherweise ist Cralon nicht auf den Kopf gefallen - oder hat von seinem Sturz keine bleibenden Schäden davongetragen. So können wir unseren Minenabenteurer mit gefundenen Gegenständen ausrüsten und in die Dunkelheit schicken. Das Inventar reicht dabei von gewöhnlichen Stahlhämmern bis hin zu selbst gebauten Spezial-Spitzhacken, die deutlich mehr Schaden anrichten. Natürlich dürfen auch Heiltränke und andere Konsumgüter nicht fehlen, die unseren Helden sprichwörtlich am Leben halten.
Passend dazu verfügt unsere Spielfigur über das nötige Wissen, gefundene Rezepte anzuwenden und neue Waffen oder Lebensmittel herzustellen.
Alone in the Dark?
Gemäss der Umgebung liegt die Vermutung nahe, dass wir unseren Helden hauptsächlich durch dunkle Gänge, eingestürzte Schächte und finstere Korridore manövrieren. Tatsächlich jedoch hat die Mine unterschiedliche Vegetationen zu bieten, die sich nicht nur optisch voneinander unterscheiden. Mal stehen wir in einem unterirdischen Wald, mal durchflutet gleissendes Kristalllicht die Umgebung.

Dennoch ist die Dunkelheit allgegenwärtig und hat über die reine Atmosphäre hinaus auch spielerische Relevanz. Cralon verliert durch verschiedene Umstände, etwa durch gefährliche Gegner oder besonders dunkle Gebiete, seinen Mut. Je weniger davon zur Verfügung steht, desto ineffektiver agiert er im Kampf. Glücklicherweise lässt sich dieser Wert in der Nähe starker Lichtquellen wie Fackeln wieder auffüllen.
Ecken und Kanten
So viel Charme "Cralon" auch besitzen mag, so viele Abstriche muss man an anderer Stelle machen. Dem Spiel ist deutlich anzumerken, dass es sich um ein Herzensprojekt von lediglich zwei Personen handelt. Vor allem die Kollisionsabfrage in den Kämpfen bereitete im Testverlauf Probleme. Während der Fernkampf - etwa mit der Armbrust - problemlos funktioniert, bleibt im Nahkampf oft unklar, wann Treffer tatsächlich registriert werden. Auch das Ausweichen gelingt nur bedingt zuverlässig. Häufig ist nicht ersichtlich, ob wir einer Attacke erfolgreich entgangen sind oder unser Lebensbalken weiter schrumpft.

Apropos: Entsprechend seinen Spielmechaniken ist "Cralon" stellenweise knüppelhart. Ein falscher Schritt oder ein kurzer Moment der Unachtsamkeit im Kampf, schon geht es zurück zum Startbildschirm. Das erinnert an die frühen Tage von "Gothic", "Risen" oder "ELEX". Auch dort segnete man schnell das Zeitliche, wenn man sich überschätzte oder in die falsche Richtung aufbrach. Die Sprachausgabe, die sich durch das gesamte Spiel zieht, schwankt derweil zwischen gelungen und ausbaufähig.
Fazit
Obwohl "Cralon" eindeutig als Indie-Game einzuordnen ist, besitzt es einen gewissen Charme, der - sofern man sich darauf einlässt - durchaus fesseln kann. Gleichzeitig sollte man sich bewusst sein, dass der hohe Schwierigkeitsgrad und die teilweise sperrige Handhabung eines klassischen Oldschool-Dungeon-Crawlers nicht jeden gleichermassen ansprechen werden. Dennoch ist dies ein ordentlicher Einstand für ein neues Studio und macht Lust auf mehr.