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The Dark Pictures Anthology: Little Hope - Test / Review

Popcorn, fertig, los!

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Das Genre der Point-&-Click-Adventures ist auf den ersten Blick Anfang der 2000er-Jahre mit dem vermehrten Fokus auf 3D-Spiele und Action langsam, aber sicher untergegangen. Grosse Erfolge der letzten beiden Generationen wie "Heavy Rain" und "Telltale's The Walking Dead" zeigen aber, dass sich das Genre, in abgewandelter Form, durchaus noch grosser Beliebtheit erfreut. Heutzutage geht es weniger darum, absurde Rätsel durch das Kombinieren verschiedener Objekte zu lösen, sondern den Verlauf einer Geschichte mit eigenen Entscheidungen zu verändern. Zweifelsohne ein besonders guter Ansatz ist hier eine Horrorgeschichte, bei der wir durch unsere Entscheidungen über Leben und Tod der Charaktere entscheiden. Genau dies hatte Supermassive Games 2015 mit "Until Dawn" im Sinn, das eine interaktive Hommage an die Slasher-Klassiker der Horrorfilmgeschichte bot.

Vier Jahre später starteten die britischen Entwickler mit "Man of Medan" ihre "Dark Pictures Anthology", eine Reihe von Horrorspielen im Stil von "Until Dawn", die jeweils ihr eigenes Subgenre von Horror abdecken sollen. Während "Man of Medan" die Geschichte eines Geisterschiffs erzählt, geht es im neuen Teil der Anthology, "Little Hope", um eine verwunschene amerikanische Kleinstadt.

Brennen muss Little Hope

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Der Name ist Programm. In "Little Hope" besteht für unsere Gruppe an Studenten samt Professor von Anfang an nur sehr wenig Hoffnung. Auf einem Schulausflug gerät die Gruppe in einen Unfall mit ihrem Bus, als sie durch das ländliche Dorf Little Hope fährt. Ziemlich schnell scheinen die Dinge zu eskalieren. Der Busfahrer ist von der Unfallstelle verschwunden, und geisterhafte Visionen und ein undurchdringlicher Nebel machen die Suche nach Hilfe zum unvergesslichen Höllentrip. Weitaus mehr als noch der Vorgänger "Man of Medan" legt "Little Hope" den Fokus auf die Charaktere und ihre persönlichen Eigenschaften. Durch eure Wahl in Dialogen legt ihr fest, welche Werte den verschiedenen Figuren am Herzen liegen - eine Entscheidung, die später durchaus über Leben und Tod entscheiden könnte. Egal ob eure Truppe lernt zusammenzuarbeiten oder sich ständig in den Haaren liegt, es gilt das Geheimnis von Little Hope zu lüften, denn die Stadt war vor rund 300 Jahren Schauplatz einer brutalen Hexenjagd, deren Auswirkungen womöglich bis in die Gegenwart widerhallen. Wie schon "Until Dawn" und "Man of Medan" setzt "Little Hope" bei seiner Erzählung ganz bewusst auf Horrorfilm-Klischees und bietet eine spannende Geschichte, die sich trotz gruseliger Momente selbst nicht immer ganz ernst nimmt. Ein gutes Beispiel ist hier der Kurator, der die übergreifende Erzählung zwischen allen Spielen der "Dark Pictures Anthology" darstellt. Der personifizierte Tod gibt nach jedem Kapitel seinen Senf dazu und geniesst es anscheinend, euch mit kryptischen Hinweisen auf die Folter zu spannen. Egal ob ihr erfolgreich wart und gelobt oder für den Tod eines Charakters getadelt werdet, die Interaktionen mit dem Kurator sind immer ein Highlight. Das geht so weit, dass Pip Torrens, der Schauspieler, der den Kurator verkörpert, der eigentlichen Star-Power von Will Poulter ("Wir sind die Millers", "Bandersnatch") die Schau stiehlt. Während die Geschichte insgesamt keine neuen Wege geht, bleibt sie doch bis zum Schluss spannend und ist offen genug, dass es mehrere Spieldurchgänge braucht, bis man alle Zusammenhänge versteht.

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