Verrückte Missionen und eine beinahe unausweichliche Zerstörungsorgie mit dem Lieferauto sind die Grundzutaten von "Deliver At All Costs". Wir sind in einer Iso-Perspektive für euch durch die USA der 1950er gerast. Was wir erlebt haben und ob sich das teils an "GTA 2" erinnernde Action-Adventure lohnt, erfahrt ihr im Test.

1959 war ein tolles Jahr. Im Kino liefen Filme wie Billy Wilders "Manche mögen's heiss" und Alfred Hitchcocks "Der unsichtbare Dritte". Elvis Presley hatte mit "A Big Hunk o' Love" einen weiteren Nummer-1-Hit. Schiedsrichter Urs Meier erblickte das Licht der Welt. Für Winston Green ist das Jahr 1959 nicht ganz so schön. Die Hauptfigur aus "Deliver At All Costs" ist nämlich pleite und schon seit Monaten mit der Miete im Rückstand. Zum Glück hört er eine Radiowerbung der Firma We Deliver und fährt gleich hin, um sich vorzustellen. Auf dem Weg zur Firma legen wir (nicht immer mit Absicht) die halbe Stadt in Schutt und Asche und verursachen dutzende Blechschäden an anderen Fahrzeugen. Das ist aber nur der Auftakt für ein reichlich beklopptes Abenteuer, das in seiner Abgedrehtheit zweifellos Spass macht, als Spiel jedoch teils grausam versagt.
Bekloppte Missionen am laufenden Band
"Deliver At All Costs" ist ein Action-Adventure mit einer Iso-Perspektive, in dem ihr überwiegend mit einem Pick-up-Truck durch verschiedene fiktive US-Städte der 1950er-Jahre brettert. Das macht ihr vor allem, um für euren Arbeitgeber We Deliver Aufträge zu erfüllen, die nicht gerade alltäglich sind oder durch andere Absurditäten eine gewisse Würze erreichen. So sollt ihr in einer Mission etwa eine Statue vor dem Rathaus entfernen und eine neue aus dem Steinbruch abholen. Anstatt das alte Teil aufzuladen, hängt ihr es einfach an eure Seilwinde und zieht es hinter eurem Auto her, wobei das herumschlackernde Ding andere Autos, Strassenlaternen oder auch ganze Brücken einreisst. Viel seriöser geht es beim Transport der neuen Statue auch nicht zu. Denn die Möwen wissen genau, wozu ein solches Ding da ist: um volle Kanne draufzukacken!
In einer anderen Mission müsst ihr einen lebenden Schwertfisch transportieren, der kräftig auf der Ladefläche herumzappelt und es euch dabei noch etwas schwerer macht als die wohl teilweise bewusst schwammige Steuerung, die Spur zu halten, weshalb wir noch ein paar mehr Bäume, Zäune und anderes ummähen. Menschen übrigens auch, aber gänzlich unblutig. Sie alle nehmen keinen Schaden, sondern werden lediglich sauer, ziehen euch aus dem Auto, schubsen euch oder halten sich auch mal hinten an eurer Stossstange fest. Ein bisschen "GTA" light, wenn ihr so wollt.

Im Rahmen der Story müsst ihr später Konkurrenten ausstechen. Auf der Karte jagt ihr dann einem gegnerischen Lieferwagen hinterher, rammt ihn und klaut ihm mit einem Kran notfalls während der Fahrt die Lieferung und bringt sie selbst zum Kunden. Verfolgt werdet ihr dabei von Schergen der anderen Firma, denen das Paket an sich egal ist, sondern die euch durch Rammattacken bloss zerstören wollen. Es gibt noch unzählige weitere Absurditäten. So müsst ihr später, nachdem die alte Zentrale eurer Firma abgebrannt ist, in der zweiten Stadt Fernsteuerungsautos wie der Weihnachtsmann ausliefern, also durch den Kamin. Dafür fahrt ihr mit den kleinen Karren, die sich noch schlechter steuern, entsprechend über Rampen aufs Dach, um das Ding abzuliefern. Die Polizei macht dabei Jagd auf euch - aber nicht im normalen Streifenwagen. Stattdessen hetzen sich euch eines oder mehrere Polizei-Fernsteuerungsautos auf den Hals.
Ganz lustig ist das schon, zumal es in eine im Kern sinnvolle, teils witzige Story eingebunden ist. Daran ändert auch nichts, dass so manche Dialoge und Zwischensequenzen, die meist entweder gar nicht oder nur als Ganzes übersprungen werden können, gemessen am Inhalt deutlich zu lang geraten sind. Das Problem liegt allerdings darin, dass unter all den Absurditäten so etwas wie spielerischer Anspruch zumeist völlig auf der Strecke bleibt. Wir kommen später darauf zurück.