Deliver At All Costs - Test / Review

Lieferservice im GTA-Stil

Test Benjamin Braun getestet auf PlayStation 5

Zerstörungsorgie ohne Versagensangst

Die mit Abstand coolsten Systeme von "Deliver At All Costs" haben alle etwas mit Zerstörung zu tun. Ob andere Autos, Zäune, Kisten oder sogar ganze Gebäude: Das könnt ihr mit eurer Karre alles bei einer Kollision zerlegen - und zwar in einem wirklich tollen Detailgrad. Dass ihr möglichst viel kaputt macht, darauf legen die Entwickler es genau deshalb natürlich an. Daher ist die Steuerung so schwammig. Daher transportiert ihr mal eine Ladung Feuerwerkskörper und fahrt womöglich selbst in einen davon hinein, was dann eure Karosserie zerlegt oder Reifen absprengt. Letztere könnt ihr, indem ihr aussteigt und draussen den Aktionsknopf drückt, aber in Windeseile reparieren.

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Oder ihr müsst auf den Berg im Steinbruch der ersten Stadt hochfahren, während ein Erdbeben stattfindet. Das lässt den Wagen ständig springen, sodass man leicht aus der Spur gerät. Zudem stürzen grosse Felsbrocken auf euch hinab, denen ihr, aufgrund der schlechten Steuerung und der nie optimalen festen Iso-Perspektive (ihr könnt lediglich zwischen zwei Blickwinkeln wechseln), im Zweifel nicht komplett entkommen könnt. Wenn eure Karre explodiert, werdet ihr aber einfach zurückgesetzt und könnt die Aufgabe (im Regelfall praktisch ohne Fortschrittsverlust) direkt fortführen. Das ist selbst in den Missionen so, in denen ein Timer mitläuft, wobei sie meist auch nicht sonderlich schwierig sind - euch jedoch erneut das womöglich ausbrechende Chaos einen Strich durch die Rechnung machen kann. Gewiss: Es hätte womöglich deutlich mehr geärgert oder genervt, wenn wir nach einer Zerstörung ständig alles noch mal neu hätten machen müssen. Doch mit einer besseren Spielmechanik würde man hier eben gar nicht scheitern. Oder besser gesagt: Diese verlustfreie Rücksetzung gibt es im Zweifel nur, weil es viel zu stark vom Zufall abhängt, ob man scheitert oder nicht.

Nebenmissionen und Sammelkram

Auf den verschiedenen Karten in "Deliver At All Costs", die irrwitzigerweise aus mehreren Ladezonen bestehen, die unnötigerweise ständig den Spielfluss unterbrechen, gibt es natürlich auch abseits der Hauptmissionen etwas zu tun. So könnt ihr in der Welt Kisten mit Geld finden oder auch mit Materialien, die ihr später zur Herstellung bestimmter Dinge benötigt. Ausserdem sind in der Welt eine Reihe von NPC vorhanden, die ähnlich wie die "Fremden und Freaks" in "GTA" zusätzliche Aufträge für euch haben. Einer fordert euch im Steinbruch etwa zu einem Wettrennen heraus. Der Bürgermeister wiederum hat keinen Bock auf Arbeit und will deshalb, dass ihr seinen Doppelgänger findet, damit der die Aufgaben übernehmen kann. Grösstenteils ist das allerdings eher Beschäftigungstherapie. Ihr verliert da nicht wirklich viel, wenn ihr euch darum gar nicht erst kümmert.

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Mehr hätte man auch daraus machen können, dass man die Welt zu Fuss betreten kann. Das ist aber, ausser um NPCs anzusprechen oder über eine Leiter auf ein Dach zu klettern, nur selten innerhalb und ausserhalb der Mainquest notwendig. Übrigens könnt ihr auch in "Deliver At All Costs" in fremde Autos einsteigen und sie fahren - über Telefonzellen in der Welt ist es möglich, euer Dienstfahrzeug in der Nähe respawnen zu lassen. Das gilt jedoch nur für geparkte Fahrzeuge. Ihr könnt also nicht wie in "GTA" Leute aus ihren Karren ziehen und dann mit dem Ding abzischen. Polizei gibt es abseits bestimmter Story-Missionen indes keine. Das meinen wir gar nicht als Kritik, sondern eher als Hinweis, dass der Vergleich mit "GTA" trotz gewisser anderer Ähnlichkeiten eigentlich nur begrenzt taugt.

Fazit

"Deliver At All Costs" ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits gefällt uns der 1950er-Jahre-Ansatz, der in Bezug auf das Design der Welt und der Autos, musikalisch und sogar bis hin zum Stil, mit dem der Erzähler zwischendrin Winstons Werdegang kommentiert, eine spezielle, ansprechende Stimmung vermittelt. Zudem sind die umfangreichen Möglichkeiten, die Umgebung und andere Fahrzeuge zu zerstören, wirklich toll und machen Spass. Die teils völlig absurden Missionen haben ebenfalls etwas, und wenn sie nur dafür sorgen, dass der nächste Auftrag anders ist als der letzte. Andererseits ist "Deliver At All Costs" als Spiel bestenfalls Durchschnitt und viel zu bewusst auf Chaos getrimmt, statt auf halbwegs anspruchsvolles Gameplay. Auch das Missionsdesign punktet zwar mit Abwechslung, allerdings eben nicht mit grossem spielerischen Facettenreichtum, sondern indem sich hier vor allem eine Absurdität an die nächste reiht. Ob die Steuerung absichtlich so schlecht gemacht ist, um möglichst viel Chaos zu produzieren, sei dahingestellt. Doch sie ist (im Auto!) in einem Ausmass schlecht, dass sie wenigstens für manch einen Gamer auf längere Sicht leicht zum Spielspass-Killer werden kann.

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