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DiRT 5 - Test / Review

Viel Spass, wenig Anspruch

Test Video nedzad.hurabasic getestet auf PlayStation 4

Zuletzt hat sich der Autor dieser Zeilen 2015 so richtig mit der "DiRT"-Serie befasst, "DiRT Rally" war damals noch eine knallharte Rallye-Simulation. Der Nachfolger, "DiRT 4" (2017), ist irgendwie an ihm vorbeigezogen. Wahrscheinlich ist ihm deshalb entgangen, dass sich das Rennspiel in der Zwischenzeit deutlich gewandelt und zum astreinen Arcade-Racer entwickelt hat. Das ist per se nichts Negatives, überrascht hat es den Schreiberling aber dennoch.

Gib Gas, ich will Spass

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Die Garage füllt sich recht schnell mit allerlei Rallye-Boliden

Auch in "DiRT 5" gibt es zwar ein paar Einstellungen, mit denen sich die Schwierigkeit anpassen lässt - technische Hilfsmittel wie ABS könnt ihr an- oder abschalten. Doch unter dem Menüpunkt "Fahrhilfen" findet ihr nur eine Handvoll Einträge. Ihre Auswirkungen auf das Fahrverhalten der Boliden sind zudem eher schwach ausgeprägt, man muss bei komplett deaktivierten Assistenzsystemen lediglich etwas feinfühliger steuern. Wirklich anspruchsvoll wird "DiRT 5" trotzdem nie - oder höchstens, weil die KI-Wagen fahren wie Sau. Sie sind total aggressiv, reihen sich oft aneinander wie eine Perlenkette und hängen an der Karosserie des eigenen Fahrzeugs, dass es eine Pest ist. Kennt ihr noch den Bug bei "Need for Speed", wo man ständig an der Leitplanke klebte? Ungefähr so ist das hier auch. Solange man die elf Kontrahenten nicht hinter sich gelassen hat (und meistens startet ihr von der letzten Position) und das Feld von vorn bestimmt, gleicht das Spiel oft einem Crash-Car-Racing, bei dem gern mal verschiedenste Vehikel von links und rechts angeschossen oder vorbeigeflogen kommen - eine echt wilde Angelegenheit! Und daraus wird schon klar: "DiRT 5" ist ein absoluter Spass-Racer, bei dem es nicht um Getriebe-Einstellungen, optimale Brems- und Beschleunigungspunkte, eine perfekte Reifenwahl oder ähnliche Rennsport-Argumente geht.

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Wer aus diesem Pulk nicht schnell genug herauskommt, wird es schwer haben

Beschädigungen sind rein kosmetischer Natur, die sich nicht auf das Fahrverhalten auswirken. Dafür gibt es ein ausgeprägtes Gummiband, das das Fahrerfeld eng beisammen hält und euch auch nach einer verkorksten Runde noch die Chance gibt, aufs Podium zu fahren.

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Abgesehen von den Karriere-Rennen ist "DiRT 5" nicht allzu üppig ausgestattet

Aber nochmals: Das ist gar nicht negativ gemeint. Was "DiRT 5" sein will, macht es schon ganz gut. Die Rennen bieten kurzweiligen, anspruchslosen Fahrspass mit hübscher optischer Kulisse. Ob das jetzt "Ultra Cross", "Rally Raid", "Stampede" oder ein anderer Renntyp ist, wirkt sich mit Ausnahme von "Gymkhana" auf die gebotene Racing-Action kaum entscheidend aus. Mehr Einfluss auf das Geschehen haben vor allem die Landschaften, also die Orte, an denen die Rennen stattfinden. Dementsprechend kachelt ihr an zehn Schauplätzen von Südafrika über Brasilien, Norwegen oder den USA durch dichten verschlammten Regenwald oder über verschneite oder gar vollkommen vereiste Pisten, macht staubtrockenes Hinterland unsicher und durchquert immer mal wieder Ortschaften und Strassen mit Asphaltpassagen. Oft liegt die fahrerische Herausforderung gar nicht so sehr darin, die Gegner zu schlagen, sondern mit der Strecke zurechtzukommen. Die Parcours sind recht vielfältig und abwechslungsreich gestaltet. Ihr Design ist zumeist gelungen, aber zumindest teilweise etwas fragwürdig. Manche Rennbahnen sind derart angelegt, dass Gefahren just an jenen Positionen platziert sind, an denen man auf der Ideallinie fahrend fast automatisch hängen bleibt. Speziell die Regenwald-Strecken sind zudem nicht optimal ausgestaltet, Kurven oder Hindernisse deshalb oft erst im letzten Moment erkennbar - wenn überhaupt. Cool sind dagegen die vielen ansehnlichen Witterungseinflüsse und unterschiedlichen Untergründe, die sich durchaus auf die Fahrzeuge auswirken: Auf Eis fährt es sich anders als im dicken Schlamm, in tiefen Pfützen oder auf verschneitem Beton. Noch dazu setzt oft inmitten der Rennen plötzlich dichter Regen oder Schneefall ein, oder ein Staubsturm verhagelt die Sicht, während der Tag in Nacht umschlägt. Dabei entsteht ein wunderbares Ambiente, etwa ein Nachthimmel voller Nordlichter. Allerdings hält die Technik dem Spektakel nicht immer stand: Relativ oft kommt es zu Nachlade-Effekten, die eher kein gutes Licht auf das Spiel werfen.

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