Dragon Quest VII Reimagined - Test / Review

Klassiker zwischen Vergangenheit und Gegenwart

Test Video Steffen Haubner getestet auf PlayStation 5

Das Original schreckte viele durch seinen gewaltigen Umfang ab. Die Neuauflage des JRPG-Epos macht vieles besser, schleppt aber noch ein paar Altlasten mit.

Kaum ist die legendäre Erdrick-Trilogie mit der HD-2D-Neuauflage von "Dragon Quest I & II" abgeschlossen - Teil III kam ja bereits vorher -, steht mit "Dragon Quest VII Reimagined" schon der nächste Square-Nostalgie-Streich in den Startlöchern. Doch für den siebten Teil der Saga entschied man sich nun für eine "Neuinterpretation", die den PlayStation-Klassiker von 2000 wie auch die Neuauflage für den 3DS von 2012 in ein modernes Gewand hüllt. Der optische Kern der Neufassung ist der aus der Mangawelt bekannte Super-Deformed-Stil, kurz SD. Welche Wirkung das hat, sieht jeder auf einen Blick: Das Charakterdesign, das wie immer bei "Dragon Quest" auf dem unnachahmlichen Stil des verstorbenen Manga-Grossmeisters und "Dragon Ball"-Erfinders Akira Toriyama beruht, sorgt schlagartig für gute Laune. Monster wie Killer-Gimpel, Lippenlurch, Hackrobat oder die gefürchtete Haubergine (Namensähnlichkeit mit dem Autor dieses Textes rein zufällig) wurden kongenial übersetzt. Leider ist die Sprachausgabe nach wie vor auf Englisch, und die deutschen Untertitel stimmen nicht immer mit dem tatsächlich Gesagten überein. So tragen die Protagonisten allesamt andere Namen, was auf Dauer etwas irritiert.

Screenshot

Die Rahmenhandlung dürfte weitgehend bekannt sein, deshalb gehen wir nachfolgend im Schnelldurchlauf darauf ein. Die Geschichte beginnt auf der Insel Estard, wo man in dem Glauben lebt, dass ihr Reich das einzige Land auf der ganzen Welt sei und sie nur endloser Ozean umgebe. (Solche Regionen soll es ja auch in der Realität geben.) Der vom Spieler mit einem Namen zu versehende Held und sein Kumpel, der abenteuerlustige Thronfolger von Estard, Prinz Kiefer, geben sich nicht mit dieser Erklärung zufrieden. In einer alten Ruine, dem "Schrein der Mysterien", entdecken sie geheimnisvolle steinerne Tafelfragmente. Als sie diese auf den dort befindlichen Steinsockeln zusammensetzen, geschieht das Unglaubliche: Sie werden in die Vergangenheit teleportiert. Die Helden finden heraus, dass die Welt früher aus vielen Inseln bestand, die jedoch von einer finsteren Macht - die wir sehr viel später noch kennenlernen werden - versiegelt und in die Vergessenheit gestürzt wurden. Nun reisen die beiden zu diesen Inseln in der Vergangenheit, um weitere Fragmente zu finden und die dort lebenden Menschen von dem auf ihnen lastenden Fluch zu befreien. Danach taucht die betreffende Insel in der Gegenwart wieder aus dem Meer auf. Bereits besuchte Orte lassen sich per Teleportation erreichen.

Spielbare Kurzgeschichten, lange Dialoge und sehr viel Sucherei

Grossen Charme bezieht dieses Setting daraus, dass die Geschichte jeder Insel in Form einer spielbaren Kurzgeschichte erzählt wird. Mal geht es um eine unheimliche Macht in einem Vulkan, mal um eine Stadt, in der die Menschen und Tiere ihre Rollen getauscht haben, oder um eine von Robotern bedrohte Gemeinde. An Orte der Vergangenheit kommt man per Warp im "Schrein der Mysterien", sobald man genug Steinfragmente gesammelt hat. Hat man die Inselbewohner von ihren Problemen befreit und damit die Insel in der Gegenwart wieder auftauchen lassen, erreicht man sie beim ersten Besuch nur per Schiff. Gewöhnungsbedürftig ist, dass man direkt nach dem Wiederauftauchen denselben Ort noch mal besuchen soll, was sich mitunter etwas redundant anfühlt. Es ist aber meist ganz spannend zu sehen, wie sich das Rad der Geschichte weitergedreht hat. Die Monster sind zwar beseitigt, doch gibt es dennoch ein paar weitere Dinge zu tun, zum Beispiel zusätzliche Tafelfragmente finden. Hat man welche übersehen, und das ist fast unausweichlich, da manche sehr gut versteckt sind oder sich nur durch bestimmte Interaktionen mit der Spielwelt offenbaren, fragen wir den Hüter des Steins oder schauen in einer unter "Info" abgelegten Liste nach. Zum Glück lassen sich bereits besuchte Orte jederzeit per Teleportation erreichen.

Dass sich dieser Ablauf ständig wiederholt, ist ein wesentlicher Teil der Erzählstruktur von "Dragon Quest VII Reimagined". Dieser zweite Part jeder Geschichte ist jedoch meist mit viel Lauferei von A nach B verbunden. Oft muss irgendetwas gesucht werden, was dann zum nächsten Fragment führt. Das resultiert aber nicht selten lediglich darin, dass man sich durch ein paar weitere Dialoge klicken und dann wieder nach A zurückkehren muss. Wer den Geschichten nicht ganz so intensiv folgen mag und mehr auf Kämpfe wartet, kann das schnell als Leerlauf empfinden. Und sagen wir es ganz offen: Es artet manchmal schon sehr in Sucherei aus. Auch die Dialoge zwischen den Charakteren ziehen sich mitunter sehr in die Länge - man kann sie dann immerhin einfach überspringen und den Markierungen auf der Karte folgen oder mit seinen Gefährten mittels Kreis-Taste "plaudern", um Hinweise zu erhalten, wo es als Nächstes hingeht.

Screenshot

Kommentare

Dragon Quest VII Reimagined Artikel