Wie stark hat Square Hand an den Klassiker gelegt?
Anhand von einer Stunde Spielzeit, die uns gewährt wurde, kann man natürlich nicht allzu viel zum Gesamteindruck sagen. Uns kam es allerdings so vor, als sei die im Original teils doch recht zähflüssige Handlung ordentlich gestrafft und einer moderneren Erzählweise angepasst worden. Nach eigenem Bekunden hat Square Enix auch versucht, Charaktere und Botschaft mit mehr Tiefe zu versehen und das etwas Holzschnittartige der Originalfassung aufzubrechen. Das Beiwort "Reimagined" im Titel hat also nicht nur hinsichtlich der Grafik seine Berechtigung - das hoffen wir zumindest. Auch das Gameplay ist so, wie wir es von der Serie kennen und lieben, inklusive Oberwelt, rundenbasierter Zufallskämpfe, Waffen, Zaubern, Heilkräutern und Chimärenflügeln. Und natürlich gibt es auch Dungeons, die wir Stockwerk für Stockwerk durchkämmen, wobei wir Monster vermöbeln, Truhen öffnen usw. Dabei glänzte vor zehn Jahren bereits die 3D-Version durch ihren feinen Humor, dessen Wirkung von der SD-Grafik wunderbar verstärkt wird, auch der - wie eigentlich immer in der "Dragon Quest"-Serie - epische bis beschwingte Soundtrack weiss noch heute zu gefallen.

Typisch für "Dragon Quest" sind auch die Zufallskämpfe. Bis heute scheiden sich an dem Prinzip, dass auf Schritt und Tritt unvermittelt Gegner auf der Bildfläche erscheinen können, die Geister. Da in "Dragon Quest VII" Suchen und Erkunden von Umgebungen einen grossen Stellenwert einnimmt, ist es oft nervig, dass man jederzeit mit Feindberührungen rechnen muss. Die "Reimagined"-Version bedient sich wie schon die 3DS-Fassung eines Kniffs, um dem Problem zu begegnen: Gegner sind schon vorher auf der Map zu sehen, und man kann versuchen, sie zu umgehen. In den teils labyrinthartigen Dungeons macht das Katz-und-Maus-Spiel echt Laune, und da man schon vorher sehen kann, mit wem man es zu tun bekommt, da zumindest ein Feind sichtbar ist, kann man sich überlegen, ob man es auf eine direkte Konfrontation ankommen lassen will. Das Kampfsystem insgesamt wurde merklich modernisiert.
Etwas mehr Freiraum wäre 2026 schon wünschenswert
Die im Vorgänger mitunter nervig trägen Kämpfe, gern auch gegen hoffnungslos unterlegene Gegner (Stichwort Grinding), laufen zudem jetzt schneller und flüssiger ab. Die Aktionen gehen ohne unnötige Pausen ineinander über. Schwächere Monster in der Oberwelt können nun direkt ausgeschaltet werden, ohne dass man dazu in einen separaten Kampf wechseln muss. Die 3DS-Version hatte ausserdem damit zu kämpfen, dass die Spielwelt durch die Idee mit den Steinfragmenten oft nur dem Augenschein nach auf offenes Erkunden ausgelegt war. Das gipfelte darin, dass man an vielen Stellen mit NPCs in einer bestimmten Reihenfolge (!) sprechen musste, damit die Geschichte weiterging. Auch hier hoffen wir, dass die Entwickler ihre Hausaufgaben gemacht und etwas mehr Freiräume geschaffen haben.

Natürlich bleibt auch das Berufungssystem. Ähnlich wie in "Dragon Quest III" können sich Figuren in zahlreichen Klassen spezialisieren und selbige auch miteinander kombinieren. Jede Berufung verleiht nun eigene Vorteile und Fähigkeiten, was die Rollen der bis zu vier Gruppenmitglieder unterscheidbarer macht. Auch damit begegnet man offensichtlich einem Kritikpunkt am Vorgänger. Durch das sogenannte "Moonlighting" können einzelne Charaktere jetzt sogar zwei Berufungen annehmen. Wer eine Berufung weit genug ausbildet, erreicht höhere Berufungsklassen. Es ist also das klassische "Dragon Quest"-Prinzip der stetig ansteigenden Komplexität und einer während des Erkundens wachsenden Spielwelt, die zuverlässig dazu führt, dass man immer weiter und weiter machen will. Nur noch diesen Dungeon, nur noch ein Gegner, nur noch einmal aufstufen - ihr kennt das.
Hohe Erwartungen an einen entstaubten Klassiker

"Dragon Quest VII" galt zu seiner Zeit mit über 100 Stunden Spielzeit und so viel Berufungsklassen wie nie zuvor als damals umfangreichster Teil der Reihe. Die "Reimagined"-Fassung dürfte hier eher noch die eine oder andere Schippe drauflegen. Na ja, das hoffen wir zumindest, denn die Anspielsession hat uns schon gleich wieder gepackt, und wir waren vom Square-Enix-Team nur mit Mühe von unserem Controller zu trennen. Schon jetzt kann man sagen, dass die spielerischen Grundlagen von "Dragon Quest VII" sehr gut gealtert sind und durch die Auffrischungen recht modern wirken. Dass man sich die Mühe gemacht hat, den Klassiker umfassend zu entstauben, die Grafik aufzupeppen und der Geschichte mehr Drive zu geben, freut uns daher ungemein. Bleibt zu hoffen, dass das fertige Spiel im Februar 2026 den hohen Erwartungen gerecht werden kann.
"Dragon Quest VII Reimagined" erscheint voraussichtlich am 5. Februar 2026 für PS5, Xbox Series X/S, Nintendo Switch 2 und PC.