Einer der bekanntesten Genrewechsel zwischen einem Original und seiner Fortsetzung ereignete sich in der Filmgeschichte: Obwohl "The Terminator" und "Terminator 2: Judgment Day" stilistisch völlig unterschiedliche Wege gehen, werden beide bis heute als Kultfilme gefeiert. Genau dieses Kunststück versucht nun das Entwicklerstudio Cococucumber mit dem bald erscheinenden Spiel "Echo Generation 2". Während der Erstling spielerisch stark an "Paper Mario" angelehnt ist, nimmt die Fortsetzung einige dieser Elemente und packt sie in einen Deckbuilder, der trotzdem voll auf die Geschichte setzt. Ein spannendes Konzept, das wir uns auf der Xbox Series X genauer angeschaut haben.
Helden werden gebraucht
Die Geschichte von "Echo Generation 2" zusammenzufassen, ist gar nicht so einfach. Statt eines Protagonisten gibt es dieses Mal gleich ein halbes Dutzend. In den ersten Kapiteln lernt man sie und ihre Geschichten kennen: ein stark von Eleven aus "Stranger Things" inspiriertes junges Mädchen mit Superkräften, das von einer mysteriösen Organisation im Untergrund festgehalten wird; ein Zombie, der auf der Suche nach seinem verschwundenen Baby ist; ein Familienvater, der vor Jahren in einer Spezialeinheit gedient hat und noch ein letztes Mal in den Kampf muss, um seine Frau und Kinder zu beschützen.

Zu Beginn wirken diese Kapitel völlig zusammenhanglos. Jede Figur folgt einer eigenen Geschichte, die, zumindest mehr oder weniger, einen logischen Anfang und ein passendes Ende hat. Erst im weiteren Spielverlauf zeigt sich dann, in welcher Form die Story als Ganzes zusammenhängt. und zum grössten Teil klappt das auch. Die einzelnen Kapitel unterscheiden sich visuell und von der Erzählart genug, um ein eigenes Feeling aufkommen zu lassen. "Echo Generation 2" ist aber nicht vertont, weshalb es viel zu lesen gibt, wodurch die erwähnte Stimmung erst aufkommen kann. Das grosse Finale kommt dann gut zusammen und schnürt einen schönen Bogen um das Gesamtpaket.
Rot? Grün? Gelb? Blau!
Wer mit dem Genre der Deckbuilder vertraut ist, weiss, dass sie oft gleichzeitig auch mit Roguelikes in Verbindung stehen. Hier haben wir es stattdessen mit einem ganz klassischen, rundenbasierten Rollenspiel zu tun, das die Mechaniken eines Deckbuilders für seine Kämpfe nutzt. Jede Figur und etwaige Party-Mitglieder verfügen über ein Deck an Karten, das man frei individualisieren kann. Es gibt zwar ein oberes Limit, wie viele Karten man in einem Deck haben kann, doch selbiges muss man nicht ausreizen, wenn man nicht will. Ausserdem bietet "Echo Generation 2" durch die zahlreichen verschiedenen Figuren, die man im Spielverlauf kontrolliert, eine extrem grosse Vielfalt. Jack hat ganz grob gesagt zwei Richtungen, in die man sein Deck bauen kann. Er ist sowohl im Fern- als auch im Nahkampf versiert. Für den Fernkampf kann man sein Deck mit Karten füllen, die für eine begrenzte Anzahl an Schüssen auch Effekte auslösen, die beispielsweise Schaden über Zeit anrichten. Will man eher in den Nahkampf gehen, hat Jack mehrere Karten, die Ziele markieren, wodurch sie mehr Schaden nehmen, aber auch Karten, die zusätzliche Effekte auslösen, wenn das Ziel schon vorher markiert war.

Auf diese Weise hat jeder Charakter mehrere einzigartige Spielweisen, je nach eigenem Geschmack. Einer der Charaktere konzentriert sich auf Gifte und Viren, ein anderer löst zusätzliche Effekte aus, wenn die eigene Gesundheit unter einem bestimmten Wert liegt, während der nächste zwischen Angriffs- und Verteidigungshaltung hin und her wechseln kann. Gepaart mit der etwas anderen Erzählstruktur der Geschichte ergibt sich dadurch enorm viel Abwechslung. In jeder Spielstunde bekommt man wieder eine ganz neue Art, wie man spielen kann, was sich wunderbar anfühlt. Gleichzeitig ist es eine Schwäche von "Echo Generation 2". Dadurch, dass man immer wieder den Charakter und seine Decks wechselt, fällt es schwer, einen Spielstil zu meistern. Einige Bosskämpfe haben es ausserdem ziemlich in sich, weshalb es sich ein wenig mies anfühlt, gegen einen besonders starken Gegner anzutreten, wenn man eine Figur kontrolliert, deren Spielstil einem gar nicht zusagt.

Die Kämpfe an sich sind aber ziemlich unterhaltsam. Wer will, kann in jedem Zug seine stärksten Karten spielen, um auf diese Weise zu versuchen, seine Feinde plattzumachen. Viel effektiver ist es jedoch, wenn man passende Karten spielt. Über jedem Widersacher werden mehrere Symbole angezeigt, die ebenfalls auf den eigenen Spielkarten präsent sind. Spielt man alle, die über einem bestimmten Gegner sind, schafft man einen Durchbruch, wodurch alle weiteren Angriffe automatisch mehr Schaden zufügen. Auf diese Weise fühlen sich die Gefechte durchweg abwechslungsreich an, weil die stärksten Karten, erneut besonders in Bosskämpfen, nicht immer der beste Weg zum Ziel sind. Neue Karten erhält man im Verlauf der Geschichte und von besiegten Gegnern, man kann sie aber auch überall in der Spielwelt verteilt finden. Selbstverständlich steigt man durch das Erledigen von Kontrahenten auch immer wieder in der Stufe auf, was nicht nur erhöhte Werte bietet, sondern einen auch pro Stufe ein neues Talent auswählen lässt. Einige davon sind von der eher gewöhnlichen Sorte, wodurch man 5 % mehr Schaden austeilen oder einstecken kann. Talente, die einen aber mehr Karten ziehen oder sogar spielen lassen, fühlen sich dafür entsprechend stark an, weshalb es äusserst sinnvoll ist, immer weiter aufzuleveln.