Esoteric Ebb - Test / Review

Kritischer Erfolg!

Test Video Fabrice Henz getestet auf PC

"Dungeons & Dragons" ist und bleibt ein weltweites Phänomen. Sei es nun das ursprüngliche Rollenspiel, in Medien wie "Stranger Things" oder in Versoftungen wie "Baldur's Gate III": Der RPG-Klassiker schlechthin ist ein Teil der Medienkultur, der seine Tentakel in alle Richtungen streckt. Besonders erfrischend ist das besonders dann, wenn etwas anderes mit den Grundzutaten gemacht wird.

"Esoteric Ebb" von Christoffer Bodegård gehört genau in diese Kategorie und kann ganz breit als Kombination aus "D&D" und "Disco Elysium" beschrieben werden. Wieso das ziemlich rockt, haben wir für euch herausgefunden.

Der Kleriker

In der Stadt Norvik stehen die allerersten freien Wahlen überhaupt an. Verschiedene Fraktionen buhlen um die Gunst der Bewohner, und selbst fünf Tage vor der eigentlichen Wahl ist noch überhaupt nicht klar, wer die Macht über das Juwel des Settings der Esoteric Coast erhält. Als dann noch ein Teehaus unter mysteriösen Umständen in die Luft gejagt wird, ist klar, dass etwas gemacht werden muss.

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In "Esoteric Ebb" übernimmt man die Kontrolle über den Kleriker. Nicht nur irgendeinen Kleriker, sondern eben auch den Kleriker. Er ist ein Agent der Regierung und muss herausfinden, was es mit der Explosion im Teehaus genau auf sich hat. Denn ein Zufall kann es fast unmöglich sein. Dummerweise verliert der Kleriker so gut wie alle seine Erinnerungen und weiss ausser seiner Mission nicht mehr, unter welchen Umständen es ihn nach Norvik verschlagen hat. Ganz allein ist er nicht, denn sein Geist ist so aktiv wie nie. Alle seine klassischen Rollenspielattribute - Stärke, Geschicklichkeit, Charme, Intelligenz, Willenskraft und Ausdauer - stehen ihm mehr oder weniger tatkräftig zur Seite, je nachdem wie viele Fertigkeitenpunkte in sie gepackt wurden.

Das Setting der Esoteric Coast von Christoffer Bodegård basiert auf der fünften Edition von "Dungeons & Dragons". Es ein solches Spiel zu nennen wäre, aber auf keinen Fall korrekt. Genauso wenig wäre es richtig, "Esoteric Ebb" als einen Klon von "Disco Elysium" zu bezeichnen, obschon der Hauptentwickler selbst von einem "Disco-like" spricht und die Parallelen ganz offensichtlich sind. Stattdessen ist es eine gelungene Mischung aus bekannten und neuen Ideen, verpackt in ein Rollenspiel, das nicht altbacken daherkommt, aber auch als Point-&-Click-Adventure durchgehen könnte.

Charakterwahl einfach gemacht

Zu Beginn des Spiels muss der eigene Charakter erstellt werden, auch wenn einem die Wahl der Klasse abgenommen wird. Wie man seine Fertigkeitenpunkte jedoch verteilen will, bleibt einem ganz allein überlassen. Wer alle seine verfügbaren Punkte in Stärke und Charme packen will, kann das genauso machen wie jemand, der einen ausgewogenen Kleriker will. Das Schöne dabei ist, dass man sich nicht verskillen kann. Alle Attribute können zum gewünschten Ziel führen, wenn man sich clever anstellt und Würfelglück hat. Es ist eines der Elemente, die "Esoteric Ebb" ganz speziell machen.

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Den allergrössten Teil wird man nämlich mit Lesen verbringen. Seien es Dialoge mit den Bewohnern von Norvik oder mit den eigenen Attributen, die alle ihre ganz individuelle Stimme haben. Die "Stärke" möchte logischerweise alle Probleme oder Konflikte mit körperlichem Einsatz erledigen, während Attribute wie der "Charme" oder die "Intelligenz" auf andere Möglichkeiten hinweisen. Wofür man sich aber schlussendlich entscheidet, liegt ganz beim Spieler, denn selbst wenn man körperlich nur schwach ist, kann man trotzdem versuchen, Begegnungen mit Stärke zu überstehen. Dazu wird dann, wie in einem Tabletop-Rollenspiel üblich, ein 20-seitiger Würfel geworfen, der je nach den Werten in den eigenen Skills mehr oder weniger schwierig zu schaffen ist.

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Noch mehr Zeit verbringt man im Dialog mit Menschen, Goblins und anderen Kreaturen, die man in seiner Detektivgeschichte antrifft. So gut wie jede Figur hat etliche Gesprächsoptionen, die, wie so oft in diesem Spiel, mehr oder weniger wichtig sind. Man lernt mehr über die Welt, die Stadt oder die Person selbst, mit der man gerade spricht. Auch hier kommen die bereits erwähnten Würfelwürfe zum Einsatz. Personen können eingeschüchtert oder ermutigt werden. Man kann mit Fantasy-Kreaturen flirten und dabei kläglich scheitern. Oder man versucht sich, wie wir es beispielsweise machten, an einem netten Austausch mit einer riesigen, eigentlich friedlichen Krabbe. Dass sie uns plötzlich packte und wir dank unserer furchtbar schlechten Würfe mit dem Würfel fast das Leben verloren, fasst "Esoteric Ebb" jedoch perfekt zusammen. Dass wir mit der Krabbe reden können, ist eigentlich schon cool genug. Dass unsere Würfe dann vereinfacht oder erschwert werden, je nachdem wie nett oder grantig wir mit der Krabbe gewesen sind, ist unglaublich charmant.

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