EVE Online - Im Gespräch mit Hilmar Veigar Pétursson - Special

Der EVE-CEO über den Abschied von Pearl Abyss und die Zukunft von EVE Online

Artikel Flo Merz

Wer heutzutage über MMOGs spricht, stolpert meist über Titel wie "World of Warcraft", "Final Fantasy XIV" oder "The Elder Scrolls Online". Doch eines der langlebigsten wie einzigartigsten Spiele ist "EVE Online", das erstmals 2003 das digitale Licht der Welt erblickte. Im Zuge des EVE Fanfest 2026 hatten wir die Gelegenheit, mit CEO Hilmar Veigar Pétursson zu sprechen und über die Philosophie, die hinter Fenris Creations und "EVE" steckt, zu blicken.

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Hilmar Veigar Pétursson / c) Flo Merz

Die Reise für "EVE Online" begann nicht etwa mit der Veröffentlichung Anfang der 2000er-Jahre. Stattdessen richtet sich unser Blick auf den 20. September 1984. Damals erschien ein Weltraumspiel, das einigen Fans auch heute noch ein Begriff sein dürfte: "Elite". In diesem Space-Abenteuer übernahmen die Spieler die Rolle wagemutiger Raumschiffpiloten und mussten zahlreiche verschiedene Aufgaben bewältigen. Einige hiervon lassen sich auch später in "EVE Online" noch finden: Missionen, Mining, Handelsrouten und vor allem Kämpfe in der unendlichen Leere des Weltraums. Natürlich entwickelte sich "EVE Online" zu einem eigenständigen Spiel mit eigenen Regeln, Hintergründen uvm. Dennoch sind Ideen aus "Elite" und anderen Produkten, wie dem Pen-&-Paper-Rollenspiel "Traveller" von 1977, klar zu erkennen.

Gerade dieser Mix aus wirtschaftlicher Simulation, Rollenspiel und sozialer Interaktion sollte "EVE Online" über die Jahre von nahezu allen anderen MMOGs unterscheiden. Während viele Online-Spiele den Fokus auf klar strukturierte Quests und eine vorgegebene Geschichte legen, lebt "EVE" vor allem durch seine Spieler. Grosse Kriege zwischen Allianzen, politische Intrigen, Spionageaktionen und wirtschaftliche Machtkämpfe entstehen nicht durch Skripte der Entwickler, sondern durch die Community selbst. Genau diese Freiheit gilt bis heute als eine der grössten Stärken des Games - aber auch als eine seiner grössten Herausforderungen. Neue Spieler werden oftmals von der Komplexität erschlagen, während Veteranen gerade diese Tiefe als Grund dafür nennen, "EVE Online" über Jahrzehnte hinweg treu geblieben zu sein.

Das ultimative Spiel: EVE Online

"EVE" selbst wurde durch CCP Games, mittlerweile als Fenris Creations bekannt, entwickelt und veröffentlicht. Das Unternehmen hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich, wurde unter anderem von einem südkoreanischen Publisher aufgekauft, ehe vor einigen Jahren die Rückkehr in die Unabhängigkeit besiegelt wurde. Trotzdem sind die Begeisterung und der Support der Fans ungebrochen, wie auch Fenris-Creations-CEO Hilmar Veigar Pétursson im Interview zu verstehen gab. "'EVE Online' ist das ultimative Spiel, und ich bin davon überzeugt, dass man das genau so sagen kann." Pétursson leitet bereits seit 2004 die Geschicke des Unternehmens und hatte entsprechend alle Höhen und Tiefen seit der Veröffentlichung von "EVE Online" miterlebt.

Dabei war die Geschichte des Studios keineswegs immer von Erfolg geprägt. Gerade in den frühen 2010er-Jahren experimentierte CCP Games mit zahlreichen Projekten ausserhalb von "EVE Online". Einige hiervon wurden eingestellt, andere erreichten nie die gewünschte Reichweite. Dennoch blieb "EVE" stets das Herzstück des Unternehmens. Selbst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten hielt man am langfristigen Konzept fest und entschied sich bewusst dagegen, das Spiel radikal zu vereinfachen oder kurzfristigen Trends hinterherzulaufen. Dieser Ansatz sorgt bis heute dafür, dass "EVE Online" eine vergleichsweise kleine, dafür aber extrem engagierte Community besitzt.

"Wir versuchten von vornherein, 'EVE Online' als ein Spiel zu entwickeln, das auch noch in 20 Jahren, in 40 Jahren gespielt werden kann. Es gibt einen jährlichen Spruch, der besagt, 'EVE' ist für immer ('EVE' is forever). Natürlich gibt es Entwicklungen, die diese Ausrichtung erst ermöglicht haben. Zum Beispiel hatten wir dieses Motto erst nach der ersten Dekade ausgerufen", resümierte Pétursson.

"Mittlerweile befinden wir uns in der dritten Dekade und können schon bald mit Plänen für die nächste beginnen. Meiner Meinung nach kommt es komplett darauf an, dass man diese Vision besitzen muss, um ein Spiel wie 'EVE Online' auch in Zukunft noch interessant gestalten zu können."

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Diese langfristige Denkweise spiegelt sich auch direkt in der Entwicklung des Spiels wider. Anders als viele moderne Titel setzt "EVE Online" nicht auf jährliche Nachfolger oder harte Neustarts. Stattdessen wird die bestehende Spielwelt kontinuierlich erweitert. Neue Fraktionen, Technologien, politische Systeme und Wirtschaftsanpassungen verändern die Balance im Universum regelmässig und sorgen dafür, dass selbst langjährige Spieler ihre Strategien immer wieder anpassen müssen. Gerade die spielergesteuerte Wirtschaft gilt dabei als eines der faszinierendsten Elemente des gesamten Genres. Preise für Rohstoffe, Schiffe oder Waffen werden nicht künstlich festgelegt, sondern entstehen durch Angebot und Nachfrage innerhalb der Community.

Dass das Unternehmen auf die Langlebigkeit des Games, die eigenen Fähigkeiten und vor allem den Community-Support setzt, bewies zuletzt auch ein Blogpost, der von der Firmenleitung veröffentlicht wurde. Zur Einordnung: Zwischen den Jahren 2018 und Anfang 2026 gehörte CCP Games - genauer gesagt Fenris Creations - zum Konglomerat von Pearl Abyss, einem südkoreanischen Publisher und Entwicklungsunternehmen. Vielen dürfte die Firma jüngst durch die Veröffentlichung von "Crimson Desert" ein Begriff sein. Wie Pétursson im Interview verriet, hatte man sich in Freundschaft getrennt und hielt sich Optionen offen, eventuell in Zukunft an gemeinsamen Projekten zu arbeiten - dennoch ist das MMOG "EVE Online" durch diesen Schritt wieder in unabhängiger Hand.

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