Sanit Klamchanuan ist als "Spicythaidesign" seit 2012 in der Cosplay-Szene unterwegs und wird dieses Jahr die Fantasy Basel besuchen. Ein Interview über Lieblingskostüme, Karton als Baumaterial und Sanits Job bei der weltberühmten Spezialeffekte-Firma Wētā Workshop in Neuseeland.

Sanit Klamchanuan aka Spicythaidesign ist seit 2012 Cosplayer. Er ist regelmässiger Gast bei Cosplay-Events und Jury-Mitglied bei Cosplay-Contests auf der ganzen Welt - und dafür bekannt, seine thailändische Kultur in seine Kostüme einfliessen zu lassen. Seit elf Jahren arbeitet er beim weltberühmten Wētā Workshop in Wellington, Neuseeland, der an Filmen wie "Der Herr der Ringe" und "Avatar" mitgewirkt hat. Auch dieses Jahr wird Sanit an der Fantasy Basel (14. bis 16. Mai) sein und seine Kunst präsentieren. Ein Interview.

Sanit, wie hast du mit Cosplay angefangen?
Sanit Klamchanuan: Ich habe schon immer gerne Cartoons und Filme geschaut. Wie die meisten Leute bin ich mit "Der Herr der Ringe" aufgewachsen und wurde davon inspiriert. Und als ich herausfand, dass es von Wētā Workshop - aus meiner Heimatstadt Wellington - gemacht wurde, wollte ich da auch mitmachen. 2012 begann ich, ein Portfolio zusammenzustellen, um mich als Concept-Artist bei Wētā Workshop zu bewerben. Ich zeigte es Freunden, die früher bei Wētā gearbeitet hatten. Sie fanden meine Zeichnungen sehr gut, merkten aber an, dass die Proportionen der Rüstungsteile nicht ganz stimmten: Würde man dieses Design in ein echtes Kostüm umsetzen, könnte sich der Schauspieler nicht bewegen. Also ging ich an diesem Abend nach Hause und suchte auf YouTube nach "how to make a Halo armor". Ich dachte mir: Wenn ich ein echtes Kostüm beziehungsweise eine echte Rüstung baue, würde das mein Design deutlich verbessern. Also baute ich meinen "Thai Halo Spartan" und trug ihn zur Auckland Armageddon. Es machte so viel Spass - und ich war sofort begeistert!

Was fasziniert dich am Cosplay?
Sanit Klamchanuan: Ich geniesse es wirklich, Teil dieser Community zu sein und mich mit Gleichgesinnten aus aller Welt zu verbinden. Es gibt so viele unglaubliche Maker da draussen, jeder hat seinen eigenen Stil und seine eigene Denkweise. Es gibt eben nicht nur einen Weg, etwas zu tun. Alle sind so gerne bereit, ihr Wissen zu teilen, es für jeden zugänglich zu machen und an die nächste Generation weiterzugeben.
Wo fängst du an, wenn du eine neue Cosplay-Idee entwickelst? Was sind die verschiedenen Phasen eines Cosplay-Projekts?
Sanit Klamchanuan: Bei jedem neuen Cosplay beginnt alles mit dem Entwurf. Ich entwerfe meine Kostüme gerne selbst. Natürlich lasse ich mich von der Popkultur beeinflussen, aber ich möchte nicht dasselbe machen wie alle anderen - ich will anders sein und aus der Masse herausstechen. Ich denke, alles beginnt mit Inspiration. Das ist sehr wichtig, denn wenn ich mehrere Monate in ein Kostüm stecke, muss es interessant und herausfordernd sein. Ich versuche, mich bei jedem Kostüm selbst zu übertreffen, etwas Neues zu erschaffen. Das kann zum Beispiel Lederverarbeitung sein, wie bei meinem Zuko, den ich letztes Jahr gemacht habe. Oder ich möchte Formenbau lernen, wie bei meinem thailändischen Garuda, den ich vor ein paar Jahren gemacht habe. Ich habe sogar einen Hexenkönig aus Karton gefertigt, um zu beweisen, dass man mit einfachen Alltagsmaterialien etwas Cooles schaffen kann. Dann geht es ans Design. Ich illustriere meine Entwürfe gerne so, als wären sie in einem Concept-Art-Buch - mit verschiedenen Ebenen, Vorder- und Rückansichten sowie Requisiten. Das bedeutet, dass ich mich über die Epoche oder den Stil des Kostüms informieren muss, damit es gut aussieht. Gleichzeitig überlege ich, wie ich das Kostüm anziehen werde, wo ich es trennen muss und wo die Befestigungen hinkommen. Wenn ich damit zufrieden bin, kann ich endlich anfangen, das Kostüm zu bauen.
