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Die GAMES.CH-Kolumne #03-2020: Games Never Made #3

Die (vielleicht wichtigsten) Games, die es nie gab: Teil 3

Artikel Video Michael

Es gibt Hunderte von Videospielen, die nie das Tageslicht erblickten, denn zahlreiche Games werden von Entwicklern zwar begonnen, aber nicht fertiggestellt. Von vielen davon werden wir nie etwas erfahren. Andere wurden Legenden und Mythen. Und einige hätten die Welt der Videospiele nachhaltig prägen können, wenn sie es auf unsere Rechner und in unsere Konsolen geschafft hätten.

Hier startet Teil 3 der vielleicht wichtigsten und interessantesten Games, die es nie gab:
"Games Never Made #1" findest du hier
"Games Never Made #2" findest du hier

Insane

Screenshot

Es war eine der ganz grossen Ankündigungen während der Spike Video Game Awards 2010: Der Horror-Regisseur Guillermo del Toro sollte zusammen mit dem "Saints Row"-Studio Volition ein Horror-Game namens "Insane" entwickeln. Abgesehen vom kryptischen Titel und einem surrealen Teaser-Video war lange sehr wenig über das Videospiel bekannt. Genre, Story, Kulisse? Alles geheim. Doch sukzessiv kamen immer mehr Infos ans Tageslicht, die heute ein recht gutes Bild zeichnen und Vergleiche ziehen lassen. Im weitesten Sinne hätte sich "Insane" wohl wie "Call of Cthulhu" von 2018 gespielt. Das Projekt sollte also ein Ego-Horror-Abenteuer mit Shooter- und Rätseleinlagen werden.

Der Spieler hätte einen Ermittler gelenkt, der um das Jahr 1900 in einer kleinen US-Stadt seine verschwundene Familie sucht. Diese Aufgabe hätte ihn durch düstere Hafenviertel, eine Irrenanstalt und unterirdische Ritualstätten geführt. Dabei wären ihm zunächst wenige und dann immer mehr und immer grössere Lovecraft-Monster über den Weg gelaufen: Tentakelkreaturen, Kultisten, Frosch- und Fischmenschen und zum Schluss eine Wesenheit von der Grösse eines Berges, die er mit einem entgleisenden Zug hätte töten müssen. Denn die Stadt war, wie es scheint, Ort einer Invasion von kosmischen Kreaturen. Über die Spielzeit sollte der Spieler aber stetig mehr Zweifel entwickeln, ob all das nun nur Einbildung oder Wirklichkeit ist - ob er hier Monster tötet oder unschuldige Menschen, die er für Monster hält.

Die Arbeit an "Insane" war zur Zeit der Ankündigung noch nicht allzu weit gekommen. Volition arbeitete an der Anpassung der Unreal Engine 3 für den Horrortitel, Konzeptzeichner entwarfen eklige Kreaturen. Guillermo del Toro arbeitete Szenen aus, die er im Spiel haben wollte, und erste Level-Abschnitte wurden gestaltet. Aber dann kam THQ in finanzielle Engpässe, musste Studios und Projekte umorganisieren. Da "Insane" ohnehin noch im Frühstadium war, wurde es auf Eis gelegt - aber nie wieder reanimiert. Dabei hatten die Macher schon Ideen für Nachfolger. Eine Trilogie war geplant. Teil 2 sollte in San Francisco und Teil 3 auf einer Raumstation verortet sein. Die Rechte an "Insane" gehören heute del Toro selbst, der das Spiel immer noch gern umsetzen würde, sofern sich eine Gelegenheit ergibt.

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