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Aprilscherz: Werden Spiele aus den USA bald deutlich teurer?

Geplante Gesetzesänderung der Trump-Regierung

Artikel Sönke Siemens

Wer Politik und Computerspiele in einem Atemzug nennt, meint in der Regel Killerspiele, doch dank des neuen US-Präsidenten Donald Trump könnte sich das bald ändern: Der neue Mann im Weissen Haus plant eine Gesetzesänderung, die den etablierten Software-Markt gründlich erschüttern würde. Laut einem Insider will die Republikanische Partei bereits nächste Woche einen Gesetzesentwurf in den Kongress einbringen, der "eine Mehrbewertung für ex- und importiere Software" beinhaltet. Oder weniger bürokratisch ausgedrückt: Trump fordert Strafzölle für Software aller Art, speziell aber für Computerspiele auf Konsolen und PCs. Man spricht von 35 Prozent für jedes Spiel, das aus den USA in den europäischen Markt kommt. Und da einige der grössten Spielehersteller ihren Geschäftssitz in den USA haben, könnte das bedeuten, dass das nächste "Call of Duty" ein noch tieferes Loch in den Geldbeutel der Spieler reisst. Selbst Downloads sind davon nicht ausgenommen: Über eine Erweiterung der NSA-Spionage-Software „Prism“ wird dann genau protokolliert, wer sich welches Spiel heruntergeladen hat, um die Nutzer anschliessend zur Kasse zu beten. Einzige Ausnahme sollen Patches und Updates sein. Doch lohnt sich der Aufwand einer solchen Gesetzesänderung überhaupt?

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Bildquelle: Rockstar resp. Wikipedia

Experten zufolge ja: Erst Ende 2016 hat das Marktforschungsunternehmen SuperData Research in einem Bericht dargelegt, dass der weltweite Spielemarkt allein im vergangenen Jahr rund 91 Milliarden Dollar Umsatz vorweisen kann – Geld, von dem sich Donald Trump eine Aufbesserung der US-Staatskasse verspricht. Ob mit den zusätzlichen Einnahmen auch der Mauerbau an der mexikanischen Grenze vorangetrieben werden soll, ist derzeit noch nicht bekannt. Und obwohl die Republikanische Partei erst vor wenigen Tagen mit der Reform der Krankenversicherung „Obamacare“ gescheitert ist, sehen Experten durchaus eine Chance, dass die Zollgebühr für Software innerhalb weniger Wochen durch den Kongress geboxt wird. Rechtlich befinden sich die Pläne des Präsidenten dabei (noch) in einer Grauzone, denn erst kürzlich erklärte der Handelsrechtsexperte Udo Osterhellweg aus Zürich in einem Interview: "Solange die Vereinigten Staaten Mitglied der Welthandelsorganisation WTO sind, müssen sie sich grundsätzlich an die geltenden Regeln halten."

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Das klingt nach dem rettenden Strohhalm für die gesamte Spielergemeinde, trotzdem liessen einige Hersteller bereits durchblicken, dass sie im Falle einer derartigen Gesetzesänderung schon Notfallpläne in der Schublade haben. So überlegt Rockstar Games, die Entwicklung des angekündigten "Red Dead Redemption 2" an Rockstar North in Edinburgh, England auszulagern. Das spielerische Ergebnis, so versicherte man uns, wäre zwar das gleiche, aber der Erscheinungstermin für das ersehnte Wild-West-Epos würde wegen der Umstrukturierung um etliche Monate nach hinten wandern. Und bei Ubisoft Entertainment in Rennes, Frankreich, denkt man laut darüber nach, entweder die Büros in den USA zu schliessen oder die Mehrkosten auf die Spieler abzuwälzen – beide Szenarien seien aber gleich unbeliebt. Sollte das umstrittene Gesetzt tatsächlich verabschiedet werden, wird es aber nicht nur Verlierer geben: Namhafte Hersteller aus Asien haben bereits angekündigt, den europäischen Markt mit deutlich preiswerteren Spielen zu versorgen.

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