Spielestudio (aka Game Builder Garage) - Vorschau / Preview

Endlich Entwickler? Nintendos "Spielestudio" zeigt die Grundlagen des Gamedesigns

Vorschau Steffen Haubner

Bei Nintendo wird mal wieder gebastelt. Nach den "Labo"-Pappbaukästen dürft ihr euch nun wieder im rein Digitalen kreativ austoben. Wir haben uns die Software, die am 11. Juni 2021 als digitaler Download erscheinen soll, schon mal angesehen. Eines muss man Nintendo lassen: Im Überraschen sind die Japaner wirklich Weltmeister. Mal rollen sie mit halb stationären, halb mobilen Konsolen den Mark auf, mal veröffentlichen sie Bastelbögen für interaktive Pappspielzeuge. Nun also eine Software zum Selberprogrammieren von Games. Hätte jemand damit gerechnet? Kein Stück. Ebenso erstaunlich ist der Umstand, dass Konkurrent Sony mit "Dreams" schon seit Frühjahr 2020 einen ähnlichen Titel im Programm hat. Dabei schätzt man bei Nintendo sonst doch eher die Rolle des Vorreiters. Um es vorwegzunehmen: Auch diesmal gelingt es dem "Super Mario"-Konzern, etwas ganz Eigenständiges auf die Beine zu stellen.

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Der Einfachheit halber kann man auch eine USB-Maus anschliessen. Naturgemäss nur an die stationäre Switch

Da ist zunächst einmal die Plattform. Die Switch, die sich bislang weltweit über 85 Millionen Mal verkauft hat, dient zum Kreieren, Spielen und Teilen der selbstgemachten "Spielestudio"-Games. Das kann man auf dem Original ebenso tun wie auf der rein mobilen Lite-Version, unterwegs im Handheld-Modus oder daheim am Fernseher. Als Eingabemöglichkeiten stehen der Touchscreen, die Tasten, den Joy-Con oder der Nintendo Switch Pro Controller zur Verfügung. Ausserdem lässt sich eine kompatible Maus über den USB-Anschluss des Switch-Docks mit der Konsole verbinden. Erfreulicherweise funktionieren sämtliche Spiele auch im Multiplayer-Modus für bis zu acht Teilnehmende.

Die Grundstruktur von Games verstehen

Aber auch konzeptionell verfolgt Nintendo einen grundlegend anderen Ansatz als "Dreams". "Es geht darum, die Grundstruktur eines Games zu verstehen", erklärte uns ein Nintendo-Mitarbeiter im Rahmen einer exklusiven Vorabpräsentation. Damit soll zunächst vor allem eine jüngere Zielgruppe ab etwa sieben Jahren erreicht werden, indem man sie Schritt für Schritt an die Entwicklung von Videospielen heranführt. Schon der deutsche Titel "Spielstudio", der die etwas lässigere englische Version "Game Builders Garage" ersetzt, atmet den Geist dieses pädagogischen Anspruchs. Ebenso wie die sieben "Lektionen", die man zunächst absolvieren soll, bevor man sich in den freien Modus stürzt. Bei jeder Lektion lernt man ein eigenes Genre kennen, der Schwierigkeitsgrad steigt Stufe für Stufe weiter an. Hat man alles absolviert, ist man in der Lage, die eigenen Spielideen zum Leben zu erwecken.

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Pro Lektion lernt man ein neues Genre kennen

Bei "Tag Showdown" (die deutschsprachigen Titel wurden noch nicht kommuniziert) müssen sich zwei Spielfiguren vor herabfallenden Bällen in Sicherheit bringen. "On A Roll" ist ein Kugellabyrinth, das per Gyroskop gesteuert wird, "Risky Run" eine Art "Temple Run" und "Alien Blaster" der unvermeidliche 2D-Sidescrolling-Shooter. Es gibt einen Kart-Racer, ein klassisches Jump & Run und einen "Mystery Room", aus dem es zu entkommen gilt. Alle wesentlichen Elemente spielen sich der Einfachheit halber innerhalb von zwei Dimensionen ab, nur stellenweise wird der Eindruck von Dreidimensionalität vermittelt. Die bekannten Charaktere aus dem Nintendo-Universum darf man im "Spielestudio" nicht nachbauen. Die Protagonisten der DIY-Games sind knuffige Roboterwesen, die sich nur in recht engen Grenzen gestalten lassen. Dennoch sind sie einem auf Anhieb sympathisch, und wir freuen uns schon darauf, sie vielleicht mal als "Smash Bros."-Recken kennenzulernen. Es geht hier aber auch gar nicht darum, markttaugliche Spielwelten zu erschaffen. Vielmehr soll "Spielestudio" eine Einführung in die visuelle Spieleprogrammierung sein, auf deren Grundlage man irgendwann auf komplexere Design-Tools umsteigen kann, sofern man Geschmack an der Sache gefunden hat.

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