Ghost of Yotei - Test / Review

Atmosphärisch starke Open-World-Action

Test Video Benjamin Braun getestet auf PlayStation 5

Der Vorgänger war nicht weniger als eines der besten Games für PlayStation 4. Nun tritt "Ghost of Yōtei" dessen Erbe an und macht mit mitreissender Story, packenden Kämpfen und fetter Grafik selbst Hideo Kojimas "Death Stranding 2" den Rang als bislang bestes PS5-Spiel des Jahres streitig.

"Ghost of Tsushima" war nicht nur ein grossartiges Open-World-Actionspiel und einer der besten Titel des US-Studios Sucker Punch Productions, sondern auch ein Liebesbrief an die Kultur Japans. Die Erwartungen an den inhaltlich unabhängigen Nachfolger "Ghost of Yōtei" sind entsprechend gross, zumal das Spiel, anders als der zunächst nur für PS4 veröffentlichte erste Teil, für die aktuelle Sony-Konsole an den Start geht. Im Test auf der PS5 Pro zeigt sich, dass Sucker Punch den hohen Erwartungen gerecht wird und sie insbesondere erzählerisch sogar übertrifft. Wieso, weshalb, warum? Die Antwort gibt es hier und in unserem oben eingebetteten 4K-Review-Video.

Mehr als eine einfache Rache-Story

Die Handlung von"Ghost of Yōtei" spielt Anfang des 17. Jahrhunderts auf der im Norden Japans gelegenen Insel Ezo, die heute unter dem Namen Hokkaidō bekannt ist. Ihr übernehmt den Part der Kriegerin Atsu, die als Kind nur mit Glück einen Überfall auf ihre Familie überlebte und nun, 15 Jahre danach, in ihre Heimat zurückkehrt, um die Täter der ihrer Meinung nach gerechten Strafe zuzuführen. Ihr macht hier also Jagd auf die Verbrecherbande, die sich selbst die "Yōtei Sechs" nennt, und streicht die Namen der Mitglieder auf einer mitgeführten Schärpe stilecht mit deren eigenem Blut durch.

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Was zunächst nach einer simpel gestrickten Rache-Story klingt, erweist sich mit der Zeit jedoch als wesentlich mitreissender und tiefgründiger, als es anfangs den Anschein hat. Denn das Spiel spart nicht an spannenden neuen Erkenntnissen über die Ereignisse der Vergangenheit oder die Hintergründe der "Yōtei Sechs", die nun schon seit geraumer Zeit Ezo terrorisieren, ohne dabei in stumpfe Schwarz-Weiss-Malerei zu verfallen. Besonders bemerkenswert dabei ist, wie gut Sucker Punch hier packendes Storytelling gelingt - immerhin handelt es sich um ein Open-World-Game, in dem ihr euch zwischen den Story-Missionen prinzipiell stundenlang mit ganz anderen Dingen beschäftigen könnt, etwa mit dem (nicht authentischen) Münzminispiel Zeni Hajiki, bei dem unter Zuhilfenahme der adaptiven Trigger in der richtigen Stärke Münzen anschnipsen müsst.

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Stark ist zudem, wie es den Machern gelingt, eine Bindung zwischen Spieler und Heldin, verkörpert von der US-Schauspielerin Erika Ishii, aufzubauen, die sich zu Beginn betont unnahbar gibt und zunächst nur bei einem ihrer Bäder in einer der heissen Quellen etwas auftaut. Konkret arbeitet das Spiel dafür nicht zuletzt geschickt mit spielbaren Rückblenden, in denen ihr mehr über Atsus Kindheit, ihre Familie, aber auch die "Yōtei Sechs" erfahrt. Dabei erinnert sich Atsu auch immer wieder an Lehrstunden ihrer Eltern, etwa als sie gemeinsam mit ihrem Vater die entlaufenen Pferde eines Händlers zurückbringt. Das ist richtig gut gemacht - so gut, dass wir "Ghost of Yōtei" erzählerisch mit zum Besten zählen würden, was das Medium Videospiele aktuell hergibt.

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