Marvel's Guardians of the Galaxy - Test

Chaos-Action mit fantastischem Humor

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Das neue Spiel um Star-Lord Peter Quill und seine Wächterfreunde glänzt mit einer mitreissenden Geschichte, grossartigem Humor und überaus ansehnlicher Technik. An der bisweilen reichlich konfusen Action des reinen Solo-Abenteuers aber dürften sich die Geister scheiden.

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Ein genetisch aufgemotzter Waschbär, die tödlichste Frau des Universums, ein muskulöser, leicht paranoider Krieger, ein (nun, irgendwie) sprechender Baum und ein bisweilen infantil anmutender Anführer mit einer ausgeprägten Vorliebe für die Hits der 1980er-Jahre? Fans der Comicreihe "Guardians of the Galaxy" haben dieses ungewöhnliche Quintett längst ins Herz geschlossen - und spätestens seit den beiden Kinofilmen aus dem "Marvel Cinematic Universe" sind sie im Mainstream angekommen. Eine grössere Versoftung um Star-Lord Peter Quill, Gamora, Drax, Rocket und Groot gab es bereits im Jahr 2017 mit dem fünfteiligen Episoden-Adventure von Telltale Games. Mitsamt einem gewiss erheblich höheren Budget erscheint nun ein Action-Adventure von Eidos Montreal ("Deus Ex: Mankind Divided", "Shadow of the Tomb Raider" etc.), in dem ihr nicht bloss Entscheidungen trefft und QTEs absolviert wie bei Telltale, sondern euch aus einer Third-Person-Perspektive auch brachiale Gefechte mit abtrünnigen Nova-Truppen oder teils gigantischen Bossen liefert. Wir haben "Marvel's Guardians of the Galaxy" bereits für euch durchgespielt und verraten euch spoilerfrei, warum wir bestens unterhalten wurden, aber nicht restlos glücklich sind.

Spannende Story, erstklassiger Humor

Die mit Abstand grössten Stärken von "Guardians of the Galaxy" (fortan "GotG" genannt) werden schon in den ersten Minuten des Spiels deutlich. Ob innerhalb der unzähligen Zwischensequenzen oder bei den interaktiven Multiple-Choice-Dialogen etwa an Bord der Milano: Hier bleibt kein Auge trocken, wenn Drax wieder mal Verrat in den eigenen Reihen wittert, der egozentrisch veranlagte Rocket wie immer alles besser weiss oder der im Herzen immer noch etwa zehn Jahre alte Peter Quill Gamora in ihrem Quartier beim Spielen mit Puppen ertappt. Es sind keine billigen Schenkelklopfer, sondern es ist genau die Art von Humor, die die Comicvorlage oder auch die beiden ersten der drei geplanten Kinofilme auszeichnen. Das Schöne daran ist, dass praktisch sämtliche Charaktere zwar reichlich überzeichnet sind, aber gleichzeitig eine Tiefe besitzen, die auch höheren Ansprüchen ans Charakterdesign genügen. Ähnlich sieht es bei der in Kapitel eingeteilten, wendungsreichen Story selbst aus. Zwar haben die fünf Wächter zunächst mit eher banalen, selbst verursachten Problemen zu kämpfen, nachdem sie widerrechtlich in eine Sperrzone eindringen und dafür von Peters Nova-Corps-Vertrauter Ko-Rel zu einer Strafzahlung verdonnert werden. Die Zankereien unter den Guardians sorgen jedoch dafür, dass der familiäre Zusammenhalt scheinbar bröckelt, während sich immer stärker herauskristallisiert, dass nicht weniger als der Fortbestand der Galaxie vom ungleichen Quintett abhängt.

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Dabei bettet Eidos Montreal natürlich auch eine Reihe bekannter Figuren aus den Comics ein, die zugleich als primäre Vorlage fürs Spiel dienen - also nicht etwa die Filme mit Chris Pratt in der Hauptrolle. Wie, wo oder weshalb, möchten wir euch natürlich nicht im Detail erläutern. Aber unter anderem werdet ihr Lady Hellbender, dem sowjetischen Weltraum-Hund Cosmo, der verbündeten Telepathin Mantis sowie weiteren Freunden und Fieslingen des Universums begegnen. Besonders emotional wird es natürlich in den Rückblenden, in denen ihr Peter, noch ohne genaues Wissen über seine Herkunft, im Haus seiner Mutter Meredith steuert. Ähnlich wie in den Filmen kommen diese Rückblenden an Schlüsselstellen zum Einsatz, die uns trotz vorhandener Vorkenntnisse dem herzensguten Peter noch ein bisschen näherbringen.

Dass gerade der Humor zündet, aber auch die Atmosphäre allgemein sehr dicht ist, verdankt "GotG" zudem den guten Dialogen und Sprechern. Die englische Fassung ist zwar noch mal eine Stufe besser, aber die vollständige deutsche Lokalisation muss sich nun wahrlich nicht verstecken. Wer also lieber in seiner Muttersprache spielen möchte oder darauf angewiesen ist, muss keine grossen Abstriche machen. Das gilt natürlich auch für den Soundtrack, der etliche Hits der 1980er unter anderem von Bonnie Tyler, Def Leppard, Pat Benatar oder auch dem One-Hit-Wonder Bobby McFerrin umfasst. Toll ist ebenso die Musik der fiktiven Band Star-Lord, die extra fürs Spiel entwickelt wurde.

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