Kaum ein Videospielgenre wird so von Indie-Titeln dominiert wie Puzzle-Games. Schon die frühen Anfänge mit Klassikern wie "Braid" oder "Fez" zeigen, dass Rätselspiele mit einer auffallenden Ästhetik und einem cleveren Gamedesign auch ohne grosses Budget erfolgreich sein können. Das beweisen jetzt auch die beiden belgischen Entwickler hinter Badass Mongoose mit ihrem Werk "Helix: Descent N Ascent". Wir haben uns angeschaut, ob der Debüttitel des kleinen Studios im bereits sehr starken Indie-Jahr 2026 das Zeug hat, aus der Menge herauszustechen.
Geheimnisse in Schwarz und Weiss
Wer, wie oder was? Antworten auf klassische Fragen sucht ihr in "Helix: Descent N Ascent" vergebens. Als gesichtslose, humanoide Gestalt erkundet ihr eine einsame, surreale Welt und trefft dabei immer wieder auf ein farblich invertiertes Gegenstück eurer selbst. Ein Feind? Ein Verbündeter? Ihr selbst aus einer anderen Realität? Das Spiel lässt ganz bewusst sehr viel Interpretationsraum und verzichtet auf ein klassisches Narrativ. Stattdessen gehört das Mysterium der Welt genauso zu den Rätseln wie die Progression. Das erinnert an einige unserer Favoriten des Genres, etwa "Tunic" oder "Chants of Sennaar", gestaltet sich hier in der Praxis aber noch etwas kryptischer, da die Welt selbst ausserirdisch scheint und nur wenige fragmentierte Zeichnungen einen Einblick jenseits der direkten Spielumgebung bieten.
Die Spielwelt ist einsam und wird nicht zuletzt untermalt durch die monochrome Farbpalette aus Schwarz und Weiss. Das heisst aber mitnichten, dass die Spielwelt nicht trotzdem vor liebevollen Details überquillt. Beim Erkunden haben wir konstant das Gefühl, nicht ganz sicher zu sein, was uns um die nächste Ecke erwartet. Das steuert bei den anfangs noch eher simplen Rätseln einen grossen Teil der Motivation bei.
Denken ausserhalb der Box
Spielerisch lässt sich "Helix: Descent N Ascent" oberflächlich leicht als Metroidvania beschreiben, bei dem ihr Level-Abschnitte mit auf die Rätsel abgestimmten Fähigkeiten abklappert, um Stück für Stück ein grösseres Mysterium zu lüften.

Doch der clevere Kniff dabei ist, dass "Helix: Descent N Ascent" nicht nur nonlinear aufgebaut ist, sondern euch regelmässig die bereits gefundenen Fähigkeiten wieder wegnimmt. Ihr beginnt damit, dass ihr die fünf grundlegenden Fähigkeiten sukzessiv meistert. So beschwört ihr Blöcke oder nutzt einen Enterhaken, um neue Gebiete zu erreichen. Doch sobald ihr einen der Mini-Dungeons abgeschlossen habt, verliert ihr die Fähigkeit wieder.
Habt ihr die Basis des Spiels gemeistert, enthüllt es seinen eigentlichen Geniestreich. Jetzt erkundet ihr nämlich ein neues, grösseres Gebiet mit Kombinationen aus vorherigen Fähigkeiten. Dabei interagiert jedes Paar aus zwei Fähigkeiten anders miteinander, um neue Wege zu öffnen und Rätsel zu lösen.
Wer besonders clever ist, kann ausserdem abseits der auf einer Karte gekennzeichneten "Dungeons", die es für jede Fähigkeiten-Kombo gibt, auch Geheimnisse entdecken, die neue Wege und Möglichkeiten eröffnen können.

Damit, dass jedes Fähigkeiten-Paar quasi als Mini-Dungeon fungiert, seid ihr niemals überladen und bleibt auch nicht stecken, habt aber trotzdem das Freiheitsgefühl, nach Lust und Laune erkunden zu können. Die Kombinationen sind auch sehr vielseitig. So könnt ihr beispielsweise allein die beschworenen Blöcke entweder mit dem Enterhaken als Ankerpunkte verwenden oder in Kombination mit der ferngesteuerten Drohne in zuvor unzugängliche Lücken lenken.
Mit einem vergleichsweise sanften Einstieg und einem stetigen, klaren Ziel vor Augen kann "Helix: Descent N Ascent" anders als viele andere Games im Genre auch weniger erfahrenere Spieler abholen. Das hat allerdings auch zur Folge, dass die Rätsel auf dem Hauptpfad verhältnismässig einfach sind und Rätselprofis lediglich mit den geheimen "Meta"-Puzzles wirklich gefordert werden.
