Hell is Us - Test / Review

Speziell, aber auch gut?

Test Video Benjamin Braun getestet auf PlayStation 5

Mit einem Spiel alter Schule, das Third-Person-Action mit Adventure-Gameplay kombiniert, will "Hell is Us" aus der Masse herausstechen. Wie der Test der finalen Version zeigt, gelingt das auch - aber nicht durchweg im positiven Sinn.

Nach unserem ersten Hands-on im Mai dieses Jahres konnten wir "Hell is Us", das neue Spiel der Macher von "Mordheim: City of the Damned", zwar noch keine Überflieger-Qualitäten attestieren, wohl aber ein ausgeprägtes Mass an Geheimtipp-Potenzial. Endlich konnten wir die Vollversion auf PlayStation 5 Pro für euch spielen und wissen nun, warum uns das Konzept mit seinem aussergewöhnlich verstörenden Bürgerkrieg-Setting und dem wenig ausgeprägten Händchenhalten vieler anderer aktueller Games immer noch sehr fasziniert, es in der Praxis aber gewiss nicht jeden überzeugen können wird.

Fiktive Welt mit Jugoslawien-Parallelen

"Hell is Us" versetzt euch in eine fiktive Version des Jahres 1993, genauer gesagt in das vom Bürgerkrieg geplagte Land Hadea, das so einige auffällige Ähnlichkeiten zu den Kriegen in Ex-Jugoslawien aufweist. Denn auch dort geht es vor allem um einen ethnischen Konflikt, bei dem sich alle Seiten aufs Erbittertste bekämpfen und sogar vor einem organisierten Genozid nicht zurückschrecken. Ihr spielt Remi, einen in Hadea geborenen Mann, dessen Eltern ihn als Kind ausser Landes schafften und der nun als Blauhelm-Soldat in seine Heimat zurückkehrt. Sein Ziel ist es, seine Eltern zu finden. Doch in Hadea trifft er nicht nur auf Spuren von Massenmorden an Zivilisten. In die Welt sind auch rätselhafte übernatürliche Kreaturen eingefallen, die nur mit der Macht uralter Waffen besiegt werden können.

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Die Story von "Hell is Us" ist dabei durchaus spannend aufgebaut und setzt wenigstens zunächst auf eine Erzählweise, bei der ihr das Abenteuer sozusagen in Form spielbarer Rückblenden erlebt. In der Gegenwart sitzt Remi bei einen finsteren Kerl mit massivem Kropf in einem Verhörraum, der ihm ein Wahrheitsserum einflösst und sich genau berichten lässt, was sich zugetragen hat. Das klingt sehr vielversprechend. Erhofft euch von der Geschichte aber nicht zu viel. Schlecht ist sie gewiss nicht, aber im Kern nur begrenzt mitreissend. Die wahre atmosphärische Stärke liegt hier vielmehr in der Art, wie die Entwickler ein grausames Bürgerkrieg-Setting skizzieren, ohne dass es dabei zum Spielspass-Killer wird.

Ihr und die Welt

Zwei wesentliche Besonderheiten zeichnen "Hell is Us" aus. Zum einen ist es die Kombination von Third-Person-Action mit zahlreichen klassischen Adventure-Elementen, bei denen auch Erkundung und Rätsel eine wichtige Rolle spielen. Das andere ist der weitgehende Verzicht auf die meisten gängigen Spielhilfen, die in vielen anderen aktuellen Games fast schon im Überfluss genutzt werden. Hier bekommt ihr etwa keine Rätsellösungen vorgekaut, selbst wenn ihr mal länger nicht weiterkommt. Es gibt zudem keine klassische Kartenfunktion, weshalb ihr mehr selbst leisten müsst, um euch in der oft stark verschachtelten, teils labyrinthartig aufgebauten Welt orientieren zu können.

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Die Spielwelt selbst besteht hier nicht aus einem Stück, sondern aus einer Reihe von kleinen bis mittelgrossen Einsatzgebieten, zwischen denen ihr mit einem früh im Spiel gefundenen Radpanzer hin und her reist. Neue Schauplätze wie eine von einer der militärischen Fraktionen halb niedergebrannte Stadt schaltet ihr frei, indem ihr im Rahmen der Quests Informationen darüber erhalten habt. Obwohl es sich aber nicht um eine echte Open World handelt, öffnet sich die Spielstruktur dennoch zunehmend. Kommt anfangs ein Schauplatz nach dem anderen hinzu, sind es im zweiten der drei Akte etwa gleich mehrere neue Orte auf einmal - wobei ihr frei entscheiden könnt, wo ihr weitermachen möchtet.

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Die einzelnen Schauplätze sind dabei miteinander verwoben. Ihr müsst später also auch immer wieder mal zu einem bereits bekannten Schauplatz zurückkehren, da ihr erst später manche Teile betreten respektive weiter erforschen könnt. Zum Backtracking genötigt werdet ihr im Pflichtteil allerdings selten. Meist ist eine Rückkehr in bereits bekannte Levels dann notwendig, wenn ihr euch um optionale Ziele kümmert.

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