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IFA 2018 - Special

Neuheiten von der IFA 2018: 8K, WLAN, Notebooks – ein Messerundgang

Artikel Video Steffen Haubner

Manchmal muss man einfach Zahlen sprechen lassen: 1.814 Aussteller, eine Gesamtfläche von 161.200 Quadratmetern und voraussichtlich weit über eine Viertelmillion Besucher. Die 1924 (!) als „Grosse Deutsche Funkausstellung“ gestartete IFA hat der CeBIT, einst internationale Leitmesse für nahezu alles, was sich mit Strom betreiben lässt, inzwischen den Rang abgelaufen.

Die Berliner haben konsequent umgesetzt, was die Hannoveraner viel zu spät begriffen haben: Man darf keine Entwicklung ausgrenzen, schon gar nicht die Unterhaltungselektronik. Denn die ist und bleibt der grosse Publikumsmagnet, vor den Ständen bleiben nicht nur Nerds, sondern auch Businessleute aus aller Welt mit grossen Augen stehen. Für das Publikum und ganz besonders für den Journalisten, der ein möglichst repräsentatives Bild der Neuheiten zeichnen möchte, ist das ein Problem: Es ist einfach viel zu viel, um allem und jedem gerecht zu werden. Während der Besucher einfach so weit läuft, wie ihn die Füsse tragen, kommt der Berichterstatter irgendwann zu der Erkenntnis, dass ihm gar nichts anderes übrig bleibt, als mehr oder weniger subjektive Auswahl zu treffen.

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Fängt man in diesem Sinne mit den grössten Eyecatchern an, landet man zwangsläufig bei den TVs. Die Hersteller haben es im Moment nicht ganz leicht. Denn haben sie den Anwendern in den vergangenen Jahren zuerst Full-HD und dann 4K als „ultimative“ Auflösung schmackhaft gemacht, müssen sie nun erklären, warum alles unterhalb von 8K Schnee von gestern sein soll. Während alle anderen noch zögern, prescht Samsung voran. Hintergrund ist wohl, dass LG mit seinen OLED-Displays zuletzt einige Marktanteile gegenüber Samsungs QLED-Technik eroberte. 8K, für alle, die das noch nicht wissen, bedeutet eine erneute Vervierfachung der Bildpunkte im Vergleich zu 4K, also 7.680 x 4.320 Pixel. Das beste Argument dafür: Da auch die Diagonalen immer grösser werden – im Premiumbereich müssen es aktuell mindestens 65 Zoll sein, immer öfter werden laut dem Samsung-Mitarbeiter am Messestand im CityCube Berlin 75 Zoll und mehr geordert. Da muss die Auflösung mitziehen, da sonst das Seherlebnis merklich leidet. Weiteres Argument für 8K und insbesondere für Gamer von Belang: die grössere Tiefenwirkung. Laut Hersteller entsteht dieser Effekt dadurch, dass „mehr erkennbare Details dem Gehirn zusätzliche Hinweise für Dreidimensionalität geben, zum Beispiel feinere Helligkeitsabstufungen oder Schattierungen.“ Zudem wirkt bei 8K die Bildschärfe höher, auch wenn man dicht am TV sitzt. Damit finden auch in nicht kinosaalgrossen Wohnzimmern mehr Zuschauer im Heimkino Platz.

Und die Inhalte? Weil man aus den Erfahrungen der letzten Jahre weiss, dass die nicht über Nacht bereitstehend werden, wird am Samsung-Stand eine neue Skalierungstechnik vorgeführt, die SD-, HD- und 4K-Signale in Bilder in die höchste derzeit mögliche Auflösung hochrechnet. Das erledigt der eigens entwickelte Quantum-8K-Prozessor und zwar – ohne dieses Stichwort geht derzeit ebenfalls fast nichts – mit Hilfe künstlicher Intelligenz. Dank derer bügelt der AI-Chip (AI steht für „Artificial Intelligence“) nicht einfach beliebige Filter über das vorhandene Bild und vervielfacht die Pixel, sondern passt Schärfe, Bildrauschen, Konturen und Farbschattierungen gezielt an. Grundlage ist eine Datenbank, aus der mittels einer Analyse der Bildmuster der jeweils der zum einzelnen Bild passenden Filter aufgerufen wird. Die Ergebnisse sind in der Tat beeindruckend. Man scheut sich fast, länger hinzuschauen, weil man fürchtet, dass hier mal wieder Bedürfnisse geweckt werden, die man vorher gar nicht hatte. Die QLED-Modelle der Q900-Serie werden ab Mitte Oktober in 65 (163 cm), 75 (189 cm) und 85 Zoll (216 cm) für rund 5.000, 7.000 und 15.000 erhältlich sein.

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Auch bei LG bastelt man bereits an 8K, verbunden mit dem hauseigenen OLED, das auf organischen Halbleitern aufbaut. Das ist einerseits günstiger in der Herstellung, geht aber Kritikern zufolge auf Kosten der Haltbarkeit und Lichtausbeute. QLED oder OLED – das ist ein Thema, über das sich Experten stundenlang die Köpfe heissreden können. Um den Konkurrenten nicht ungehindert vorbeiziehen zu lassen, wuchtet man kurzerhand einen 88-Zöller ins Portfolio. Für alle, die nun schon mit dem Massband Richtung Wohnzimmer laufen: Das sind satte 2.23 Meter Bilddiagonale. Zu kaufen gibt es das Monster aber noch nicht, Spezifikationen und Preis stehen ebenfalls noch nicht fest.

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„Kino“ ist in diesem Jahr das grosse Stichwort von Panasonic auf der IFA. Unter einem grossen Hollywood-Schriftzug werden die beiden OLED-TV-Serien FZW954 und FZW804 präsentiert. Laut Dirk Schulze, Head of Product Marketing TV und Home-AV bei Panasonic Deutschland ist es das Ziel der 4K-Flachmänner, „die Bildideen der grossen Regisseure möglichst originalgetreu in Farbe und Ton wiederzugeben.“ Nach einem Firmware-Update sollen zudem alle 2018er TV-Modelle ab der FXW654-Serie HDR10+-Inhalte wiedergeben können, sämtliche Modelle ab der FXW724-Serie sind ebenfalls HDR10+-zertifiziert. Bei HDR handelt es sich um eine Erweiterung der Farbtiefe von 8 (SDR) auf 10 Bit bei erhöhtem Kontrast. Bei der Weiterentwicklung HDR+ werden dynamische Metadaten zugrunde gelegt. Weniger kryptisch formuliert: Die Filmproduzenten legen den idealen Bildeindruck nicht einmal für den gesamten Film fest, sondern von Szene für Szene, wenn nötig sogar für jedes Bild einzeln. Was bei Samsung und Panasonic HDR+ heisst, wird bei den anderen Herstellern übrigens als „Dolby Vision“ verkauft – mit für den Konsumenten kaum nachvollziehbaren technischen Unterschieden. Neben der daraus resultierenden Verwirrung auf Seiten des Publikums gibt es ein weiteres Problem, das ebenfalls für beide Lager gilt: Die passenden Inhalte müssen von den Inhalteanbietern auch bereitgestellt werden, was bislang eher zögerlich geschieht.

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