Indika - Test / Review

Mit dem Teufel auf der Schulter

Test Video Fabrice Henz getestet auf Xbox Series X/S

Dämonen und der Teufel gehören in Games zum Standardinventar. Glaube und Religion sind jedoch Themen, die eher selten im Mittelpunkt stehen, besonders in einer ernsthaften Perspektive. "Indika" vom russischen Studio Odd Meter geht in genau diese Richtung, was es besonders gut macht. Auf dem PC seit ein paar Wochen erhältlich, haben wir uns jetzt die frische Konsolenversion auf der Xbox angeschaut und ein einzigartiges Erlebnis gefunden.

Eine Nonne verlässt ein Kloster

Die titelgebende Indika ist eine orthodoxe Nonne in einem alternativen Russland im 19. Jahrhundert. Seit sie 15 Jahre alt ist, lebt sie in einem Kloster, in dem sie nicht gerade beliebt ist. Sie fühlt sich dort auch nicht unbedingt als Teil der Gemeinschaft, obschon sie das gern würde. Fast täglich kämpft sie mit ihrem Glauben und der Autorität ihrer älteren Ordensschwestern. Nach einem weiteren Zwischenfall wird sie fortgeschickt in die nächste Stadt, um dort einen Brief abzuschicken. Dabei trifft sie auf eine ganze Galerie exzentrischer Charaktere wie den geflohenen Häftling Ilya. Ausserdem ist der Teufel höchstpersönlich immer dabei: als Stimme in Indikas Kopf. Ist der Beelzebub real, nur eine Einbildung oder die Manifestation von einem tiefer sitzenden Problem?

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Ohne direkt die komplette Story zu spoilern, ist es gar nicht so einfach, zusammenzufassen, worum es in "Indika" genau geht. Sie dreht sich um den Glauben, Gott und den eigenen Platz in einer Welt, die sich nicht um einen kümmert. Ilya, ein eigentlich nicht gläubiger Mann, ist auf dem Pfad des Herrn, weil er mit ihm in einem alten Wasserbecher gesprochen hat. Indika, eine Nonne mit dem Teufel an der Seite, ist sehr kritisch gegenüber ihrem bisherigen Leben auf der Suche nach einem Sinn des Daseins. Das Spiel behandelt all diese Themen erwachsen und ernsthaft. Es geht nicht darum, Religion und Glaube schlecht oder sich darüber lustig zu machen. Als jemand, der in seinem Leben nie viel damit zu tun hatte, bot "Indika" interessante Perspektiven, die dem Autor dieser Zeilen selbst nach dem Abspann noch zum Nachdenken bringen. An dieser Stelle könnte er noch lange darüber reden, was dieses Spiel nun ist oder nicht ist, aber schlussendlich sind die Geschichte und ihre Themen eindeutig das Beste und sollten erlebt, nicht nachgelesen werden. Wer überhaupt nichts mit der Sünde, Gott und allem bisher Erwähnten anfangen kann, wird sicher auch nicht viel mit dem Game als solches anfangen können. Wer sich allerdings darauf einlassen kann, wird eine spannende und einzigartige Erfahrung machen.

Ein Gefangener, ein Priester und der Teufel gehen in eine Bar

Trotz der schweren und ernsten Thematik wird jedoch auch viel Humor geboten. "Indika" ist ein extrem witziges und humorvolles Spiel, auch wenn dieser Aspekt ebenfalls sehr dunkel ist. Einerseits gibt es viele lustige Dialoge, besonders in den beiden Gegensätzen, die Indika und Ilya darstellen. Ihre gegensätzlichen Philosophien, Lebensweisen und Erfahrungen sorgen immer wieder für Lacher. Der Humor liegt aber oft auch in der kompletten Absurdität. Es ist surreal und gepaart mit dem fiktiven Russland, das in eine andere Richtung gegangen ist als in unserer Welt. Es gibt viel zu sehen, über das man nichts anderes machen kann als zu lachen.

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Gemischt ist dies ausserdem mit leichten Tönen eines psychologischen Horrors. Es gibt keine Jumpscares, keine unnötige Gewalt oder übertriebene Darstellung von Blut. Es kann einen aber in bestimmten Momenten auf jeden Fall ein wenig nervös machen. Dies liegt auch an der exzellenten Kamera-Arbeit, die oft filmische Qualitäten aufweist und einen tief in diese Welt eintauchen lässt.

Das Gameplay hat auf der anderen Seite hauptsächlich den Zweck, einen durch die Geschichte zu bringen. Es gliedert sich zwar gelegentlich in die Geschichte ein (das beste Beispiel gibt es eigentlich gleich im ersten Kapitel im Kloster), ist oft jedoch nur Beiwerk, um einen vorwärts zu bringen. In der Regel bewegt man sich einfach durch die Welt, bis man auf ein kleines Rätsel trifft, das einem den Weg versperrt. Diese Rätsel sind nicht wirklich kompliziert oder anspruchsvoll, weshalb sie oft nur wenig Zeit beanspruchen. Manchmal wird Indika in eine in Rot getauchte dämonische Realität gezogen, die genutzt werden muss, um zum Ausgang zu gelangen. Per Tastendruck lässt man sie beten, wodurch die Welt wieder zur Normalität zurückkehrt. Geschickt muss man zwischen den beiden Realitäten wechseln, um Hindernisse zu überwinden - Aktionen, welche die Geschichte auf eine coole Weise widerspiegeln.

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Wer sich auf die Suche nach Sammelobjekten oder Orten für ein Gebet macht, wird dafür mit Glaubenspunkten belohnt. Je mehr man davon sammelt, desto höher steigt man in seiner Glaubensstufe auf und schaltet neue Fähigkeiten frei. Diese haben überhaupt keinen Einfluss auf das Spiel, und selbst die Tipps im Ladebildschirm sagen einem, dass diese Punkte sinnlos sind. Aber warum sind sie denn überhaupt da? Kann der Glaube überhaupt in Punkten und Levels gemessen werden? Dieser Aspekt bringt das Thema von "Indika" wiederum exzellent in ein Videospiel, und vielleicht haben die Punkte schlussendlich doch einen bestimmten Zweck - da überlassen wir es aber jedem, es selbst herauszufinden.

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