Masters of the Universe - Kino-Review

Leinwandspektakel voller Action, grosser Gefühle und viel Humor

Artikel Video Steffen Haubner

An den Plastikspielzeugen aus den 1980ern haben sich schon viele versucht. Die Animationsserien liefen meist gut, Realverfilmungen taten sich eher schwer. Können Animationsspezialist Travis Knight und Newcomer Nicholas Galitzine mit ihrem Werk, das diese Woche in die Kinos kommt, neue Impulse setzen?

Alle Fans von Jared Leto müssen jetzt sehr stark sein. In "Masters of the Universe" liefert er seine bislang gesichtsloseste Rolle ab. Sorry für den Kalauer, wir konnten nicht widerstehen. Es dürfte sich ja inzwischen herumgesprochen haben, dass er in der cineastischen Neuinterpretation des 1980er-Jahre-Kultspielzeugs den Part von Skeletor übernommen hat. Oder wie es "One Piece"-Knochenmann Brook formulieren würde: "Da kann man nur die Stirn runzeln. Ach so, ich hab ja gar keine!" Die Grundstimmung von "Masters of the Universe" ist damit jedenfalls ganz gut beschrieben: Man schreckt vor Albernheiten nicht zurück, auch wenn es sich glücklicherweise keineswegs um eine Komödie handelt, die Regisseur Travis Knight ("Kubo: Der tapfere Samurai", "Bumblebee") da inszeniert hat. Dass der Titel im Unterschied zu den Netflix-Animationsserien "Revelation" (2021) und "Revolution" (2024) keinen Zusatz trägt, darf man als selbstbewusstes Statement verstehen: Hier versucht jemand, dem Franchise neues Leben einzuhauchen.

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Adam - noch in Zivil - tritt seinen neuen Posten als Thronfolger des Fantasy-Königreichs an. (Foto: Sony Pictures)

Sicher kein leichter Job, denn nach der ersten Realverfilmung von 1987 (mit Dolph Lundgren, der in der Neufassung einen wunderbaren Cameo-Auftritt hat) laborierten unterschiedliche Produzenten, Regisseure und Drehbuchschreiber viele Jahre an dem Stoff herum. Stattdessen gab es immer wieder mal mehr, mal weniger erfolgreiche Animationsserien. Und mal ehrlich: Kann man im Jahr 2026 tatsächlich noch einen muskelbepackten Jungspund, einen "strapping young lad", wie man auf Englisch sagen würde, in eine Art Lendenschurz mit Eisen-BH stecken - ein Outfit also, mit dem sich mittlerweile sogar die legendäre Metal-Kombo Manowar lächerlich machen würde - und ihn dann auch noch "He-Man" nennen? Man kann, nämlich indem man das Plastikmännchen-Epos nicht allzu ernst nimmt, ohne es deshalb ins Lächerlich zu ziehen. Diesen Drahtseilakt, so viel darf man vorwegnehmen, hat Travis Knight mit Bravour gemeistert.

Das magische Schwert als Date-Killer

Das liegt auch an seinem Hauptdarsteller Nicholas Galitzine, den der eine oder andere vielleicht aus der auf Amazon Prime ausgespielten Tragikkomödie "Als du mich sahst" (2024) kennt. Für "Masters of the Universe" ist er ein echter Glücksgriff, denn er gibt sehr überzeugend den leicht verpeilten Tölpel Adam Glenn, der sich mehr schlecht als recht durch das zeitgenössische Arbeitsleben schlägt. Im Alter von zehn Jahren wurde der Prinz von seinem unter Beschuss stehenden Heimatplaneten Eternia von seiner Mutter (Charlotte Riley) auf die Erde verfrachtet und arbeitet seither in einem Grossraumbüro. Das Motiv des Normalos, der mit seiner Superheldenrolle hadert, kennt man von Spider-Man Peter Parker, nur dass sich Adam von Anfang an seiner fantastischen Herkunft bewusst ist. Leider kommt es weder bei Dates noch beim Arbeitgeber allzu gut an, wenn man behauptet, aus einem Reich voller Monster, Drachen und Raumschiffe zu stammen, und alle mit der Suche nach einem "magischen Schwert" nervt, das einen wieder "nach Hause" bringen soll.

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Duncan (Idris Elba) kämpft nicht nur gegen Monster, sondern vor allem gegen sich selbst. (Foto: Sony Pictures)

Wir wollen hier wirklich nicht zu viel vorwegnehmen, aber es dürfte klar sein, dass der Heimatplanet Eternia nicht dauerhaft auf den Recken verzichten kann. Doch auch zurück in der Heimat will der Gute so gar nicht zu dem passen, das sich seine Mitstreiter von ihm erhofft hatten. Mit dieser Fallhöhe schafft der Film die Möglichkeit, sich mit der Hauptfigur zu identifizieren und eine schöne Botschaft zu vermitteln: Zieh dein Ding durch, dann kommt irgendwann zwangsläufig der Moment, wo sich eins ins andere fügt! Es ist eine weitere grosse Stärke von "Masters of the Universe", dass er solch unkomplizierte Lebensweisheiten transportiert, ohne in Plattitüden abzudriften. Auch der latente Männlichkeitswahn, der in Figuren wie He-Man und "Man-At-Arms" Duncan (Idris Elba) nun mal angelegt ist, wird durch starke Frauenfiguren wie Teela (Camila Mendes), The Sorceress (Morena Baccarin) und Evil-Lyn (zum Verlieben fies: Alison Brie) gekontert. So ist Skeletor ein Paradebeispiel fragiler und deshalb toxischer Männlichkeit, hinter dem Evil-Lyn regelmässig die Augen verdrehen darf. Duncan dagegen wird - aus guten Gründen - von seiner Tochter Teela nicht mehr für voll genommen und muss sich den Respekt der anderen erst wieder verdienen.

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