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Sonic The Hedgehog - Kino-Special

Furzender Igel in der Generationenfalle

Artikel Video Steffen Haubner

Mal ganz ehrlich: Der erste Sonic sah ein bisschen wie der Hase Frank in "Donnie Darko" aus, oder? Vor der von der erzürnten Fangemeinde erzwungenen Umgestaltung des Igel-Designs rätselte manch ein Beobachter: "Warum um alles in der Welt lässt man eine knuffige Kultfigur wie einen pubertierenden Halbwüchsigen in einem blauen Plüschschlafanzug aussehen?" Hat man den nun unwiderruflich finalen Film gesehen, ahnt man, warum die Macher auf diese schräge, inzwischen vom Shitstorm verwehte Idee verfallen sind. Doch bevor wir dieses Rätsel anhand der Schlüsselszene des ganzen Films lösen, müssen einige Worte über die Handlung verloren werden.

Sonic musste seinen Heimatplaneten verlassen und lebt nun irgendwo in der US-amerikanischen Provinz, verborgen vor den Augen der Menschen, die mit einem Wesen wie ihm vermutlich nicht klarkommen würden. Der Film macht sich nicht die Mühe zu erklären, warum das so ist. Dabei ist die Frage eigentlich naheliegend, wenn man bedenkt, dass in derselben Welt ein irrer Ingenieur namens Dr. Robotnik (Jim Carrey) in einem Raumschiff und umgeben von einem Schwarm Killerdrohnen durch die Gegend fliegt und auf alles schiesst, was sich bewegt, ohne grössere Panik in der Bevölkerung auszulösen oder die Armee auf den Plan zu rufen.

Donutversteher vs. Steuergeldverschwender

Es wird aber auch so einiges andere nicht erklärt. Zum Beispiel, warum die Regierung, in deren Auftrag der Mann mit dem eigenwilligen Schnauzer offenbar unterwegs ist, ihn einfach so gewähren lässt. In einer Szene erklärt Dr. Robotnik selbst, dass irgendjemand schliesslich die ganzen Steuergelder verschleudern müsse. Die Macher sind also offenbar davon ausgegangen, dass das Publikum schon mit der Erklärung zufrieden sein würde, dass "die da oben" sowieso nur nicht nachvollziehbaren Mist verzapfen, solange es nur teuer genug ist. Offenbar sollen mit derlei "gesellschaftskritischen" Seitenhieben erwachsene Zuschauer ins Boot geholt werden, die sich, warum auch immer, in den Film verirrt haben. Nun ja.

Der einzige Humankontakt ist der Dorfcop Tom (James Marsden), den die beim Vorabscreening ausgehändigte Presseinfo als "zynischer Polizist, der aber das Herz am rechten Fleck hat" charakterisiert. Nun ist der Mann alles Mögliche, aber sicher nicht zynisch. Vielmehr ist er ein Abziehbild des netten Jungen von nebenan, dessen herausragendste Eigenschaft es ist, dass er gern mit Donuts spricht, bevor er sie verspeist. Nein, kein Scherz. Er ist verheiratet mit einer Tierärztin (wie praktisch, denn so kann sie später den ramponierten Igel behandeln!), die als Figur insgesamt so nichtssagend bleibt, dass sie in der Presseinfo konsequenterweise nicht einmal erwähnt wird.

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Wer jetzt mutmasst, dass Donutversteher Tom und seine Wiehiessdienochmal den unter seiner Einsamkeit leidenden Sonic irgendwann eben doch zu Gesicht bekommen und ihm schliesslich in seinem Kampf gegen Dr. Robotnik helfen müssen, liegt genau richtig. Wie es dazu kommt, sei hier nicht verraten, um euch nicht auch noch den letzten Rest nicht vorhandener Spannung zu verderben. Mit Jim Carrey, der erwartungsgemäss, aber sichtlich lustlos seine typischen Faxen macht, hat "Sonic The Hedgehog" immerhin ein Ass im Ärmel, das die Drehbuchautoren Pat Casey und Josh Miller leider leichtfertig verspielen.

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Das liegt unter anderem daran, dass weitgehend schleierhaft bleibt, was Dr. Robotnik denn eigentlich genau gegen Sonic hat, frei nach dem Motto: "Das hat in den Games doch auch niemanden wirklich interessiert, oder?" Zumindest hier, so könnte man etwas gemein anmerken, hat mal jemand einen Bezug zu den Spielen hergestellt, für die sich der Film ansonsten so gar nicht interessiert. Dass Sonics Ringe zu Dimensionstoren werden und er vorübergehend die Zeit anhalten kann, bringt immerhin gelegentlich etwas Schwung in die Angelegenheit.

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