Animal Crossing: Warum ich immer noch einschalte - Kolumne

Ein Spiel nicht nur für den Lockdown

Kolumne Hans Diemer

"Animal Crossing: New Horizons" erschien 2020 unverhofft genau zum richtigen Zeitpunkt. Während alle Welt im Lockdown zu Hause sass, bot die niedliche Lebenssimulation einen wohligen Eskapismus - nämlich das eigene Inselidyll fernab jeglicher Probleme. Die zusätzliche Zeit in den eigenen vier Wänden gepaart mit dem Wunsch nach Traumurlaub und Normalität dürfte einen grossen Anteil daran gehabt haben, dass sich das Switch-Spiel satte 38 Millionen Mal verkaufte.

Screenshot

Doch auch die Langzeitmotivation brachte Spieler immer wieder zurück auf ihre Inseln. Immerhin bietet jede Jahreszeit ihre eigenen Besonderheiten und Feste. Wer nicht an der Systemzeit der Switch-Konsole herumdrehen wollte, musste "Animal Crossing" also mindestens ein Jahr lang spielen, um alles gesehen zu haben.

Hinzu kamen zahlreiche inhaltliche Updates verteilt über mehrere Monate, die genügend Motivation boten, immer wieder einzuschalten. Das wohl grösste Update auf die Version 2.0 mitsamt dem DLC "Happy Home Paradise" anderthalb Jahre nach dem Release war gleichzeitig die letzte Inhalts-Aktualisierung.

Kurzum: Auf der eigenen, vor Harmonie strotzenden Insel gab es immer eine Menge Neues zu entdecken, während die echte Welt ausser Unsicherheiten scheinbar kaum etwas zu bieten hatte.

Fühlt sich wie zu Hause an

Mehr als zwei Jahre später ist der Hype abgeflaut. Nur noch ein Teil der ursprünglichen Spielerschaft dürfte regelmässig auf die Insel zurückkehren. Mittlerweile wurden alle Feste mindestens einmal gefeiert, das eigene Paradies ist oft bis ins Detail dekoriert, und die echte Welt kehrt langsam zur Normalität zurück. Dennoch schalte ich "Animal Crossing: New Horizons" auch heute noch gelegentlich ein.

Screenshot

Der für mich wichtigste Grund dafür ist das Gefühl des Nachhausekommens. Über 120 Stunden habe ich bereits auf meiner kleinen Insel verbracht, sodass sie sich mit all ihren putzigen Bewohnern sehr heimelig anfühlt.

Diese Empfindung ist für mich momentan besonders wichtig, da ich seit knapp einem Jahr als digitaler Nomade durch Asien reise. Wird mir der Kulturschock oder die fehlende Routine zu viel, ziehe ich mich in mein privates Idyll auf der Switch zurück. Dabei geniesse ich sowohl den Alltag als auch die verschiedenen Festivitäten in der niedlichen Welt.

Screenshot

So hat mich beispielsweise die Festtagssaison im Spiel in Weihnachtsstimmung versetzt, während ich in Nepal lebte, wo das christliche Fest kaum gefeiert wird. Ebenso habe ich mich über meine persönliche Geburtstagsparty mit meinen liebsten Inselbewohnern gefreut, während mich die Glückwünsche meiner echten Freunde durch die Zeitverschiebung erst viel später am Tag erreichten.

Auch abseits von besonderen Events bietet "Animal Crossing" eine Feel-good-Auszeit. Es wird einfach nicht langweilig, durch die ganz persönliche Insel zu streifen und die hart erarbeitete Gestaltung zu bewundern. Zudem sind die meisten Charaktere so süss, freundlich und vertraut, dass ich sie beim Vorbeilaufen immer wieder gern begrüsse. Zwar beschwere ich mich bei Melinda manchmal über einen Nachbarn, den ich eigentlich gern loswerden würde. Aber wer hat nicht dieses schwarze Schaf in der Familie, das trotz fehlender Sympathie irgendwie dazugehört?

Screenshot

Zudem sorgt die dezente Musik für gute Laune - und generell mag ich die Geräuschkulisse im Spiel. Besonders hat es mir an heissen Tagen das Schwimmen angetan, da ich das kühle Nass beim Ton des Eintauchens fast selbst spüren kann. Mein Herz schmilzt ausserdem, wenn mehrere Bewohner ein Lied anstimmen oder die Musikinstrumente bedienen, die ich rund um den Marktplatz verteilt habe. Auch die Gesänge des Käptens gehören zu meinen Highlights.

Screenshot

Es sind diese kleinen, annehmlichen Momente, die mich immer wieder begeistern.

Kommentare

Kolumnen Artikel