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Die GAMES.CH-Kolumne #08-2020: Künstliche Intelligenz in Games

Wie künstliche Intelligenz die Entwicklung von Videospielen verändert

Kolumne Video Michael

Künstliche Intelligenz wird die Weltherrschaft an sich reissen? Nein, das eher nicht. Aber sie hat schon jetzt begonnen, die Art und Weise, wie Videospiele gemacht werden, umzupflügen. Auch die Art und Weise, wie Games funktionieren, werden artifizielle Denkapparate verändern.

Es wird sich wohl einiges verändern. Gerade beginnt mit dem Erscheinen von PlayStation 5, Xbox Series X und Xbox Series S nicht nur ein Generationenwandel, sondern auch ein Technologiewechsel bei den Konsolen. Und selbst eingeschworene PC-Gamer sind überzeugt, dass sich mit Grafikkarten wie der neuen 3000er-Serie von NVIDIA so manches verändern wird. Mehr Grafik, mehr Effekte und grössere und greifbarere Welten werden machbar sein. Aber es wird nicht nur die schiere Kraft von neuer Hardware sein, die Games in den kommenden Jahren prägen wird, sondern auch eine Technologie, die im Hintergrund wirkt. Eine, die die Entwicklung von Games als auch die Art, was in diesen möglich ist, so ziemlich auf den Kopf stellen könnte: künstliche Intelligenz.

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Die ist mittlerweile fast überall in unserem Alltag zu finden. Sie steckt in Form von Siri oder dem Google Assistant auf unseren Smartphones in den Hosentaschen und als Alexa in unseren Wohnzimmern. Auf Facebook arbeiten künstliche Intelligenzen jeden unserer Beiträge durch, um sicherzustellen, dass unsere Posts nicht gegen Regeln verstossen oder Urheberrechte verletzten. Und TikTok baut fast gänzlich auf einem mächtigen KI-System auf, das die Fähigkeit besitzt, die unzähligen Videos zu analysieren, die hochgeladen werden. Es erkennt, was darin passiert, ob es ein "gutes" Video ist und das Zeug zum viralen Erfolg hat. Und künstliche Intelligenzen prägen auch die reale Welt, helfen bei der Planung von Städten, Steuern und Verkehr und sollen irgendwann ganz selbstverständlich Autos über unsere Strassen lenken.

Aber was ist nun mit Games? Klar steckt künstliche Intelligenz in Videospielen. Muss ja, schon fast immer. Wie sonst können uns in Ego-Shootern und Rollenspielen feindliche Soldaten und Dämonen angreifen? Oder in Rennspielen andere Autos überholen und von der Strecke drängen? "Künstliche Intelligenz und Videospiele haben eine lange Geschichte - in der sich ihre Wege immer wieder kreuzten", sagt Yves Jacquier. Er arbeitet im kanadischen Montreal bei Ubisoft La Forge - Tür an Tür mit dem Team, das gerade "Assassin's Creed Valhalla" entwickelt hat. Aber seine Aufgabe ist es, Innovationen zu finden und zu testen, wie sich Konzepte von Forschern an Universitäten bei der Entwicklung von Games nutzen lassen. Insbesondere was künstliche Intelligenz angeht.

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"Videospiele sind überwiegend ein interaktives Medium, das allein schon eine Art künstlicher Intelligenz braucht, um auf die Aktionen des Spielers reagieren zu können", sagt Yves Jacquier. Das waren und sind auch heute noch oftmals, wie Jacquier sie bezeichnet, "traditionelle künstliche Intelligenzen". Im Grunde sind das Programme, die einfachen Regeln folgen, die die Entwickler definiert haben: Wenn dies passiert, tue das! Es ist diese Art von Regelprogrammen, die dafür sorgt, dass uns in "Iron Harvest" ein Trupp von Sachsen clever einkesselt oder ein Mongole in "Ghost of Tsushima" störrisch gegen eine Wand rennt, während wir seine Kameraden niedermetzeln. Eben je nachdem, wie clever, ausgefuchst und komplex das Programm ausdefiniert wurde.

Was viele jedoch heute unter dem Begriff künstliche Intelligenz verstehen, ist zunehmend etwas anderes.

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