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Die GAMES.CH Kolumne #02-2019: Games-Streaming

Warum Games-Streaming eine Katastrophe für die Spielehistorie ist

Kolumne Video Michael

Mit Diensten wie PlayStation Now, Geforce Now und alsbald auch Google Stadia wandern Videospiele von unseren Computern und Konsolen in die Cloud. Das soll das Spielen komfortabler und das stete Auf- und Nachrüsten unserer Gaming-Hardware überflüssig machen. Allerdings nehmen uns diese Dienste auch die Kontrolle über die Software – und damit die Möglichkeit, sie für die Nachwelt zu erhalten.

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Erinnert ihr euch noch an OnLive? Das war ein Start-up, das 2003 in Mountain View, Kalifornien – also ganz in der Nähe von Google – gegründet worden sein. Für einige Jahre arbeitete dessen Team ziemlich unter dem Radar, um zur Game Developers Conference 2009 dann zu enthüllen, woran es die ganze Zeit gewerkelt hat. Nämlich an einem Games-Streaming-Serivce. Ein Dienst also bei dem Videospiele nicht auf dem heimischen Rechner oder der Konsole, sondern auf Computern in einem Rechenzentrum laufen. Die senden die Spielszenen als Videostream an den Spieler. Der Spieler sendet von zu Hause seine Steuerkommandos zurück. Allerdings: Damit war OnLive seiner Zeit wohl voraus – und zwar einige Jahre. Die Qualität der Bilder war nicht gerade so toll, die Verzögerung zwischen Tastendruck und Reaktion auf dem Schirm zu gross. Insgesamt hat das alles eher so mittelprächtig funktioniert. Daher gab OnLive 2015 auf – und verkaufte seine Patente und Technologien an Sony.

Mittlerweile sind wir aber weiter. Mit PlayStation Now, GeForce Now und Shadow gibt es derzeit so einige Cloud-Gaming-Dienste, die ziemlich okay funktionieren. Und Google verspricht jetzt mit seinem neuen Dienst Stadia, der vor kurzem auf der diesjährigen Game Developers Conference gross enthüllt wurde, das Konzept des Games-Streaming konsequent weiterzuentwickeln – so, dass kein Unterschied mehr zwischen dem Spielen zu Hause und Gaming in der Cloud spürbar wäre. Heisst 4k-Auflösung, 60 Bilder pro Sekunde und kein fühlbare Eingabe-Reaktion-Verzögerung. Der Vorteil und Reiz der Idee ist ganz klar: High-End-Games würden dadurch selbst auf schwachen Rechnern laufen. Und da letztlich nur WLAN, eine mittelprächtige Grafikkarte, ein Browser oder eine App benötigt werden, wäre auch das Zocken des neuesten „Assassin's Creed“ oder „Doom“ auf dem Smart-TV, dem Smartphone und Tablet kein Ding. Aufrüsten und eine neue Konsole kaufen? Irgendwann nicht mehr nötig.

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