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Die GAMES.CH Kolumne #06-2018

Was uns die Avatare in Ready Player One verraten

Kolumne Video Michael

Nun ist „Ready Player One“ in den Kinos angelaufen. Darin sehen wir unzählige bekannte Helden und Videospielfiguren. Die sind mehr als nur Schmuckwerk. Sie spiegeln die Realität unserer digitalen Welten und die Charaktere ihrer Spieler wider.

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Ich hatte an dieser Stelle schon einmal über „Ready Player One“ geschrieben. Nämlich als der erste Trailer zur Steven-Spielberg-Adaption von Ernest Clines Debut-Roman im Internet aufgeschlagen war. Nun ist der Film angelaufen. Und? Ich finde ihn sehr gelungen. Er ist in vielen Aspekten anders als die Vorlage – sowohl in positiver wie negativer Sicht. Die Story weicht in grossen Bögen ab, die Herausforderungen, denen sich Wade 'Parzival' Watts und seine Mitstreiter Art3mis und Aech stellen müssen, sind andere. Viele Details, wie die körperliche Wandlung, die Wade vollzieht, fehlen. Aber gleichsam wirken die Charaktere im Film menschlicher, nahbarer und charismatischer als im Buch. Zudem finden sich im Kinospektakel – und das ist es nun wirklich – nebst den 80er-Jahre- auch viele zeitgenössische Popkultur- und Games-Referenzen. Einige treffen einen wie eine Bratpfanne mitten ins Gesicht. Andere sind hingegen sehr subtil in den Hintergrund eingewoben. All das ist im Spielberg-Film viel stärker als noch im Roman nicht nur ein „Schaut her, wen wir alles haben“- und „Kennste?“-Gewitter. Es bildet einen realen Teil unserer modernen Games- und Online-Welten ab.

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Die Liste der Heldenfiguren, der Fahrzeuge und Waffen, die wir bei „Ready Player One“ auf der Leinwand sehen, ist wahrlich irre: Der Master Chief, Lara Croft, Tracer, Duke Nukem, Chucky die Mörderpuppe, Jason Voorhees, Ryu, Chun-Li, Hulk, Goro, das 1960er Batmobil, das rote Motorrad aus „Akira“, der Interceptor aus „Mad Max“, der Mach 10 aus „Speed Racer“, der „A-Team“-Van, das MA5D-Sturmgewehr aus „Halo“ und sogar ein Lancer aus „Gears of War“. All diese tauchen nicht einfach so auf, sondern werden in der Vision von „Ready Player One“ von Wade, Art3mis und all den anderen Spielern – der Bevölkerung der Online-VR-Welt „OASIS“ – aktiv genutzt. Man könnte nun darüber streiten, wie das in der fiktiven Realität rechtlich und Lizenz-technisch gelöst sein mag; ob der „OASIS“-Schöpfer Halliday einfach all diese Marken und Franchises aufgekauft oder sich Disney, Microsoft, DC, Capcom und alle anderen der Macht der „OASIS“ unterworfen haben. Aber darum soll es hier nicht gehen. Viel faszinierender ist's, dass all diese Figuren und Marken offenbar bis ins Jahr 2045 überlebt haben und immer noch Relevanz und Zuneigung geniessen.

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