Fazit: Ein Must-play für Fans packender Storys
Bisher war man sich einig, dass der erste Teil der Serie den anderen (Nachfolger, Prequel und Spin-off) überlegen war. "Life is Strange: True Colors" rüttelt jetzt aber heftig an diesem Thron. Welcher Titel für euch der bessere ist, hängt vor allem davon ab, was für euren persönlichen Geschmack mehr ins Gewicht fällt: Falls die übernatürliche Begabung und die damit verbundenen Möglichkeiten für euch der Hauptgrund sind, ein "Life is Strange"-Spiel zu zocken, hat der Erstling die Nase vorn, denn Zeitmanipulation (und sogar Zeitreise) ist wirklich eine tolle und exzellent umgesetzte Idee. Stehen für euch hingegen eine packende Story und glaubwürdige, vielschichtige Charaktere sowie entsprechend gut geschriebene Dialoge zuoberst auf der Prioritätenliste, so dürfte "True Colors" eure erste Wahl sein. Nicht dass diese Aspekte im ersten "Life is Strange" schlecht gewesen wären, aber es gab dort doch viel mehr Figuren, die einfach eine klassische Klischee-Rolle erfüllten, und auch den Dialogen merkte man oftmals einfach an, dass sie von Leuten im mittleren Alter für eine Teenager-Rolle geschrieben wurden, was des Öfteren gestelzt oder bemüht cool wirkte. Das ist im neuesten Ableger deutlich besser gelöst, und Haven Springs fühlt sich durch seine Bewohner wie ein richtiger Ort an. Man erfährt (natürlich auch dank Alex' Gabe) viel mehr über die Menschen, die dadurch deutlich vielschichtiger wirken und deren Beweggründe man auch viel besser nachvollziehen kann. Das Spiel schafft es mit diesen Mitteln, einen wirklich zu packen. Dazu kommen dann noch die Entscheidungen, die man zu treffen hat und die zum Teil spürbare Auswirkungen haben. Das in Verbindung mit einigen überraschenden Wendungen und verschiedenen Enden, je nachdem was ihr im Laufe des Spiels getan oder unterlassen sowie gesagt habt, macht "Life is Strange: True Colors" zu einem Spiel und einer Geschichte, die man einfach zu Ende erleben will.

Ihr merkt es vermutlich: Uns hat die Geschichte der 21-jährigen und somit bisher ältesten "Life is Strange"-Protagonistin mitgerissen, und wir sind froh, dass es mit einer separat erhältlichen Bonus-Episode rund um einen anderen Charakter auch schon etwas Nachschub gibt. Der eingeschlagene Kurs ist auf jeden Fall der richtige, und so hoffen wir, dass wir uns schon bald auf weitere hochwertige Titel aus dem "Life is Strange"-Universum freuen dürfen. Wer auf toll erzählte Singleplayer-Games steht und dabei auf Action grösstenteils verzichten kann, darf auf keinen Fall "Life is Strange: True Colors" verpassen - egal ob ihr mit der Reihe bisher schon Erfahrungen gesammelt habt oder nicht. Einzig Switch-Besitzer müssen sich noch ein wenig gedulden, sollen aber dieses Jahr ebenfalls bedient werden.
