Der Sommer kann ja etwas ganz Tolles sein. Sonnenschein, lange Tage und draussen sein sind schön, solange die Temperaturen einen nicht zur Flucht in klimatisierte Gebäude zwingen. Die Tage werden zwar schon wieder merkbar kürzer, doch dank "Lou's Lagoon" von Tiny Roar können wir dieses Sommer-Feeling auch in virtueller Form geniessen. Auf der Xbox Series X (Video: PlayStation 5 Pro) haben wir unser Wasserflugzeug geschnappt, um uns auf die Suche nach unserem verschwundenen Onkel Lou zu machen.
Wo ist Lou nur hin?
Das Limbo-Archipel ist ein schöner Fleck irgendwo in den Weiten des Meeres. Im Zentrum liegt die Lagune von Lou, unserem Onkel, der auf mysteriöse Weise verschwunden ist. Ein gewaltiger Sturm bedroht das Archipel und seine Bewohner, doch irgendetwas an diesem Unwetter ist anders. Lou hat sich aufgemacht, um herauszufinden, wie der Sturm zu stoppen ist, bevor seine Lagune und alle umliegenden Inseln komplett zerstört sind. Doch seit er aufgebrochen ist, hat niemand mehr etwas von ihm gehört. Es liegt nun an uns, seinen Spuren zu folgen, den Bewohnern von Limbo zu helfen und herauszufinden, welche urzeitlichen Mächte für den Sturm verantwortlich sind.

Die Geschichte und die vielen Bewohner des Limbo-Archipels gehören zu den Stärken von "Lou's Lagoon". Es ist jedes Mal wieder eine Freude, eine neue Insel zu besuchen und ihre Bewohner kennenzulernen, seien es die Eulenbären in Rankfurt oder die froschartigen Musikfanatiker auf Schimmerfels. Alle Figuren, egal ob klein oder gross, kommen lebendig und sympathisch daher. Das liegt sicher auch an der tollen deutschen Übersetzung, die auf viele Dialekte und ganz eigene Sprechweisen setzt. Die Hauptgeschichte an sich ist zwar nichts Neues, doch sie wird mit viel Liebe erzählt und treibt das Game auf eine angenehme Art vorwärts. Allzu umfangreich oder lang ist "Lou's Lagoon" zum Durchspielen allerdings nicht, obschon die Spielwelt definitiv viel zu bieten hat, um einen auch abseits der Hauptgeschichte zu unterhalten.
Der Staubsauger der Zukunft
Seinen voll individualisierbaren Charakter steuert man aus einer Third-Person Perspektive, und schon früh erhält man ein Werkzeug, um das sich das ganze Gameplay dreht. Der Swirler ist gleichzeitig ein Staubsauger, der alle möglichen Ressourcen einsaugen kann, eine Angel, ein Gleiter und ein Tool, um Fabrikatoren und Möbel zu bauen. Um all diese Fähigkeiten freizuschalten, muss man aber gleichzeitig in der Story vorankommen und bestimmte Ressourcen sammeln bzw. veredeln. Anfangs stehen einem hauptsächlich Holz, Stein und Metall zur Verfügung, die man durch Treibholz oder in Höhlen finden kann. Durch einen der erwähnten Fabrikatoren wandelt man sie in bessere Versionen um, die man zum Bau oder zur Verbesserung braucht.

Dies ist auch der Teil, mit dem am meisten Zeit verbringt. Man saugt alles ein, was man finden kann, und wandelt es in weitere Gegenstände um. Nur diese verarbeiteten Items lassen einen die besseren Upgrades des Swirlers erreichen oder weitere Maschinen herstellen. Das geht ziemlich locker von der Hand, auch wenn sich die Bauzeiten für einige Ressourcen ein wenig zu lang anfühlen. Die Idee ist wohl, dass man Zeug zur Verarbeitung in die Maschinen gibt und nebenher etwas anderes macht, doch wenn man einfach nur in der Geschichte vorankommen will, muss man wohl oder übel warten. Wer Lust hat, kann sich in den dafür vorgesehenen Bereichen sein eigenes kleines Paradies mit Möbeln und weiteren Komponenten bauen. Wer darauf keine Lust hat, muss das aber nicht machen und kann sich ganz auf die Geschichte und Erkundung konzentrieren.

"Lou's Lagoon" bietet jedoch mehr, als nur Ressourcen zu sammeln und Gegenstände herzustellen. Die Erkundung der verschiedenen Inseln ist nämlich nicht nur da, um sein Inventar zu füllen, denn nebenbei warten auch noch versteckte Truhen. Sie versorgen einen mit Upgrades für das Inventar, neuer Kleidung, Geld oder Sammelkarten, die man bei NPCs eintauschen kann. Mit dem Geld kann man beispielsweise neue Klamotten kaufen, um seinen Charakter anzupassen. Die Saugfunktion des Swirlers wird hingegen für Kämpfe gegen Piraten genutzt, obschon sie nicht allzu spannend gestaltet sind. Einen Gesundheitsbalken hat man nämlich nicht, weshalb diese Kämpfe ziemlich lahm sind. Auch die Erkundung der Spielwelt kann gelegentlich anstrengend sein, weil es schnell passieren kann, dass man irgendwo in der Spielwelt feststeckt. Besonders nach dem Freischalten des Gleiters sind wir regelmässig in Steinen oder zwischen anderen Objekten hängen geblieben. Über das Pausenmenü kann man sich zwar zum Respawn-Punkt jeder Insel zurücksetzten lassen, doch der Spielfluss wird trotzdem gestört.
Ab in die Luft
Um zwischen den Inseln zu reisen, nutzt man ein Wasserflugzeug, das früh im Spiel freigeschaltet wird. Die Steuerung ist simpel, und es macht Spass, durch die Luft zu düsen. Auch hier gibt es Dinge zu erledigen, beispielsweise Rennen durch Checkpoints oder Heissluftballons, die man rammen kann, um an zusätzliche Ressourcen zu gelangen. Hier zeigt sich jedoch eine weitere Schwäche von "Lou's Lagoon": viele längere Ladezeiten. Steigt man in das Flugzeug oder landet man auf einer Insel, bekommt man immer einen relativ langen Ladebildschirm vorgesetzt. Es nimmt viel aus der gemütlichen und entspannenden Atmosphäre, die das Game sonst zu bieten hat.

Auch technisch kann "Lou's Lagoon" nur begrenzt überzeugen. Der Stil und das Design mögen zwar gefallen und tragen sehr zur erwähnten Atmosphäre bei, doch gleichzeitig ist die Bildrate oft am Stocken. Ob am Boden oder in der Luft mit dem Flugzeug: Flüssig gespielt wird oft nicht. Der Soundtrack ist auch eher dezent. Wer nicht lesen mag, wird derweil nicht allzu glücklich, denn die vielen Dialoge mit den Bewohnern des Archipels sind nicht vertont.
Fazit
Wer auch virtuell noch ein wenig Sommer-Feeling braucht, wird sicher eine gute Zeit mit "Lou's Lagoon" haben. Das Gameplay ist simpel, aber unterhaltsam, und der rote Faden der Hauptgeschichte führt durch fast alles, was das Spiel zu bieten hat. Wer noch mehr will, bekommt mit Checkpoint-Rennen für das Flugzeug, versteckten Schatztruhen und Nebenaufgaben einiges geboten. "Lou's Lagoon" bietet nicht allzu viel Tiefe, doch das muss es auch nicht. Technisch ist die Präsentation allerdings eher mau, vor allem wegen der oft eher geringen Bildrate. Schlussendlich macht es aber Spass und liefert ein angenehmes Gefühl, was auf jeden Fall mehr wert ist als die technischen Probleme.

