Das nächste "Concord", oder ein für Bungie würdiger "Destiny"-Nachfolger? Der Extraction-Shooter "Marathon" polarisierte bereits vor Release. Aber wieso eigentlich? Bei uns gibt es den kritischen Ersteindruck!
Kaum ein Multiplayer-Projekt stand in den vergangenen Monaten so sehr unter Beobachtung wie Bungies Extraction-Shooter "Marathon". Bereits vor der spielbaren Testphase wurde der Titel kontrovers diskutiert - vor allem wegen seines Art-Styles und der generellen Ausrichtung.

Kurz vor dem Release startete Bungie die als Server-Slam titulierte Open Beta und liess Neugierige weltweit erste Eindrücke auf Tau Ceti IV sammeln. Die Reaktionen reichen von "überraschend gut" bis "das schlechteste Spiel aller Zeiten". Wir haben uns ebenfalls ins Getümmel gestürzt und liefern euch unseren fundierten Ersteindruck.
Selten so etwas Hässliches gesehen!
Eines sei vorweggesagt: "Marathon" ist weder einsteigerfreundlich noch übersichtlich oder gar einladend. Die Benutzerführung ist - trotz des kurzen Tutoriallevels - einfach grauenvoll. Menüs, Untermenüs und Tooltipps wirken überladen und teilweise unnötig kompliziert. Immer wieder fragten wir uns in den ersten Stunden, was dieses Spiel überhaupt von uns will und wo wir bestimmte Punkte finden.

Besonders das Inventarmanagement erweist sich in der aktuellen Version als Problemzone. Schon nach wenigen Partien füllt sich der Tresor mit Waffen, Mods und Munition. Die Übersicht leidet darunter erheblich, weil viele Icons nur minimale Unterschiede aufweisen. Chip-Mods etwa bestehen durchweg aus sehr ähnlichen grauen Schalttafeln mit rotem Kern. Die Differenzierung erfolgt meist nur über kleine Layout-Variationen, die im laufenden Betrieb kaum ins Auge fallen.
Hinzu kommt eine Vielzahl eingeblendeter Hilfetexte, die regelmässig wichtige Menüpunkte überdecken. Auch die zahlreichen Kurzbefehle, die eigentlich Zeit sparen sollen, tragen derzeit eher zur Verwirrung bei. Gerade in den ersten Stunden fühlt sich das Zusammenstellen eines Loadouts unnötig umständlich an. Hier besteht klarer Nachbesserungsbedarf.
Aufträge, Klassen und Fraktionen
Das Fortschrittssystem basiert auf Fraktionen, für die Spieler Aufträge erledigen. Insgesamt stehen sechs Gruppierungen zur Verfügung, über die sich Upgrades und Boni freischalten lassen. Dazu kommen ebenso viele Klassen mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Der von uns favorisierte Vandal etwa ist überaus schnell und wendig - ideal für Hit-&-Run-Attacken. Ob ihr allerdings lieber kämpft, schleicht oder gar als Support agiert, entscheidet ihr über die Klassenwahl.

Die über Aufträge und das Sammeln von Erfahrung freigeschalteten Fertigkeiten sind für spätere Missionen ebenso notwendig wie das Zusammenstellen eines starken Loadouts samt Mods. Allerdings müsst ihr hier auch stets das Risiko abwägen: Gelingt euch in einer Runde die Extraktion nicht, verliert ihr alle bis dahin gesammelten Gegenstände.
Die Grundidee funktioniert, die Umsetzung leidet jedoch erneut unter mangelnder Übersichtlichkeit. Viele Symbole sind sehr klein und ohne zusätzliche Erklärung schwer zu interpretieren. Wer die Effekte einzelner Boni verstehen möchte, muss sich die Informationen teilweise mühsam zusammensuchen. Für ein Spiel, das stark auf Progression setzt, ist das ein unnötiges Hindernis.
Unterm Strich präsentiert sich "Marathon" in den ersten Spielstunden als wenig zugänglich. Vieles erschliesst sich erst sukzessiv durch Ausprobieren. Eine klarere Benutzerführung würde den Einstieg deutlich erleichtern.
