Sony hatte über die letzten paar Jahre trotz vieler Versuche kaum Glück, im Games-as-a-Service-Markt Fuss zu fassen. "Concord" stürzte kurz nach der Veröffentlichung brutal ab, und viele Projekte, etwa zu Marken wie "God of War" oder "The Last of Us", wurden eingestampft. Mit "Marathon" von Bungie hat der Publisher nun den nächsten Titel in die Runde geworfen und veröffentlicht ihn nicht nur auf der eigenen Plattform. "Marathon" kann in vielen Bereichen extrem stark punkten, hat gleichzeitig aber einige spürbare Minuspunkte. Mehr haben wir für euch in unserem mehrwöchigen Test herausgefunden! Bitte beachtet, dass es sich dabei um einen Schnappschuss des aktuellen Standes handelt und dass sich das Game in den kommenden Wochen und Monaten stark verändern kann bzw. auf die eine oder andere Weise sicher wird.
Zurück zum Anfang
Wer fest in der Gaming-Sphäre verankert ist, weiss, dass "Marathon" nicht nur der Name von Bungies neuestem Spiel ist, sondern gleichzeitig der einer FPS-Trilogie aus den 1990er-Jahren für den Mac. Dieses neue "Marathon" geht jedoch in vielen Bereichen neue Wege, angefangen beim Genre des Extraction-Shooters. Doch trotz dieses Fokus auf den beliebten PvPvE-Modus, für den dieses Genre bekannt ist, bietet das Game eine tiefe Story mit unglaublich viel Potenzial.
Im Jahr 2893 erhält die Menschheit und dessen führende Regierung, das UESC, zum ersten Mal eine Botschaft von ihrer Kolonie auf dem weit entfernten Planeten Tau Ceti IV. Diese Nachricht wirft nur weitere Fragen auf, weshalb es nötig ist, die Kolonie selbst zu untersuchen. Es stellt sich heraus, dass keine Menschen mehr auf dem Planeten selbst zu finden sind. Alle Gebäude sind leer, die Marathon, das riesige Kolonieschiff, befindet sich ohne Reaktion im Orbit, und auf Tau Ceti selbst sind nur noch Roboter und ausserirdische Lebensformen zu finden. Doch nicht nur die Regierung der Erde hat ein grosses Interesse an der Kolonie und was dort passiert ist. Mehrere Unternehmen finanzierten die Reise nach Tau Ceti IV mit und erwarten von dort Profit. Deshalb stellen sie Runner ein. Das sind Menschen, die ihren eigenen Körper abgelegt haben und stattdessen ihr Bewusstsein in maschinellen Hüllen platzieren, um in ihrer metallischen Haut auf Missionen zu gehen. Es ist die Aufgabe der Runner, Informationen, Proben und alles Mögliche von der Kolonie zu beschaffen und an ihre kapitalistischen Meister zu schicken, um dafür neue Ausrüstung und selbstverständlich Kohle zu erhalten.

Wer keinen Bock auf irgendeine Story in "Marathon" hat, kann problemlos jede Zwischensequenz, jeden Dialog und jeden Kodex-Eintrag überspringen und eine Menge Spass mit dem Game haben. Wer jedoch in die Hintergründe der Welt, der Unternehmen oder der Runner und in so gut wie jedes Detail der Spielwelt eintauchen will, bekommt dafür viel geboten. Von simplen Produkten wie Nahrung über Waffen und Technologie bis zu den Firmen und dem UESC selbst gibt es Unmengen an Hintergrundinformationen, die "Marathon" zu einer echten, lebendigen Welt machen. Je mehr Aufträge man erledigt, desto mehr Informationen kann man nachlesen und desto mehr Gespräche mit Vertretern seiner Auftraggeber hat man. "Marathon" hat, besonders für das Genre, eine unglaubliche Tiefe, in die man eintauchen kann. Genauso gut kann man das alles jedoch auf der Seite liegen lassen und sich nur auf die Action konzentrieren.
An der Spitze der Rangliste
Wie von Entwickler Bungie zu erwarten ist, fühlt sich "Marathon" spielerisch wunderbar an. Alle Waffen, selbst wenn sie zur selben Klasse wie Schrotflinte oder Maschinenpistole gehören, fühlen sich einzigartig und fantastisch an. Egal ob man gegen die Roboter des UESC (PvE) oder andere Runner (PvP) in den Kampf zieht: Es macht einfach unglaublich viel Spass. Das Feedback, die Effekte, das Gefühl: Hier stimmt einfach alles. Das Gleiche kann über das exzellente Movement gesagt werden. Schon nach kurzer Zeit rennt, rutscht und klettert man wie ein Profi - Doppelsprünge inklusive! All diese Aktionen inner- und ausserhalb von Kämpfen miteinander zu kombinieren, gibt einem viel Freiheiten, wie man eine Situation angehen kann. Hier punktet das Spiel auf ganzer Linie. Es gibt viele Werkzeuge, um Gefechte und Fortbewegung so anzugehen, wie man es möchte - und keines davon fühlt sich schlecht oder ungenau an. Investiert man genug Zeit, ist es möglich, tolle Aktionen zu vollführen, wodurch man sich schnell wie ein Superheld fühlt.

Gespielt wird in Teams von bis zu drei Runnern immer im PvPvE-Modus. Wer keine Lust auf Begegnungen mit anderen Spielern hat, sollte also auf jeden Fall einen Bogen um "Marathon" machen. Toll sind auch die verschiedenen Spielgefühle, die man geboten bekommt, wenn man allein, mit einem zufälligen Team per Matchmaking oder mit Freunden auf Tau Ceti landet. Geht man solo auf eine Mission, wird es fast schon zu einem Schleichspiel. Jedes Gefecht muss mit Vorsicht angegangen werden, eine Konfrontation mit zu vielen NPCs oder einem Dreierteam endet schnell im Bildschirmtod. Wer niemanden kennt, um gemeinsam zu spielen, kann gern auf das Matchmaking zurückgreifen. Egal ob mit Mikrofon oder nicht: Unsere Erfahrungen mit der Vollversion bestanden zum allergrössten Teil aus tollen Läufen mit Spielern aus ganz Europa. Doch natürlich entfaltet sich das meiste Potenzial mit zwei weiteren Spielern, Mikrofonen und Teamwork. Besonders in den schwierigeren Levels ist das fast überlebensnotwendig.

Zur Auswahl standen zum Zeitpunkt des Tests vier verschiedene, mittelgrosse Maps. Die letzte dieser Karten wurde mit einem coolen ARG freigeschaltet, bei dem die Community zusammenarbeiten musste, um Rätsel zu lösen und jede Menge Bots zu killen. Diese Map kann auch nicht allein gespielt werden, weil es Elemente gibt, für die Teamkameraden nötig sind. Ansonsten sind die Karten in verschiedene Schwierigkeiten kategorisiert, die sich um die Stärke der NPC-Gegner und die Gefahren der Map selbst drehen. Denn wer nicht aufpasst, kann selbst auf der einfachsten Karte in kürzester Zeit von den UESC-Robotern über den Haufen geballert werden. Es ist immer Vorsicht geboten, was das Game extrem spannend und gleichzeitig frustrierend machen kann.
