Men in Black: Most Wanted - Test / Review

Agenten-Action mit VR-Potenzial?

Test Video Joel Kogler getestet auf Meta Quest

Das "Men in Black"-Franchise hat in den letzten Jahren eher durch seine Abwesenheit auf sich aufmerksam gemacht. Nach dem letzten grossen Kino-Auftritt von Will Smith und Tommy Lee Jones 2012 blieb die Serie lange auf Eis, während das VR-Gaming inzwischen dank Plattformen wie PS VR und Meta Quest deutlich zugänglicher geworden ist. Entsprechend verhalten waren die Erwartungen, als nDreams, das Studio hinter "Phantom: Covert Ops" und "Fracked", ankündigte, die ikonischen Agenten in die virtuelle Realität zu bringen.

Pünktlich zu Weihnachten 2025 erscheint "Men in Black: Most Wanted" exklusiv für die Meta-Quest-Headsets. Ob das Spiel die Versprechen einlösen kann und ob es mehr ist als nur ein Lizenztitel mit VR-Anstrich, klären wir in diesem Test.

Alien-Jagd im Herzen von New York

Die Geschichte von "Men in Black: Most Wanted" setzt euch in die Rolle eines neuen Agenten, der gerade erst in die geheime Organisation aufgenommen wurde. Die Prämisse ist bewusst schlank gehalten: Eine neue Alien-Spezies (die Vorax) hat es auf die Erde abgesehen und plant die Invasion über die New Yorker Unterwelt. Euer Mentor ist kein geringerer als Agent J, der euch per Funk durch die Missionen begleitet und mit typischen Sprüchen versorgt. Die Erzählung ist linear und dient hauptsächlich als Vehikel für die Action, was angesichts des Action-Fokus des Spiels durchaus funktioniert.

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Gerade zu Beginn wirkt die Story geradezu nebensächlich. Das Intro ist kurz und erklärt nur das Nötigste, bevor ihr direkt in die erste Mission gestürzt werdet. Davon abgesehen schafft es das Game, die Atmosphäre der Filme einzufangen: Die MIB-Zentrale ist detailreich gestaltet, die Waffen sehen aus wie direkt aus den Filmen, und das Design der Aliens schwankt zwischen witzig und bedrohlich. Die Dialoge von Agent J sind gelungen und klingen authentisch. Wer die Filme mag, wird sich hier sofort heimisch fühlen.

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Die narrative Tiefe bleibt jedoch begrenzt. "Men in Black: Most Wanted" setzt nicht auf komplexe Verschwörungen oder Charakterentwicklung, sondern auf atmosphärisches Storytelling durch die Umgebung und die Missionen. Das funktioniert grundsätzlich gut, lässt aber auch Potenzial ungenutzt. Wer eine Geschichte mit emotionaler Wucht oder überraschenden Wendungen erwartet, wird enttäuscht. Wer aber eine glaubwürdige Kulisse für ein VR-Abenteuer sucht, bekommt durchaus etwas geboten. Es ist den Machern gelungen, die Essenz der "MIB"-Welt zu transportieren, auch wenn die Erzählung selbst eher oberflächlich bleibt.

Hautnah bei den Men in Black

Das Gameplay von "Men in Black: Most Wanted" konzentriert sich auf das, was in VR am besten funktioniert: direkte, physische Interaktion. Ihr greift zu eurer Pistole, zielt mit dem Controller und drückt ab - das Gefühl ist unmittelbar und befriedigend. Die Waffenauswahl ist typisch MIB: Neben ikonischen Gadgets wie dem Neuralyzer habt ihr Zugriff auf verschiedene Alien-Waffen, die ihr im Laufe des Spiels freischaltet. Das Nachladen funktioniert per Handbewegung: Ihr greift in euren Gürtel, zieht ein neues Magazin und steckt es ein. Diese kleinen Details machen einen riesigen Unterschied für die Immersion.

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Die Missionen sind linear aufgebaut und führen euch durch verschiedene Schauplätze in New York. Dabei gibt sich der Entwickler durchaus Mühe, abwechslungsreiche Umgebungen zu bieten - egal ob dunkle U-Bahn-Tunnels, verlassene Fabriken oder Alien-Basen. Die Gegner-Vielfalt ist solide: Von kleinen, schnellen Kreaturen bis hin zu schwer bewaffneten Boss-Aliens ist alles dabei. Trotzdem wirkt das Kampfsystem sehr schnell repetitiv. Die KI der Feinde ist rudimentär und bietet keine grossen Überraschungen. Wer "Fracked" gespielt hat, wird hier Parallelen erkennen, nur dieses Mal eben mit "MIB"-Lackierung.

Ein cleveres Detail ist das Scanning-System: Mit eurem MIB-Scanner könnt ihr Aliens analysieren, Schwachstellen identifizieren und zusätzliche Informationen sammeln. Das fügt eine taktische Ebene hinzu und motiviert zur Erkundung. Die Gestensteuerung funktioniert grundsätzlich gut, hat aber ihre Tücken: Manchmal registriert das System eure Handbewegungen nicht korrekt, was in hektischen Kämpfen frustrierend sein kann.

Trotzdem schafft es das Spiel, mit seinem Tempo und der Atmosphäre über die Schwächen hinwegzutäuschen. Die Action-Sequenzen sind packend, und das Gefühl, tatsächlich ein MIB-Agent zu sein, kommt durchaus herüber. Wer Action-VR-Spiele mag, darf "Men in Black: Most Wanted" auf keinen Fall verpassen, zumindest was das Gameplay-Konzept angeht. Die Langzeitmotivation wird durch ein Upgrade-System und optionale Nebenmissionen gestützt, die aber eher als kleiner Bonus wirken denn als substanzieller Inhalt.

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