Mina the Hollower - Test / Review

Moderne Nostalgie in Höchstform

Test Video Joel Kogler getestet auf PC

Was macht ein Indie-Team nach einem Mega-Hit wie "Shovel Knight"? Genau mit dieser Frage war das US-amerikanische Entwicklerstudio Yacht Club Games sechs Jahre lang beschäftigt. Der hervorragend eingefangene Retro-Charme des Erstlings "Shovel Knight" und der jahrelange Support mit kostenlosen Inhalten danach katapultierten das kleine Unternehmen ins Rampenlicht. Eigentlich ist der Plan einfach: Die gleiche Formel noch mal anwenden auf ein anderes Genre und eine andere Ära. So entstand das Kickstarter-Projekt für "Mina the Hollower", das seine Inspiration vor allem in "The Legend of Zelda" und "Castlevania" findet. Doch dann gerät das Erfolgsrezept ins Schwanken. Der Druck abzuliefern, ist nach "Shovel Knight" gross und die Ambitionen mit einem geistigen Nachfolger noch grösser. Mehrmals stolpert das Spiel vor Release und muss kurzfristig verschoben werden.

Nach langem Warten und Bangen ist "Mina the Hollower" endlich da. Reicht es, um das Studio, wie Yacht Club selbst gegenüber Bloomberg sagt, vor dem Ruin zu retten? Oder versinken unsere Indie-Träume bald im Boden?

Link's Awakening trifft Bloodborne

"Mina the Hollower" ist ein Top-down-Action-Adventure mit Game-Boy-Color-Ästhetik, das die Quelle seiner Inspiration nicht versteckt. Neben klaren Einflüssen der Game-Boy-Ära wie "Link's Awakening" oder "Castlevania" zeigen sich auch Anleihen an moderne Titel wie "Dark Souls" oder "Bloodborne". Die anthropomorphe Maus Mina, eine sogenannte Hollower, ist für den technologischen Fortschritt unter dem gutmütigen Baron Lionel verantwortlich. Jetzt sind die Generatoren, mit denen die Insel mit Strom versorgt wurde, von einem Verräter bedroht, und Mina muss mit wahlweise Peitsche, Dolch oder Hammer anrücken, um alle sechs Generatoren wieder zu reparieren. Unterwegs enthüllt ihr sukzessiv die Wahrheit hinter den Vorfällen auf der Insel und bahnt euch euren Weg durch die gotisch inszenierten Katakomben, Höhlen und Täler in 16-Bit-Optik.

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Das Kernstück des Gameplays ist das titelgebende "Hollowing", das Eingraben in den Boden. Das macht Mina kurzzeitig unverwundbar, erlaubt es, euch unter bestimmten Hindernissen durchzugraben, und kann euch in die Luft katapultieren. Die Balance zwischen Kämpfen und kniffligen Platforming-Einlagen ist dabei sehr ausgewogen, wobei "Mina the Hollower" gern auch beides kombiniert. Je nach Waffe habt ihr ein deutlich anderes Spielgefühl. Dabei könnt ihr beim Spielstart zwischen drei Varianten wählen, wobei im Spielverlauf zwei weitere hinzukommen. Im Übrigen gibt es 15 temporäre Waffen wie etwa die stark an "Castlevania" angelehnte Wurfaxt. Die Kämpfe sind sehr fordernd, nicht zuletzt weil Mina jedes Ausweichmanöver und jeden Schlag frühzeitig planen muss, denn sowohl Bewegung als auch Angriffe brauchen eine kurze Vorlaufzeit. Auch das Heilen von erlittenem Schaden will geübt sein. Denn um euren Heiltrank brauchbar zu machen, müsst ihr ihn erst mit erfolgreichen Angriffen aufladen. Zurückhaltung ist hier fehl am Platz.

Ambitionierte Hommage an die Videospielgeschichte

Yacht Club Games gelingt wie kaum jemand anderem, die Atmosphäre und das Spielgefühl nostalgischer Spiele einzufangen und sie mit kleinen Anpassungen auch einem modernen Publikum zugänglich zu machen. Das ist bei "Mina the Hollower" wieder hervorragend gelungen. Jeder Abschnitt wimmelt nur so von kleinen Details und versteckten Geheimnissen, sodass das ohnehin schon umfangreiche Game mit einer extremen Dichte für erkundungsfreudige Spieler aufwartet.

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Was nicht immer ganz funktioniert, ist die Spielerführung, die besonders auf die ersten Spielstunden einen negativen Einfluss hat. "Mina the Hollower" verzichtet, wie viele Games der damaligen Zeit, komplett auf Tutorials. In der durchaus komplexen Spielwelt sind wir dadurch aber nicht immer sicher, ob wir für ein bestimmtes Hindernis noch nicht die passende Fähigkeit haben oder ob wir eine Spielmechanik nicht umfänglich verstanden haben. Wer ohnehin lieber experimentiert, wird damit kein Problem haben, "Shovel Knight" hatte uns aber noch deutlich sanfter an die Spielmechaniken herangeführt.

In eine ähnliche Kerbe schlägt die fehlende Karte, was Yacht Club Games in seine, Entwicklertagebuch sogar gross als Feature ankündigt. Man habe die Levels bewusst so designt, dass es keine Karte brauche und man frei erkunden könne und solle. Tatsächlich können wir die Dungeons im Spiel in beliebiger Reihenfolge angehen und sind beim Erkunden sehr frei. Wer sich trotzdem mal verläuft oder nicht mehr weiss, wo jetzt die eine Höhle oder Kiste war, die man nicht erreichen konnte, schaut in die Röhre.

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Wo "Mina the Hollower" überhaupt keinen Raum für Kritik lässt, ist bei Sound-Design und Musik. Ersteres passt perfekt zum Retro-Look des Spiels und weckt bei älteren Gamern sofort nostalgische Gefühle, während "Shovel Knight"-Komponist Jake Kaufman abermals einen meisterhaften Chip-Tune-Soundtrack abliefert, der sofort Kultstatus geniesst.

Soulslike-Schmerz auf Wunsch

Wir hatten es schon zuvor erwähnt: "Mina the Hollower" ist fordernd, manchmal sogar überraschend schwer. Viele moderne Action-Adventures setzen auf einen harten, aber fairen Schwierigkeitsgrad, um eure Erfolgserlebnisse auf Kosten der Zugänglichkeit zu versüssen. "Mina the Hollower" geht einen ganz eigenen Weg. Denn ja, das Game ist schwer, ihr könnt aber jederzeit aus über 200 Modifikatoren wählen, um euch ein ganz eigenes Spielgefühl zusammenzubasteln. Das reicht von kleinen Hilfen wie schwächere Gegner über klassische Cheats wie unbegrenzte Munition bis hin zu extravaganten Optionen wie andere Farbpaletten oder höhere Sprünge. Besonders cool: Yacht Club hat bereits vorgefertigte "Pakete" definiert, mit denen ihr auf Knopfdruck eine ganze Reihe an Modifikatoren aktivieren könnt, um etwa das Spiel leichter zu machen.

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Dank der Modifikatoren bleibt das Game auch nach dem ersten Spieldurchgang von 15 bis 20 Stunden frisch, insbesondere wenn man bedenkt, dass die Reihenfolge der Gebiete und Dungeons frei wählbar ist und mit einigen Modifikatoren sogar zufällige Elemente ergänzt werden können.

Fazit

"Mina the Hollower" ist unglaublich selbstbewusst und weiss ganz genau, was es sein will. Gelegentlich eckt das Spiel mit dieser kompromisslosen Art an, doch im Kern haben wir hier einen würdigen Nachfolger für eine der grössten Erfolgsgeschichten der Indie-Szene. "Mina the Hollower" ist so vollgepackt mit offensichtlicher Liebe zum Detail und zur Geschichte der Videospiele, dass wir jedem Gamer nur ans Herz legen können, hier hereinzuschauen.

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