MIO: Memories in Orbit - Test / Review

Metroidvania-Geheimtipp - nicht nur für Genre-Fans

Test Video olaf.bleich getestet auf PlayStation 5

Wunderschön, fordernd und dennoch zu jeder Sekunde ein Erlebnis: Das Metroidvania "MIO: Memories in Orbit" punktet im Test an breiter Front. Aber ist es auch ein Pflichtkauf?

Metroidvanias sind zwar eine Nische, besitzen aber eine starke Community. Das zeigte im vergangenen Jahr besonders "Hollow Knight: Silksong". Das knackig schwere Abenteuer heimste nicht nur Höchstwertungen ein, sondern verkaufte sich bis Mitte Dezember 2025 über sieben Millionen Mal. Damit stellte die vergleichsweise kleine Produktion mühelos manche AAA-Knaller in den Schatten.

"MIO: Memories in Orbit" trifft die gleiche Kerbe. Entwickelt vom französischen Indie-Team Douze Dixièmes (bekannt durch sein Erstlingswerk "Shady Part of Me"), schlägt das Science-Fiction-Metroidvania vergleichsweise leise Töne an, trumpft aber mit seinem durchdachten Spieldesign und der handgezeichneten Grafik gross auf. Nach über 25 Stunden in "MIO: Memories in Orbit" hat sich der Action-Platformer jedenfalls einen Platz auf der Geheimtippliste 2026 gesichert.

Ein kleiner Roboter rettet die Welt!

Der Einstieg fällt entsprechend bewusst kryptisch aus. Nach einer kurzen Ansprache durch eine unbekannte Stimme erwacht ihr als Roboter MIO an Bord des "Gefässes", einer gigantischen Raumstation.

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Das Gefäss fungiert nicht nur als Schauplatz, sondern als zentrales Motiv: Das Schiff wird als lebender Körper verstanden, dessen einzelne Bereiche erkrankt sind. Jeder Bereich ist ein eigenes Biom für sich. Doch was malerisch klingt, steht kurz vor der Zerstörung. Das Gefäss ist eine sterbende Welt - und ihr müsst mit MIO die endgültige Apokalypse verhindern.

Einen handfesten roten Faden gibt es in "MIO: Memories in Orbit" nicht. Euer Spielfortschritt ist direkt an Gameplay und Leveldesign gekoppelt. Das heisst im Klartext: Wenn ihr mal auf eine Sackgasse stosst, hängt das zumeist damit zusammen, dass euch eine Fähigkeit fehlt. Und die müsst ihr dann auf einem anderen Weg freischalten.

Schön, schnell, motivierend

"MIO: Memories in Orbit" ist ein Metroidvania in Reinkultur - mit all seinen Stärken und Schwächen. Eine ganz wichtige Motivation liegt daher im Entdecken der Spielwelt. Douze Dixièmes verpackt das Abenteuer beinahe wie ein französisches Kunstwerk. Umgebung und Charaktere sind handgezeichnet. Wer genau hinschaut, erkennt sogar noch einzelne Pinselstriche. Damit einher geht ein sympathisches und bisweilen sogar liebenswertes Charakterdesign. Hauptcharakter MIO erinnert beinahe an eine Zauberin mit Mantel und goldenen Antennen, während die Roboter direkt aus einem französischen Comic stammen könnten. Dazu sind die Biome, die ihr im Verlauf der 25 bis 40 Stunden Spielzeit bereist, herrlich abwechslungsreich und wundervoll gezeichnet. Untermalt wird das Ganze von einem enorm atmosphärischen Elektro-Pop-Soundtrack, der die Schwere und Melancholie stark repräsentiert. Kurzum: Stimmung und Technik sind top!

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Spielerisch positioniert sich MIO klar innerhalb der Metroidvania-Tradition. Die Spielwelt ist verzweigt, verschachtelt und zu grossen Teilen zunächst unzugänglich. Kartenmaterial steht nicht sofort zur Verfügung, sondern muss freigeschaltet werden. Gleiches gilt für Schnellreisepunkte, die erst durch das Aktivieren von Nexus-Kontrollpunkten und das Reparieren bestimmter Instanzen nutzbar werden. Backtracking ist ein integraler Bestandteil des Designs und lässt sich nicht vermeiden, sondern ist bewusst eingeplant. Fortschritt entsteht weniger durch lineares Voranschreiten als durch wiederholtes Erkunden mit neuen Fähigkeiten.

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Direkte Anweisungen oder Questmarker gibt es kaum. Stattdessen setzt das Spiel auf visuelle Hinweise und eure Aufmerksamkeit. Versteckte Durchgänge tarnen sich hinter unscheinbaren Wänden, Wasserfällen oder dichter Vegetation. Die Karte wird im Verlauf zu einem zentralen Orientierungshilfsmittel, da sie zwischen offenen und blockierten Wegen unterscheidet. Wer ins Stocken gerät, findet dort meist Hinweise auf bislang unerforschte Pfade. Das sorgt für ein Spieltempo, das regelmässig von kurzen Planungsphasen unterbrochen wird und ein bewusstes Lesen der Spielwelt verlangt.

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