Der Begriff "Mixtape" stammt aus einer Zeit der Kassetten, in der man von Hand eine solche mit seinen Lieblingssongs bespielte. Durch den Fortschritt der Technik wurde das Tape von der gebrannten CD ersetzt, doch der Sinn dahinter blieb der gleiche. Heute hat auch die CD ihre besten Tage hinter sich, aber der Zweck von personalisierten Playlists erfüllt weiterhin das gleiche Bedürfnis: eine Kombination aus Liedern, egal aus welchen Genres und von welchen Künstlern, die ganz nach dem eigenen Geschmack oder für eine bestimmte Lebenslage zusammengestellt wurden.
Das von Beethoven & Dinosaur entwickelte und von Annapurna Interactive vertriebene "Mixtape" nimmt das titelgebende Konzept und verbindet es mit einem Tag aus dem Leben von drei Teenagern, um daraus ein gleichzeitig nostalgisches und zeitloses Abenteuer zu erschaffen.
Der letzte Tag
Stacey Rockford, Cassandra Morino und Van Slater sind drei beste Freunde, die ihren Highschool-Abschluss hinter sich haben und für die schon bald das Erwachsensein richtig anfängt. Doch bevor sich der Weg des Trios unweigerlich trennen wird, gibt es noch einen letzten Tag und eine letzte Party. Stacey, unsere Erzählerin und Protagonistin, liebt Musik. Schon am nächsten Tag wird sie nämlich nach New York reisen, um dort hoffentlich einen Job in der Musikbranche zu ergattern. Das werde für sie ihrer Meinung nach kein Problem sein, kennt sich doch für jede Situation das perfekte Lied. Die nächsten 24 Stunden sollen allerdings ein Ereignis sein. Etwas, an das sich die drei Freude für immer erinnern sollen, und natürlich hat Rockford dafür ein Mixtape erstellt, auch wenn es sich auf einer CD befindet. In ihrem Kopf hat sie den ganzen Tag durchgeplant. Alles, was passieren wird, ist in ihrem Soundtrack quasi in Stein gemeisselt.

Doch das Leben kommt immer anders, als man es sich in seinen Träumen vorstellt - ganz besonders als Teenager, an einem emotionalen Tag und wenn gewisse Substanzen involviert sind. Wir wollen hier gar nicht zu viel über die Geschichte an sich verraten, denn sie steht im Mittelpunkt von "Mixtape", ist exzellent und sollte von jedem, der interessiert ist, selbst erlebt werden. Unsere Redaktion, zum grössten Teil bestehend aus über 30-Jährigen, die es lieben, über Games zu berichten, wurde mit der Handlung auf einen Trip mitgenommen, der an vielen Stellen stark räsoniert hat. Schon das Konzept des Mixtapes ist zeitlos. Das Medium ändert sich, von der Kassette, zur CD und zu Playlists, doch der Zweck bleibt. Ältere Semester, die mit dem Sound des Spiels aufgewachsen sind, werden sicher auch ein gewisses Mass an Nostalgie verspüren, das sie gepaart mit vielen Referenzen zu Filmen und Popkultur immer wieder reminiszieren lassen. Nostalgie und Zeitlosigkeit gleichzeitig zu balancieren, kann schnell nach hinten losgehen, doch "Mixtape" schafft die Balance problemlos.
Erinnerungen schaffen
Das Game an sich ist in 30 kurze Kapitel über drei Akte unterteilt, und das Mixtape umfasst ungefähr so viele Songs. Insgesamt kann man das ganze Spiel in drei bis fünf Stunden problemlos durchzocken, je nachdem, wie sehr man mit der Umgebung interagiert. Der Ablauf bleibt dabei in der Regel immer gleich, bietet allerdings sehr viel Abwechslung. Man steuert Stacey am letzten Tag vor ihrer Abreise und muss in ihrer Haut noch einiges für die Party erledigen und besorgen. Doch immer wieder findet sie Dinge in ihrer Umgebung, die sie an vergangene Momente erinnern. Eine Baseballtrophäe in Cassandras Zimmer triggert beispielsweise die Erinnerung an Staceys einzigen sportlichen Moment, in dem sie zusammen mit Cass den Baseballschläger geschwungen hat. So entsteht ein Fluss aus ruhigen, charakterbezogenen Momenten und diesen Erinnerungen, die sich oft als kleine Minispiele oder andere Szenen mit Gameplay im Mittelpunkt präsentieren. Wirklich herausgefordert wird man dabei niemals. Selbst wenn man mit dem Skateboard einen Hügel herunterbrettert und einen Unfall baut, spult das Game automatisch ein paar Sekunden zurück. In der Regel kann man auch selbst entscheiden, wie lange man an einer Aktivität teilnehmen will, wodurch das Pacing immer zum eigenen Gefühl passt.

Clever ist dabei auch, dass Objekte in der Umgebung, die eine solche Erinnerung auslösen, farblich markiert sind. Wer einen Ort ein wenig mehr erkunden und sich mit seinen Freunden unterhalten will, kann das genauso gut machen wie Leute, die sich nur auf die Hauptgeschichte konzentrieren möchten. Es ist ein einfaches, aber wirklich gelungenes System, das keine Zweideutigkeit aufkommen lässt. "Mixtape" ist durch all diese Aspekte ein Game, das von jeder Generation gespielt werden kann. Die Themen, die es aufgreift, sind wie bereits erwähnt zeitlos, und durch die drei Hauptfiguren wird man auch mit einer Breite an Erfahrungen konfrontiert. So sind beispielsweise gleich drei Elterntypen vertreten, die wohl viele von uns erlebt haben - egal ob streng, viel zu offen oder neutral. Die jungen Erwachsenen selbst repräsentieren ebenfalls ein breites Spektrum an Erfahrungen. Sie können extrem nervig und prätentiös sein, bevor sie ein Thema ansprechen, zu dem man selbst einen starken Bezug hat.
