Nioh 3 - Test / Review

Starkes Open-World-Soulslike

Test Video Benjamin Braun getestet auf PlayStation 5

Auf ins Höllenfeuer

Eine Ausnahme gibt es dann aber doch, und das sind die grossen Höllenfeuer. Dabei handelt es sich um (zunächst) separate Gebiete, die komplett in der Yokai-Schattenwelt liegen. Sobald ihr sie aktiv betreten habt, dürft ihr sie bis zum Abschluss nicht mehr verlassen. Ihr solltet euch also gut überlegen, ob ihr sie betretet oder doch lieber erst noch etwas anderes macht. Diese Areale unterscheiden sich in vielen Punkten vom Rest des Spiels. So ist der Aufbau stärker labyrinthisch geprägt, wobei ihr eine Reihe cleverer Abkürzungen freischalten könnt. Ein Teil der Gegner sind spezielle Yokai-Dämonen, die ihr nur einmal besiegen müsst, sodass die jeweiligen Abschnitte später entsprechend zumindest etwas leichter werden. Das gibt es im restlichen Teil der Welt ansonsten nur in Ansätzen.

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Im Höllenfeuer gelten etwas andere Regeln. So ladet ihr eure Schutzgeistfähigkeiten inklusive des Ultimate-Skills, bei dem ihr euch zeitweise in eine quasi unverwundbare Yokai-Variante euer selbst verwandelt, deutlich schneller auf als in der normalen Welt. Dafür sind die Feinde nicht nur stärker, sondern reduzieren auch eure maximalen TP, wenn sie euch treffen. "Lebenskorrosion" nennt Team Ninja das. Ihr könnt diesen Teil durch eigene Treffer aber relativ schnell wieder freigeben. Als Abschluss wartet natürlich auch hier ein dicker Boss, der euch womöglich einige Male legen wird, bis ihr ihn in die Hölle verbannt. Doch wie so oft in Soulslikes: Wenn es dann endlich geklappt hat, ist der mögliche Frust davor sofort wieder vergessen.

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Wie schon in den Vorgängern könnt ihr an verschiedenen Punkten auch im Offline-Modus einen Helfer an eure Seite rufen. Im Fall von "Nioh 3" gibt es deutlich mehr dieser Gräber, und praktisch bei jedem Boss ist in der Nähe einer vorhanden. Im Höllenfeuer sind sogar gleich mehrere Helfer am Start, die ihr wiederbeleben könnt. Da ihr aber (wie in den Vorgängern) eine bestimmte Ressource benötigt, um die Wiederbelebung zu starten, solltet ihr damit dennoch zurückhaltend umgehen. Denn eine Hilfe sind die Begleiter eben erst dann wirklich, wenn ihr ungefähr wisst, welche Kampfaktionen der Boss draufhat. Nachschub an dieser Ressource gibt es in der normalen Welt reichlich, vor allem bei feindlichen Phantomen, die ihr kostenlos am Grab auferstehen lasst und dann besiegen müsst. Im Höllenfeuer allerdings sind nur wenige davon zu finden, was ohne vorherige Anhäufung der Helfer-Wiederbelebungen stark einschränkt.

Schaurig-schöne Grafik

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Nachdem wenige Tage vor "Nioh 3" noch ein anderes Soulslike auf Basis der Unreal Engine veröffentlicht wurde, das unter anderem auch technisch keinen allzu guten Eindruck hinterlassen hat, müssen wir noch die Grafik loben. In "Nioh 3", das auf Koei Tecmos In-House-Engine Katana aufbaut, ist jetzt sicherlich auch nicht jede Textur stark. Doch sowohl stilistisch als auch bei der Farbgebung, vor allem aber mit Blick auf Animationen und Effekte liefert Team Ninja ein richtig gutes Gesamtbild. Das einzige technische Manko ist eine gelegentlich sichtbar abfallende Framerate. Das passiert allerdings eigentlich nur, wenn man schnell laufend aus einem Weltgebiet nahtlos in das angrenzende wechselt, da im Hintergrund irgendetwas nachgeladen wird. Also nichts wirklich Schlimmes, da so etwas eigentlich nie während eines Kampfes geschieht. In unserem auf Seite 1 eingebundenen Testvideo ist in diesem Fall HDR nicht aktiviert. Mit HDR sieht das Ganze jedenfalls noch mal deutlich besser aus, womit Team Ninja einmal mehr zeigt, was das für einen Unterschied in Bezug auf Farbtiefe und Farbechtheit machen kann. Es gibt zwar bisweilen ein paar Ecken, vornehmlich innerhalb von Gebäuden, die ohne eingeschaltetes HDR zu dunkel sind, sodass man wenig erkennen kann. Das ist hier jedoch ein erheblich geringeres und selteneres Problem als in vielen anderen Spielen, bei denen man ohne HDR die Helligkeit völlig überdrehen muss, um in manchen Szenen überhaupt noch etwas erkennen zu können.

Fazit

Mit "Nioh 3" liefert Team Ninja nicht weniger als den bislang besten Teil der Reihe ab. Das quasi duale Charaktersystem mit dem praktisch jederzeit möglichen Wechsel zwischen Samurai- und Ninja-Form wertet die Kämpfe enorm auf und liefert eine tolle Kombination aus wuchtiger Kraft und flinker Kampfakrobatik. Aber auch die offeneren Gebiete machen uns grossen Spass und motivieren uns enorm, möglichst alles mitzunehmen. Die Höllenfeuer-Passagen bieten zusätzliche Abwechslung, erweisen sich letztlich aber als nicht so bedeutende Neuerung wie Kampfstile oder offene Spielwelt. Trotz vieler Freiheiten und der Möglichkeiten, auch ohne klassisches Grinding Vorteile zu erarbeiten, ist "Nioh 3" für Spieler, die es nicht schwer mögen, nur begrenzt empfehlenswert. Denn gerade die Story-Bosse sind selbst für Soulslike-Erfahrene kein Zuckerschlecken. Doch das ist eher als Anmerkung für Spieler zu verstehen, die die Reihe noch nicht kennen. Denn anders als richtig schwer darf ein "Nioh" halt einfach gar nicht sein!

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